Hitzige Schweizerkreuz-Debatte
«Wo Schweiz draufsteht, muss auch Schweiz drin sein»

In Bern fiel eine Entscheidung mit Signalwirkung: kein Schweizerkreuz mehr auf Importprodukten, sagt der Ständerat. Unternehmer und KMU jubeln – der Sportartikelhersteller On hofft auf Unterstützung von Nationalrat und Bundesrat.
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Der Streit um das Schweizerkreuz und die Schuhmarke On, an der Tennis-Star Roger Federer beteiligt ist, schwelt seit Jahren.
Foto: PD

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Ständerat stimmt mit 32:5 für Verbot des Schweizerkreuzes auf Importprodukten
  • KMU zeigen sich erfreut über die Entscheidung
  • On verteidigt Nutzung des Symbols, betont lokale Wertschöpfung in Zürich
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Bernadette HoggRedaktorin Wirtschaft

Kommt die grosse Kehrtwende bei der «Lex On»? Der Ständerat stellt sich am Donnerstag entschieden gegen den Laufschuhriesen. Mit einer deutlichen Mehrheit von 32 zu 5 Stimmen nahm die kleine Parlamentskammer den Vorstoss von Mitte-Ständerat und Präsident des Schweizerischen Gewerbeverbands (SGV) Fabio Regazzi (64) an: Das Schweizerkreuz soll man nicht auf importierten Produkten verwenden dürfen.

Der Zoff um das Schweizerkreuz schwelt schon seit Jahren. Im März änderte das zuständige Institut für Geistiges Eigentum seine langjährige Praxis: Seitdem dürfen auch Produkte das Schweizerkreuz tragen, wenn sie in der Schweiz lediglich entwickelt, jedoch komplett im Ausland produziert wurden. Entscheidend dafür, ob ein Produkt das Schweizerkreuz tragen darf, ist die Wertschöpfung: Mindestens 60 Prozent der Herstellungskosten müssen in der Schweiz anfallen.

«Es ist ein positives Zeichen»

Die Änderung stürzte Unternehmer in Aufruhr. «Es ist das falsche Signal, Unternehmen indirekt dazu zu ermutigen, Arbeitsplätze und Wertschöpfung ins Ausland zu verlagern», sagte Regazzi im August. Nach dem deutlichen Votum zeigt sich der Gewerbeverbandspräsident nun sichtlich erleichtert. Er betont erneut: «Wo Schweiz draufsteht, muss auch Schweiz drin sein.»

Auf Anfrage von Blick schiesst On zurück und verteidigt den Einsatz des Nationalsymbols. «Das Schweizerkreuz steht für die enorme Wertschöpfung, die hier in Zürich stattfindet», verweist das Unternehmen auf seine massive Präsenz in der Heimat. Über 1300 Mitarbeitende sind am Hauptsitz in Zürich tätig, davon mehr als 400 in der Forschung, Entwicklung und Design. On hofft, dass der Nationalrat das auch so sehen wird: «Wir vertrauen darauf, dass der Gesetzgeber sachgerechte Entscheidungen trifft, die für das Land und den Wirtschaftsstandort am besten sind.»

«On schadet allen KMU»

Bei der Konkurrenz stösst diese Haltung auf scharfe Kritik. So etwa bei Roberto Martullo (64), Inhaber und CEO der Traditionsmarke Künzli aus Windisch AG. Gegenüber Blick zeigt er sich erfreut über die Wende: «Ich bin überrascht, dass der Entscheid heute so klar ausgefallen ist. Das ist ein sehr starkes Signal in Richtung Nationalrat.»

Zwar hat auch Künzli eine Produktionsstätte in Portugal, die Schuhe aus Portugal tragen jedoch bisher kein Schweizerkreuz. Martullo wehrt sich gegen eine Verwässerung der Regeln: «Ich bin für Swiss Made und wir haben unsere Praxis nicht geändert.» Für den Streitverursacher findet er deutliche Worte: «On schaut nur auf die eigenen Interessen und schadet der Schweiz und auch allen KMU, die hier produzieren.»

Angst um Schweizer Arbeitsplätze

Erleichtert reagiert auch Claudio Minder (46), Co-CEO der Schuhmarke Kybun-Joya: «Nachdem wir leider vor rund zwei Wochen vom Bundesrat gegenteiliges Feedback erhalten hatten, sind wir heute umso erfreuter über die starke 32-zu-5-Entscheidung.» Noch sei das Rennen aber nicht gelaufen, betont Minder: «Wir hoffen, dass der Bundesrat den Mut haben wird, zum Schweizerkreuz zu stehen.»

Sollte die Politik der «Lex On» keinen Riegel vorschieben, sieht Minder schwarz für die heimische Fertigung: «Die Mehrkosten können wir nicht tragen, wenn andere im Ausland für viel, viel weniger produzieren können.» Auch Kybun-Joya sah sich dieses Jahr gezwungen, die Wanderschuhproduktion nach Italien zu verlagern.

Unter dem neuen Regime gäbe es laut Minder schlicht kaum noch Gründe, Arbeitsplätze im Inland zu schaffen. Und das, obwohl viele KMU eigentlich lokal und regional produzieren wollen. Minders Appell an die Politik ist klar: «Wir würden gerne in der Schweiz weiter aufbauen und investieren, und hier Arbeitsplätze schaffen. Wir haben aber seit März das Gefühl, das sei gar nicht erwünscht.»

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