Darum gehts
- Die Matterhorn Gotthard Bahn will per 1. November keine grossen Wohnmobile, Cars und Lastwagen mehr durch den Furka-Autoverlad transportieren
- Grund dafür sind vor allem Sicherheitsrisiken
- Besonders im Winter hätte die Einschränkung Folgen – dann ist der Furkapass als alternative Route gesperrt
Wer mit dem Campervan von Andermatt UR ins idyllische Goms VS reisen will, hat im Sommer die Wahl: Entweder geht es von Realp UR über die kurvige Strasse des Furkapasses hinunter nach Oberwald VS. Oder man lässt das Wohnmobil von der Matterhorn-Gotthard-Bahn in knapp 20 Minuten durch den Furka-Tunnel transportieren.
Doch für Besitzer grosser Wohnmobile könnte mit dieser bequemen Abkürzung bald Schluss sein: Per 1. November 2027 will das Bahnunternehmen keine sogenannten Grossraumfahrzeuge mehr durch den Furka-Tunnel transportieren, wie die «Urner Zeitung» berichtet. Darunter fallen Fahrzeuge ab einer Höhe von 3,05 Metern. Einen entsprechenden Antrag hat die Bahn beim Bundesamt für Verkehr (BAV) eingereicht, das den Autoverlad finanziert.
Grosse Fahrzeuge verursachen regelmässig Schäden
2025 hat die Bahn 940 Grossraumfahrzeuge verladen – bei insgesamt 285'000 Fahrzeugen, wie ein Sprecher gegenüber Blick bestätigt. Heruntergebrochen auf den Tag haben also knapp drei Cars, Lastwagen oder Wohnmobile den Furka-Autoverlad genutzt.
Trotzdem sorgen diese offenbar regelmässig für Probleme. Als Hauptgrund für den geplanten Verzicht nennt die Bahn Sicherheitsbedenken. Wegen ihrer Höhe werden Grossraumfahrzeuge auf nicht überdachten Waggons am Anfang oder Ende des Zugs verladen. Dort kam es in den vergangenen Jahren mehrfach zu Zwischenfällen. Zuletzt geriet im März 2026 ein Camion wegen einer nicht angezogenen Handbremse ins Rollen und verrutschte. Weil das Fahrzeug die Bahninfrastruktur beschädigte, entstand laut dem Sprecher ein Sachschaden «im mittleren sechsstelligen Bereich». 2023 geriet sogar ein Lastwagen in Brand, der Autozug fiel für zwei Tage aus.
Auch andernorts sorgen grosse Fahrzeuge für Probleme: Erst vor gut einer Woche verkeilte sich beim BLS-Autoverlad am Simplon ein Wohnwagen beim Manövrieren auf einem Waggon. Der Betrieb musste vorübergehend eingestellt werden.
Im Winter könnte es Probleme geben
Nicht nur die Sicherheit, auch der Platz spielt eine Rolle: Während ein Zug pro Richtung 44 Personenwagen fasst, beansprucht ein Grossraumfahrzeug den Platz von bis zu vier Autos. Zudem ist das Verladen aufwendiger und kann zu längeren Wartezeiten führen.
Besonders im Winter hätte das Verbot Folgen. Im Sommer können betroffene Fahrer – sofern Gewicht und Masse der Fahrzeuge stimmen – auf den Furkapass ausweichen. Im Winter fällt diese Alternative jedoch weg. Eine direkte Verbindung zwischen Uri und dem Oberwallis gäbe es für Grossraumfahrzeuge damit nicht mehr. Dass die geplante Höhenbeschränkung ausgerechnet am 1. November 2027 in Kraft treten soll, ist deshalb kein Zufall.
Man habe den Zeitpunkt bewusst vor Beginn der Wintersaison und der Schliessung des Furkapasses gewählt, erklärt der Sprecher gegenüber Blick. Sollte das BAV dem Antrag zustimmen, wolle die Bahn mit den betroffenen Transportfirmen frühzeitig das Gespräch suchen und mögliche Lösungen diskutieren.