Darum gehts
- Schweizer Familie auf Paros von Waldbränden überrascht, Flammen bedrohen die Insel
- Wind mit 110 km/h erschwert Löscharbeiten, Behörden warnen Touristen per SMS
- In Spanien wurde 130'000 Hektar Land zerstört, 24 Schweizer Feuerwehrleute helfen in Frankreich
Michael G.* (51) verbringt seine Ferien mit der Familie auf der Insel Paros in Griechenland – unverhofft mitten im Waldbrandgebiet. Gestern Dienstag ist er mit seiner Frau Barbara und den schulpflichtigen Kindern aus Zürich kommend auf der Insel angekommen. In Aliki haben sie sich ein Häuschen direkt am Strand gemietet. «Auf der Fahrt zur Unterkunft haben wir ein kleines Räuchlein gesehen und einen Helikopter», berichtet er Blick. «Wir haben uns nichts dabei gedacht.»
Doch der Brand wurde schnell grösser, die Rauchsäule immer bedrohlicher. «Nach sechs Stunden stand plötzlich die halbe Insel in Flammen», sagt G. «Aus dem Nichts! Man ist total machtlos, kann nur zuschauen. Das ist furchterregend!» Erst recht, weil die Löschflugzeuge um 20 Uhr plötzlich nicht mehr geflogen sind. «Ich dachte mir erst, dass die wohl kurz Znacht essen. Oder auftanken», sagt G., der selbst als Pilot arbeitet. Doch die Löschflüge wurden über Nacht eingestellt.
Starker Wind hält an
Der starke Wind hat aber nicht ausgesetzt, sondern mit bis zu 60 Knoten (über 110 km/h) geblasen, wie G. berichtet. Heute Morgen treffen zwei Wasserflugzeuge aus Athen ein. Sie unterstützen die Helikopter, die im Einsatz stehen und den Brand mit Meerwasser bekämpfen. Normalerweise sind auf der Ägäis-Insel nur elf Feuerwehrleute stationiert. Mitten in der Nacht informieren die Behörden die Touristen per SMS. Sie sollen sich an den Strand begeben. «Das funktioniert gut», berichtet G.
Und doch: Ferienstimmung kommt da natürlich nicht so richtig auf. «Zum Glück liegt unser Haus direkt am Wasser», sagt G. zu Blick. «Ich habe mir aber schon überlegt, wie wir mit dem Auto wegkommen, wenn es noch schlimmer wird.» Auch heute Vormittag lodern die Flammen noch, wenn auch weniger stark als in der Nacht. «Unser Vermieter ist mitten in der Nacht nervös um sein Haus getigert», so G. weiter. «Mir tun die Einheimischen leid, die um ihre Existenz bangen.»
Lage in Frankreich und Spanien angespannt
Griechenland wurde diesen Sommer bisher von extremer Hitze und verheerenden Waldbränden verschont. Die toben derzeit vor allem in der Region Bordeaux in Frankreich, wo etwa bei Biscarrosse Tausende Touristen evakuiert wurden. Auch 24 Schweizer Feuerwehrmänner unterstützen die Rettungskräfte im Südwesten Frankreichs.
Auch in Spanien ist die Situation dramatisch. In der Region rund um die Hauptstadt Madrid wurden rund 20 Ortschaften evakuiert. Insgesamt wurde laut Regierungschef Pedro Sánchez (54) in Spanien bereits 130'000 Hektar Land zerstört.
* Name bekannt