Darum gehts
- SBB-Kontrolleure sind seit Dezember 2025 auch im Fernverkehr inkognito unterwegs
- Anonyme Kontrolleure tragen oft Zivilkleidung und grosse Rucksäcke
- Reisen ohne Ticket kosten ÖV jährlich dreistellige Millionenbeträge
Plötzlich steht die Kontrolleurin in Jeans und T-Shirt da und verlangt das Billett! Was viele bisher nur aus Tram, Bus oder der S-Bahn kennen, passiert jetzt auch im Fernverkehr der SBB: Das Bahnunternehmen schickt seine Kontrolleure neuerdings inkognito los, wie «20 Minuten» zuerst berichtete. So geschehen bei einer Frau im IC 5 von St. Gallen nach Zürich, die von mehreren SBB-Angestellten in Freizeitbekleidung kontrolliert wurde. Das einzige Indiz, das die Kontrolleure vielleicht als Mitarbeitende enttarnen könnte: Alle trugen einen grossen Rucksack.
Die neue Praxis verwundert die Frau, wie sie gegenüber der Zeitung sagt: «Ich sitze eine Stunde im Zug. Auf der Langstrecke wird man ja sowieso kontrolliert. Hätte ich kein Billett gehabt, hätten sie mich ja sowieso erwischt.» Dafür müsse man nicht inkognito unterwegs sein, moniert sie.
ÖV kämpft gegen Millionenverlust
Auf Anfrage von Blick bestätigen die SBB die neue Taktik. Das Zugpersonal wird seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2025 auch im Fernverkehr von zusätzlichen Teams unterstützt. Sie bewegen sich in Vierergruppen und sind laut SBB-Sprecher Reto Schärli mehrheitlich in Uniform unterwegs und nur «manchmal in ziviler Kleidung». «Dabei tragen sie sichtbar einen Kontrollausweis», so Schärli. Die Zusatzkräfte seien da, um das Stammpersonal zu entlasten: «Gerade in stark ausgelasteten Zügen reicht die Zeit oft nicht aus, um alle Aufgaben zu erledigen und die Anliegen der Reisenden zu erfüllen.»
Warum diese neue Strategie? Den SBB geht es ums liebe Geld: «Die Branche schätzt, dass dem ÖV durch Reisen ohne Fahrausweis jährlich ein dreistelliger Millionenbetrag entgeht», erklärt Schärli. Deshalb stocken die SBB die Präsenz von Kontrolleuren auf hochfrequentierten Strecken auf. «Mit den unterstützenden situativen Kontrollen im Fernverkehr sichert die SBB die Einnahmen für den öffentlichen Verkehr», so der Mediensprecher.
Passagiere akzeptieren zivile Kontrolleure
Und wie kommt die Undercover-Taktik bei den Fahrgästen an? Die SBB zeigen sich zufrieden: Pilotversuche hätten gezeigt, dass die Taktik bei den Kundinnen und Kunden akzeptiert werde. Ausserdem fühlten sich die Mitarbeiter sicherer und hätten mehr Zeit für die ehrlichen, zahlenden Fahrgäste.