Darum gehts
- Denner in Aufruhr: Mehrere Führungskräfte verlassen den Migros-Discounter 2026
- Marketing-Chef Werner ging nach Auszeichnung, CEO Friedrich trat im April zurück
- Denner mit fast 900 Standorten generiert 4 Milliarden Franken Umsatz jährlich
«Lidl lohnt sich», heisst der Werbeslogan von Lidl. Daneben ein rotes Herz mit Schweizerkreuz in Weiss. «Aber ganz offensichtlich lohnt sich Lidl nicht mehr für Denner», witzelt heute so mancher Branchenkenner, mit dem Blick gesprochen hat.
Beim Migros-Discounter kam es diese Woche zu einem weiteren prominenten Abgang. Marketing-Chef Raphael Werner (42) gibt seinen Job nach nur zwei Jahren auf. Es ging Knall auf Fall: Werner machte seinen Abgang in Eigenregie publik. Von einer neuen Stelle spricht er nicht. Erstaunlich dabei: In der Woche zuvor erhielt Werner die höchste Branchenauszeichnung «Bester Marketing-Officer des Jahres».
Es kommt noch zu weiteren Abgängen
Damit nicht genug: Eine weitere Führungsperson aus dem Marketing wird Denner verlassen. «Der Bereich Marketing/Digital wird neu ausgerichtet», bestätigt ein Denner-Sprecher.
Pikant: Ende April trat CEO Torsten Friedrich (49) nach nur gut einem Jahr an der Denner-Spitze zurück. Er überwarf sich mit dem Mutterhaus Migros. Zu viel Lidl wollte er wohl aus dem Discounter machen, was der Zentrale am Limmatplatz nicht schmeckte. Gleichzeitig nahm man Friedrich Einkaufsmacht weg, indem die Lieferantenverhandlungen und Sortimentseinkäufe bei der Migros zentralisiert wurden. Die Migros-Leine wurde Friedrich am Ende zu kurz.
Immerhin drei Jahre hielt sich Christian Staub (46) als Verkaufschef. Auch er hat Lidl-Vergangenheit und kündigte im Juni seinen Abgang bei Denner an. Bereits 2025 hatte Einkaufschef Sascha Göbels (51) den Discounter verlassen. Zuvor stand auch er im Sold von Lidl.
Weniger Lidl, mehr Migros-Ausrichtung
Überraschend wenig Lidl steckt nun plötzlich wieder im Denner. Griff der Discounter doch vor noch nicht zu langer Zeit mächtig ins Personalregal beim Konkurrenten aus Weinfelden TG. Diesen Zusammenhang weist Denner zurück: «Personalentscheide werden faktenbasiert und sachlich getroffen, ehemalige Arbeitgeber spielen dabei keine Rolle.»
Die jüngsten Abgänge trügen die Handschrift der Migros-Führung um Chef Mario Irminger (61), sagen Branchenkenner zu Blick, die nicht namentlich genannt werden möchten. Er nehme den Discounter wieder stärker unter seine Fittiche. Zudem sei es wenig verwunderlich, dass Lidl-Kollegen des Ex-CEOs keine Zukunft mehr bei Denner hätten.
Denner befindet sich aktuell im Umbau. Nicht nur beim Auffrischen des Filialnetzes, sondern auch bei der eigenen Ausrichtung. Eigens dafür holte man im Juni einen Leiter Transformation in die Denner-Geschäftsleitung. Ins Bild passt: Michel Gruber (49), derzeit noch Interims-Chef von Denner, darf den Posten offenbar dauerhaft übernehmen. Eine Mitteilung dazu aus dem Migros-Universum steht noch aus. Laut dem Sprecher informiere das Unternehmen zu gegebener Zeit.
Wie geht es weiter? Was will die Migros überhaupt noch mit dem Discounter und den Denner-Partnern, die zusammen auf ein Netz aus fast 900 Standorten schweizweit kommen? Die Migros-Tochter steht immerhin für einen Umsatz von fast 4 Milliarden Franken. Dieser stagniert allerdings, Gewinne sollen rückläufig sein.
Zurück zu den Denner-Wurzeln
«Back to the roots», zurück zu den Wurzeln, müsse Denner gehen, sagt ein ehemaliges Geschäftsleitungsmitglied. «Wie in alten Zeiten agieren», hiesse: sich als Mitbewerber von Migros, Aldi und Lidl sehen und auch so agieren. An Profil wiedergewinnen, mit tiefen Preisen, clevere Werbecoups aushecken und damit preissensible Kunden angeln, die auch Zigaretten und Alkohol kaufen. Und vor allem für Kunden gegen gierige Markenartikelhersteller kämpfen, hier das Blatt wieder selbst in die Hand nehmen – auch durch Parallelimporte aus dem Graumarkt.
Nicht alles wird aber über den Haufen geworfen, was Ex-Denner-Chef Friedrich und der ihm nahe stehende Ex-Marketing-Chef Werner in die Wege leiteten. Letzterer verantwortet unter anderem Aktionen, Kundenanalysen und das Digitalgeschäft. Weitergeführt werden dem Vernehmen nach Pläne, die Denner-App mit Selfscanning-Funktionen und Treueprogrammen auszubauen. Diese Neuerungen stehen aber erst für 2027 an. Weiter vorantreiben wird Neu-Chef Gruber Prozessoptimierungen in Logistik und Warenbewirtschaftung im Laden, die der deutsche Friedrich angestossen hat.
Zunächst ist aber vor allem die Personalabteilung gefragt. Der Chefposten im Denner-HR ist ebenso vakant wie jener im Verkauf. «Rekrutierungsprozesse, um die Vakanzen zu besetzen, sind bereits im Gange», heisst es bei Denner. Ob Migros-Chef Irminger hier noch Pfeile im Köcher hat?