Darum gehts
- Die Schweiz erlebt eine Hitzewelle mit bis zu 39 Grad am Donnerstag
- Meteorologe rät zu kühleren Orten, Schatten und frühem Wandern
- Jungfraujoch: Eispalast mit konstanten –3 Grad auf 3454 Meter über Meer
Storen runter, Ventilator an oder ab ans Wasser – Hauptsache abkühlen. Das scheint angesichts der Hitzewelle, die diese Woche auf die Schweiz zurollt, für viele die einzige Lösung zu sein. Doch wo findet man überhaupt noch etwas Erfrischung? «Es ist immer noch hochsommerlich. Viele Möglichkeiten gibt es nicht, sich abzukühlen», erklärt Klaus Marquardt von Meteo News.
Muss man jetzt also in die Berge fliehen? Nicht unbedingt, sagt der Meteorologe. «Je höher man hinaufgeht, desto kühler ist es.» Aber: «Auch wenn man auf 2000 Metern in der Sonne sitzt, ist es heiss.» Wer der Hitze entkommen will, muss deshalb nicht zwingend möglichst hoch hinaus. Entscheidend sind Ort und Timing.
Wanderwetter? Nur unter bestimmten Bedingungen
Während der Hitzepeak am Donnerstag mit Temperaturen von bis zu 39 Grad lokal ist, sinken die Temperaturen am Samstag auf knapp 30 Grad. «Es wird jedoch schwül», fügt Marquardt hinzu. «Wenn man die Möglichkeit hat, dann sollte man die Hitze meiden und nicht in der Stadt spazieren, sondern den Schatten suchen.»
Wer lieber wandert als schwimmt, muss aufpassen. Marquardt rät: «Wenn man wandern geht, sollte man früh dran sein wegen der Temperaturen. Am Samstag ist das Wandern schwierig wegen der Gewitter.» Sein Tipp für diejenigen, die es in die Berge zieht: genügend Wasser mitnehmen, früh starten und bei Gewitterrisiko keine hochalpinen Touren unternehmen. «Es ist keine Wetterlage, bei der man einfach bedenkenlos losziehen kann.»
Warum sich ein Sprung ins Wasser weiterhin lohnt
Wandern oder lieber schwimmen? «Es ist eine individuelle Geschmackssache, ich tendiere aber eher zum Schwimmen», verrät Marquardt. «Am besten aufgehoben ist man in der Badi.» Mit Blick auf die Wettervorhersage steht einem Bade-Wochenende nichts im Weg.
Bringt ein Sprung ins Wasser überhaupt etwas bei dieser Hitze? «Klar, wenn es ein kleiner See ist, dann wird das Wasser warm sein. Aber es ist besser als nichts.» Das Wasser ist kühler als die Luft – der Frischekick ist garantiert.
Wo die Schweiz der Hitze entkommt
Zwischen dem Schmieden von Wochenendplänen ist Vorsicht geboten. Wer dieses Wochenende in die Berge geht, sollte laut Marquardt die Gewitter im Auge behalten und nicht blind unterwegs sein. «Das Gewitterrisiko ist hoch.»
Eine gewisse Flexibilität ist dieses Wochenende gefordert, meint der Experte. Denn nicht jeder Ort heizt sich gleich stark auf. Diese fünf Ausflugsziele bieten die besten Chancen auf eine willkommene Abkühlung.
Der coole Eispalast auf dem Jungfraujoch
Ein Klassiker, den man sicherlich oft auf der Ausflugsliste von Touristen findet. Berechtigt, denn der Eispalast des Jungfraujochs ist ein wahrer Hingucker. Hier kommt die Hitzewelle nicht durch: Im Inneren herrschen konstant um –3 Grad.
Während früher Bergführer mit Eis und Pickel am Werk waren, können Besucherinnen und Besucher heutzutage die Eisskulpturen bestaunen – und vor der Hitze fliehen. Die eisigen Gänge führen durch eine surreale Skulpturensammlung auf rund 3454 Höhenmetern.
Die drei frischen Murgseen
Kaltes oder doch lieber warmes Wasser? Diese Entscheidung fällt man am besten bei den drei Murgseen, denn diese sind unterteilt in Unteren, Mittleren und Oberen Murgsee. Aufgrund seiner Höhe ist der auf rund 1816 m ü. M. gelegene Obere Murgsee besonders kalt.
Der Aufstieg zu den Bergseen verlangt zwar etwas Ausdauer, die Abkühlung entschädigt dafür umso mehr. Wo sonst bekommt man beim Schwimmen im kristallklaren Wasser einen atemberaubenden Blick auf das Bergpanorama? Auf knapp 1900 Metern über Meer bleibt das Bergwasser selbst im Hochsommer ausgesprochen kühl. Wer also kein «Gfrörli» ist, ist hier an der richtigen Stelle.
Der eiskalte Sägistalsee
Einer der kältesten Seen der Schweiz ist der Sägistalsee im Berner Oberland. Beim Kaltluftsee wurde 2023 ein Tiefstwert von –42,3 Grad gemessen. Zwar ist das Wasser derzeit nicht ganz so eisig kalt, doch auch dieser See liegt auf 1936 m ü. M. – ein erfrischendes Bad ist also garantiert.
Bevor man jedoch ins kühle Nass eintauchen kann, muss man sich die Abkühlung im strahlend blauen Wasser erst mit einer Wanderung verdienen, etwa auf der Route von der Schynige Platte über das Oberberghorn zum Sägistalsee.
Die Gletscherschlucht Rosenlaui
Im Berner Oberland liegt die Gletscherschlucht Rosenlaui. Romantische Grotten, tosende Wasserfälle und schroffe Felswände machen die Schlucht zu einem kühlen Ausflugsziel an heissen Tagen. Auf dem Weg durch die kalten Felstunnel begleitet Besucherinnen und Besucher das Rauschen des Weissenbachs, während sie an imposanten Steinmassiven vorbeiziehen.
Das Gletscherwasser hat die Schlucht über Jahrtausende geformt und eine spektakuläre Felslandschaft geschaffen. Ein Ort, an dem nicht nur die Temperaturen sinken, sondern auch die Natur beeindruckt.
Die verborgene Eishöhle von Monlési
Ein Gletscher an einem Ort, an dem ihn wohl niemand vermuten würde: Die Eishöhle von Monlési liegt mitten im Val de Travers. Am besten erreicht man sie auf der Wanderung von St-Sulpice VD nach La Brévine. Während draussen hochsommerliche Temperaturen herrschen, lagern in der Höhle rund 6000 Kubikmeter Eis.
Im Inneren liegen die Temperaturen um den Gefrierpunkt. Nach einer Weile freut man sich trotz der Hitze draussen wieder auf die warme Sommerluft. Wer auf der Wanderung erneut ins Schwitzen gerät, kann sich unterwegs im Lac des Taillères erfrischen.