Schon wieder hagelt es Kritik
Luzerner BLS-Automaten fressen nur Münz – Fahrgäste hässig

Der Kanton Luzern schaffte extra neue BLS-Billettautomaten mit der Möglichkeit auf Barzahlung an. Diese schlucken aber nur Münz – und keine Nötli. Beim Präsidenten des Zentralschweizer Fahrgastverbandes sorgt das für Unverständnis.
Kommentieren
1/5
Seit vergangenem Dezember erneuern die BLS-Bahnen ihre Billettautomaten.
Foto: JEROEN SEYFFER

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • BLS schafft Bargeld-Automaten in Bern ab, nur Karte und Handy möglich
  • Neue Luzerner Automaten akzeptieren nur Münz, keine Banknoten
  • 8078 Unterschriften gegen Bargeld-Abschaffung im Bündner Postauto
RMS_Portrait_AUTOR_249.JPG
Robin WegmüllerRedaktor Wirtschaft

Es war ein viel diskutierter Entscheid: Die Bern-Lötschberg-Simplon-Bahnen (BLS) schafften als erste grosse Bahngesellschaft ihre Bargeld-Billettautomaten ab – zumindest im Kanton Bern. Dort können Pendlerinnen und Pendler ihr Ticket nur noch mit Karte oder Handy bezahlen. Die BLS begründen die Massnahme mit der sinkenden Beliebtheit von Nötli und Münzen. Der Betrieb der Automaten sei zudem teuer – 400'000 Franken möchte man mit der Umstellung auf das bargeldlose Pendant einsparen.

Das Bahnunternehmen erntete dafür Kritik – etwa von der Organisation Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz. Dennoch halten es am Entscheid fest. Im Kanton Luzern können Pendlerinnen ihr Billett hingegen weiterhin mit Bargeld bezahlen. Das ist politisch gewollt, der Kanton übernimmt die Mehrkosten von 45'000 Franken pro Jahr. Doch jetzt sorgen neue Automaten in der Zentralschweiz trotzdem für Ärger, wie die «Luzerner Zeitung» berichtet. Sie fressen nämlich nur Münz, einen Schlitz für Noten gibt es nicht.

«Niemand hat vier Fünfliber dabei»

Fahrten über die Kantonsgrenzen kosten schnell einmal mehr als 10 Franken. Bei Martin Stuber, Präsident des Fahrgastverbandes Pro Bahn in der Zentralschweiz, stossen die Automaten darum auf «Unverständnis». Er hält den Nutzen der neuen Automaten für gering. «Die wenigsten Leute tragen vier Fünfliber im Hosensack mit sich herum», meint er gegenüber der «Luzerner Zeitung». «Mit den nun installierten Automaten wird die Möglichkeit der Barzahlung ad absurdum geführt.»

Externe Inhalte
Möchtest du diesen und weitere externe Beiträge (z.B. Instagram, X und anderen Plattformen) sehen? Wenn du zustimmst, können Cookies gesetzt und Daten an externe Anbieter übermittelt werden. Dies ermöglicht die Anzeige externer Inhalte sowie von personalisierter Werbung. Deine Entscheidung gilt für die gesamte App und ist jederzeit in den Einstellungen widerrufbar.

Anders sieht das der Verkehrsbund Luzern (VVL). Er war bei der Bestellung der Automaten mitbeteiligt. Die Beschränkung auf Münz habe vor allem wirtschaftliche und sicherheitsrelevante Gründe. Auch die BLS argumentieren gegenüber der Zeitung: «Notenprüfer sind im Verhältnis sehr teuer. Zudem sinkt das Risiko für Aufbrüche.» So oder so, Luzerner Fahrgäste müssen sich vorerst mit den Münz-Automaten begnügen.

Kein Bargeld in Bündner Postis

Die Bargeld-Debatte im Schweizer ÖV ist damit um ein Kapitel reicher. Bereits im Kanton Graubünden sorgte das Aus von Münz und Nötli für Schlagzeilen. Seit letztem Dezember können Kundinnen und Kunden in Bündner Postautos kein Ticket mehr beim Chauffeur kaufen. Billette gibts nur noch digital, etwa an Mini-Automaten in den Postautos. Der Widerstand war gross. Berta Caminada (78) aus Bonaduz GR hat eine Petition mit dem Titel «Postauto ohne Bargeld NEIN!» lanciert. Innert Tagen sind 8078 Unterschriften zusammengekommen.

Rentnerin Caminada ist im Bündnerland seither zum Gesicht der Bargeld-Verteidiger gereift. Mit einer Volksinitiative gegen die fortschreitende Digitalisierung geht sie in die Offensive. Die Parteilose lancierte im Juni die kantonale «Anti-Diskriminierungs-Initiative». Zurzeit läuft die Unterschriftensammlung. Caminada rechnet damit, dass die Abstimmung im nächsten Jahr vors Volk gelangt. Dann können zumindest Bündnerinnen und Bündner über die Nutzung von Fünfliber und Zehnernötli entscheiden.

Externe Inhalte
Möchtest du diesen und weitere externe Beiträge (z.B. Instagram, X und anderen Plattformen) sehen? Wenn du zustimmst, können Cookies gesetzt und Daten an externe Anbieter übermittelt werden. Dies ermöglicht die Anzeige externer Inhalte sowie von personalisierter Werbung. Deine Entscheidung gilt für die gesamte App und ist jederzeit in den Einstellungen widerrufbar.
Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen