Darum gehts
- Klimaanlagen sind rar: Sommerhitze bringt Schweizer Hotels in Bedrängnis, sogar in den Bergen
- Hotelgäste stornieren Buchungen oder verlangen Rabatte wegen fehlender Kühlung
- Laut Buchungsplattform gehört «Klimaanlage» bei der Hotelsuche zu den wichtigsten Filtern, Tendenz: steigend.
Diesen Sommer überschiessen die Temperaturen selbst in Bergdestinationen wie Interlaken BE und Engelberg OW locker die 30-Grad-Marke. «Interlaken hat sich eher angefühlt wie Jamaika als wie die Schweiz», teilt ein amerikanischer Tourist seine Erfahrung in einem Online-Forum. Dort wird anschliessend eifrig darüber diskutiert, ob es in Schweizer Hotels Klimaanlagen gebe und ob das überhaupt nötig sei.
Nötig? Offenbar. Aber in vielen Tourismusregionen immer noch eine Seltenheit, wie eine Blick-Auswertung zeigt. In Hotelbewertungen häufen sich entsprechende Beschwerden: «Im Sommer viel zu heiss, keine Klimaanlage, morgens vor 8 Uhr schon völlig durchgeschwitzt.» Und: «Das nächste Mal bringe ich einen kleinen Ventilator mit, weil ich bei der Hitze nicht schlafen konnte.» Oder: «Im Hotelgang war es angenehm kühl, aber im Zimmer war Sauna angesagt.»
Obschon es nun auch in den Bergen heiss wird, sind Klimaanlagen in Berghotels (noch) rar. Selbst in Nobelorten wie St. Moritz GR und Zermatt VS bieten nur wenige Hotels klimatisierte Zimmer. Das zeigt eine Blick-Auswertung der Daten auf den Buchungsplattformen Booking und Expedia. Die Analyse berücksichtigt die Gemeinden mit den meisten Hotelübernachtungen und ihr Umland.
Nur im Süden müssen sich Hotelgäste kaum Sorgen machen, dass ihr Zimmer zu heiss ist: Im Raum Lugano TI verfügen praktisch alle Hotels über Klimaanlagen.
Heisser geht es in Deutschschweizer Städten zu und her. Im Raum Zürich, Bern und Luzern, ja selbst in der Hitzeregion Basel sind weniger als die Hälfte – teils gar nur ein Viertel – aller Hotels mit Klimaanlagen ausgerüstet.
Die Klimaanlagen-Dichte nimmt rasant ab, je mehr man sich den Bergen nähert. In den Regionen Davos GR, St. Moritz, Zermatt, Lauterbrunnen BE und Grindelwald BE sind nur zwischen 3 und 13 Prozent der Hotels klimatisiert.
Interessant ist die Genferseeregion: Montreux VD zählt offensichtlich schon fast als Bergregion. Entsprechend verfügt nur etwa ein Drittel der Hotels über klimatisierte Zimmer. Genf dagegen, am anderen Ende des Sees, ist nach Lugano der Ort mit der höchsten Klimaanlagen-Dichte.
Obschon es nun auch in den Bergen heiss wird, sind Klimaanlagen in Berghotels (noch) rar. Selbst in Nobelorten wie St. Moritz GR und Zermatt VS bieten nur wenige Hotels klimatisierte Zimmer. Das zeigt eine Blick-Auswertung der Daten auf den Buchungsplattformen Booking und Expedia. Die Analyse berücksichtigt die Gemeinden mit den meisten Hotelübernachtungen und ihr Umland.
Nur im Süden müssen sich Hotelgäste kaum Sorgen machen, dass ihr Zimmer zu heiss ist: Im Raum Lugano TI verfügen praktisch alle Hotels über Klimaanlagen.
Heisser geht es in Deutschschweizer Städten zu und her. Im Raum Zürich, Bern und Luzern, ja selbst in der Hitzeregion Basel sind weniger als die Hälfte – teils gar nur ein Viertel – aller Hotels mit Klimaanlagen ausgerüstet.
Die Klimaanlagen-Dichte nimmt rasant ab, je mehr man sich den Bergen nähert. In den Regionen Davos GR, St. Moritz, Zermatt, Lauterbrunnen BE und Grindelwald BE sind nur zwischen 3 und 13 Prozent der Hotels klimatisiert.
Interessant ist die Genferseeregion: Montreux VD zählt offensichtlich schon fast als Bergregion. Entsprechend verfügt nur etwa ein Drittel der Hotels über klimatisierte Zimmer. Genf dagegen, am anderen Ende des Sees, ist nach Lugano der Ort mit der höchsten Klimaanlagen-Dichte.
Gemäss der Buchungsplattform Expedia gehört «Klimaanlage» zu den drei wichtigsten Filtern, wenn Herr und Frau Schweizer nach Hotels suchen – Tendenz: rasant steigend. Blick weiss zudem von Fällen, in denen Hotelgäste entweder ihre Buchung storniert oder einen Preisnachlass verlangt haben, weil die Zimmer nicht klimatisiert waren.
Hitze macht aus Hotel einen Backofen
Hotelier Jonas Gass (38) von der Basler Krafft-Gruppe kennt das Phänomen: «Wir haben im Moment immer wieder Gäste – gerade ältere –, die ihre Buchung wegen der Hitze stornieren. Und bei amerikanischen Gästen kommt es sogar vor, dass sie ins Zimmer gehen und gleich wieder auschecken, wenn sie merken, dass wir keine Klimaanlage haben.» Aber den Amerikanern kann man es in Sachen Kühlung auch kaum recht machen. Gass erzählt: «Diesen Frühling hat sich eine Amerikanerin lauthals an der Rezeption beschwert, weil es im Zimmer 18 Grad warm war. Sie schlafe immer bei 15 Grad, hat sie mir erklärt.»
Das historische Hotel Krafft, Baujahr 1873, steht direkt am Rhein. «Ein wunderbarer Platz, der bei dieser Hitze aber auch Nachteile hat», sagt Gass. Zwölf Stunden direkte Sonne hätten aus dem Haus einen Backofen gemacht.
Das Hotel unternimmt zwar einiges, um den Gästen den Aufenthalt so kühl wie möglich zu machen: kalte Getränke, Tücher aus dem Kühler und Schwimmsäcke für eine Erfrischung im Rhein. Trotzdem bleiben die Zimmer heiss: «Die Temperaturen sind aktuell teilweise wirklich grenzwertig», räumt Gass ein.
Um Enttäuschungen zu vermeiden, geht die Krafft-Gruppe diesen Sommer proaktiv auf die Gäste zu und warnt vor den Temperaturen. «Mir ist es lieber, ein Gast kommt nicht, als dass er wegen der Hitze leidet.»
Sogar in den Bergen tut sich was
Ab nächstem Jahr soll alles besser werden. Die Krafft-Gruppe hat zusammen mit einem Planer ein Kühlkonzept entworfen, das sie im Herbst zur Bewilligung einreichen will.
Krafft ist nicht das einzige Hotel, das gerade umrüstet.
Beim Branchenverband Hotellerie Suisse heisst es dazu: «Aus der Praxis bekommen wir mit, dass Klimaanlagen sowohl aufgrund steigender Temperaturen als auch aufgrund veränderter Gästeerwartungen zunehmend ein Thema sind.» Entsprechend gross ist im Moment der Ansturm von Hotels auf Kühlplaner und Klimaanlagen-Installateure. «Unser Planer sagte mir, zum Glück sei ich so früh auf ihn zugekommen. Wenn ich jetzt ein Projekt anstossen möchte, müsste ich bei ihm hinten anstehen und zwei, drei Jahre warten, bevor wir loslegen könnten», erzählt Gass.
Selbst in den Bergen tut sich was – zum Beispiel im bekanntesten Hotel des Berner Oberlands: Die Zimmer im Luxushotel Palace in Gstaad sollen bis nächsten Sommer alle mit Klimaanlagen ausgestattet sein. Er habe sich lange gegen die Idee gesträubt, in den Bergen Klimaanlagen einzubauen, sagt Inhaber und Hotelier Andrea Scherz (57) gegenüber «Plattform J», «aber die Gäste reklamieren zunehmend wegen der Hitze in den Zimmern».