Darum gehts
- SBB-CEO Vincent Ducrot tritt im Herbst 2027 in Pension, Nachfolge offen
- Alexander Muhm, Leiter von SBB Cargo, gilt als Favorit auf den Posten
- Erste schwarze Zahlen bei SBB Cargo seit Jahren, trotz Bundesfördergeldern
Der neue SBB-Präsident André Wyss (59) ist gefordert. Bei seinem ersten Medienauftritt im Reparaturcenter Zürich-Altstetten erklärte der Aargauer diese Woche, welche Weichen er für die SBB stellen möchte. Wer den grossen Wurf erwartet hatte, wurde enttäuscht. Vieles hörte sich nach «weiter wie bisher» an. Doch eine grosse Entscheidung bahnt sich an: SBB-CEO Vincent Ducrot (63) verabschiedet sich im Herbst 2027 in Pension. Es ist an Wyss, bald eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger für den Spitzenposten zu präsentieren.
Wyss lässt sich bezüglich der Suche nach einem neuen CEO nicht aus der Reserve locken. Man stehe noch ganz am Anfang. Eile gebe es nicht. «Wir werden zeitig kommunizieren, aber das wird sich noch etwas hinziehen», fordert Wyss Geduld. Doch in der Branche hat das Rennen um Ducrots Nachfolge bereits Fahrt aufgenommen. Unter Bahnexperten hat sich ein erster Kandidat als Favorit für Ducrots Nachfolge hervorgetan: Alexander Muhm (49), Leiter von SBB Cargo, scheint momentan die besten Chancen auf den Posten zu haben, wie die «NZZ am Sonntag» schreibt.
Ein Architekt in der Poleposition
Muhm ist seit 17 Jahren bei den SBB, kennt verschiedene Bereiche des Staatskonzerns. Lanciert hat Muhm seine SBB-Karriere im Immobilienbereich. Zuerst als Leiter des Portfolios der rund 800 SBB-Bahnhöfe, später als Geschäftsleitungsmitglied, zuständig für die gesamte Immobilienentwicklung der zahlreichen Grossprojekte der SBB. Dabei half ihm sein Hintergrund: Muhm hat Architektur studiert.
Seit 2023 ist Muhm Leiter der Sparte Güterverkehr. Eigentlich ein Sorgenkind der SBB. In den vergangenen Jahren machte SBB Cargo grosse Verluste. Diese Woche vermeldeten die SBB erstmals seit Jahren wieder schwarze Zahlen für den Bereich. Ein Erfolg für Muhm – auch wenn daran neue Fördergelder des Bundes ihren wichtigen Anteil hatten.
Die Frage nach der Herkunft
Muhms Arbeit kommt in der Branche an: «Er hat den wichtigen Immobilienbereich erfolgreich geleitet und meistert nun auch die schwierige Aufgabe bei SBB Cargo sehr gut», sagte Peter Füglistaler (67), bis 2024 Direktor des Bundesamts für Verkehr (BAV), zur «NZZ am Sonntag». Für Füglistaler ist klar, dass Muhm das Format für den Posten als SBB-CEO hat. Und auch in der Privatwirtschaft gibt es, laut dem Bericht, gewichtige Unterstützer.
Was könnte dem SBB-Manager da noch in die Quere kommen? Seine Herkunft. Muhm ist in Österreich geboren und aufgewachsen, spricht Wiener Dialekt. Falls er es an die SBB-Spitze schafft, wäre er in der 124-jährigen Geschichte der erste Ausländer in dieser Position. Auch wenn er seit einiger Zeit den Schweizer Pass hat, gebe es laut der Zeitung gewichtige Leute, die sich – hinter vorgehaltener Hand – gegen Muhm äussern würden. Für SBB-Präsident Wyss sei das bei seiner Wahl aber kein Thema. Der Pass sei für ihn nicht zwingend, lässt er verlauten.
Auch wenn André Wyss sagt, dass die Suche noch ganz am Anfang stehe – das Kandidatenkarussell dreht bereits. In der Branche ist klar: Der wichtigste Job in der Schweizer Bahnwelt wird frei. Die Spielchen haben begonnen.