Heinz erklärt, warum er noch arbeitet
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73-Jähriger voller Tatendrang:Heinz erklärt, warum er noch arbeitet

Heinz Vollenweider gehört zu 248'000 Personen in der Schweiz, die über 65 Jahren noch arbeiten
«Nur im Job bekomme ich die Wertschätzung, die ich brauche»

Heinz Vollenweider könnte längst in Rente sein, aber er arbeitet immer noch. Nicht weil er muss, sondern weil es ihm Spass macht. Wo die Hürden für längeres Arbeiten liegen und wie gross das Potenzial für ältere Arbeitnehmende ist.
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Heinz Vollenweider präsentiert das Tagesdessert: Der 73-Jährige ...
Foto: Philippe Rossier

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • 73-jähriger Heinz Vollenweider arbeitet im Kloster Fahr in Unterengstringen ZH
  • Nach Pensionierung absolvierte er 50 Käse-Events und diverse Nebenjobs
  • In der Schweiz arbeiten 248'000 Menschen über 65, fünf Prozent der Erwerbstätigen
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Christian KolbeRedaktor Wirtschaft

Der Zürcher Heinz Vollenweider biegt mit Elan um die Ecke und serviert den Kaffee. Der 73-Jährige hat eben eine neue Stelle angetreten. Als Teilzeitkraft in den Gastronomiebetrieben des Klosters Fahr in Unterengstringen ZH. In einem Alter, in dem andere längst in Rente sind, hat sich Vollenweider auf die im Hofladen ausgeschriebene Stelle beworben – und wurde genommen. 

«Das Tellertragen muss ich noch etwas üben, aber mit dem Kaffee klappt es schon ganz gut», sagt Vollenweider – immer mit einem Lächeln im Gesicht. 

Im Alter von 55 Jahren hatte Vollenweider plötzlich keinen Platz mehr in der Wachstumsstrategie seines Arbeitgebers. Der ausgebildete Verkaufs- und Marketingleiter war damals bei IBM Schweiz für die Organisation von Anlässen und Ausstellungen verantwortlich. Mit einem Jahressalär und viel Zuversicht in der Tasche machte er sich auf Jobsuche. Und kassierte nur Absagen. «Ich wollte weder den Kopf in den Sand stecken noch fühlte ich mich zum alten Eisen gehörig», erinnert er sich. 

Es geht nicht ums Geld

Eine Festanstellung fand er nicht mehr. Also machte er aus der Not eine Tugend, half dort aus, wo man ihn brauchte: Er stellte sein Marketing- und Verkaufswissen Informatikfirmen zur Verfügung, arbeitete im Sozialbereich, in den Hiltl-Restaurants oder auch mal als Gärtner oder Hundesitter.

Als Vollenweider das Rentenalter erreichte, setzte er sich nicht zur Ruhe, sondern arbeitete weiter. «Ich habe mir schon auch überlegt, mit dem Schiff um die Welt zu segeln. Aber das ist nicht mein Ding, habe ich schnell gemerkt», so der rüstige Senior. Aufs Geld sei er nicht angewiesen, es gehe ihm um etwas anderes: «Nur im Job bekomme ich die Wertschätzung, die ich brauche.» 

Er machte mit 69 Jahren noch eine Ausbildung zum Käse-Sommelier. «Das waren vier sehr intensive Monate. Ich habe gelernt, wie man Käse produziert, welcher Wein zu welchem Käse passt und wie man das alles durchkalkuliert, damit es sich am Ende lohnt.» Eine Investition, die sich ausgezahlt hat: «Ich habe seither über 50 Käse-Events absolviert», so der umtriebige Nicht-Rentner. 

Mehr Rentner als Jugendliche

In der Schweiz arbeiten 248'000 Menschen, die älter als 65 sind. Das sind fünf Prozent der Erwerbstätigen. Viele arbeiten Teilzeit, sind Selbständigerwerbende oder weiter im Familienunternehmen tätig. 

Auch wenn viele gerne mit 65 in Rente gehen, liegt ein grosses Potenzial brach: «Den älteren Leuten gehört die Zukunft. Die haben noch die Mittel und sind rüstig. Wenn diese Leute ihren Wert einbringen können, dann bringt das der ganzen Gesellschaft etwas», sagt Donato Scognamiglio (56). Der Immobilienexperte und Zürcher EVP-Kantonsrat hat eben eine Motion eingereicht, die das Arbeiten nach 65 steuerlich begünstigen soll. 

Die Demografie gibt ihm recht: Erstmals lebten 2025 in der Schweiz mehr Seniorinnen und Senioren als Menschen unter 20 Jahren. Doch die Hürden, Menschen übers Rentenalter hinaus zu beschäftigen, sind hoch. «Der Automatismus, dass mit 65 Schluss mit dem Arbeitsleben ist, muss verschwinden», sagt Matthias Mölleney (66).

Damit meint der ehemalige Swissair-Personalchef nicht zwingend eine Erhöhung des Rentenalters. Ihm gehe es vielmehr um mangelnde Flexibilität, Barrieren im Kopf und Bequemlichkeit. «Es braucht keine Kündigungsgespräche. Mit 65 endet von Gesetzes wegen der Arbeitsvertrag. Das ist bequem und erspart unangenehme Situationen», so Mölleney, der immer noch als selbständiger Coach und Experte in Personalfragen tätig ist. 

Partnerin muss bremsen

Sein Tipp: Firmen sollten spätestens ab 60 das Gespräch mit ihren Angestellten suchen. Ausloten, wer in welcher Form und zu welchen Konditionen länger arbeiten möchte. «Die wenigsten wollen nach 65 einfach so weitermachen», sagt Mölleney. «Aber mit flexiblen Arbeitsmodellen können sich für beide Seiten gewinnbringende Lösungen ergeben. Die Erfahrung bleibt in der Firma und die Mitarbeitenden gehören nicht plötzlich zum alten Eisen.» 

Das alles muss Vollenweider nicht kümmern: Übers Wochenende wird er im Ausflugsrestaurant servieren, im Hofladen aushelfen oder bei einem Event der Crew unter die Arme greifen. So richtig ausgelastet fühlt er sich dadurch nicht. Hält Ausschau nach weiteren Beschäftigungsmöglichkeiten. «Meine Partnerin muss mich immer wieder bremsen, damit ich nicht zu viele Jobs annehme», erklärt der Senior mit einem Schmunzeln. Sagt es und bringt das gebrauchte Geschirr zurück in die Küche. Ein Datum, wann er ganz mit Arbeiten aufhören will, hat er sich nicht gesetzt.

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