Darum gehts
- Studie zeigt: 90 Prozent der Firmen schätzen Ü60-Angestellte für Erfahrung und Loyalität
- Nur 30 Prozent der Unternehmen fördern Arbeit übers Pensionsalter hinaus, Frühpensionierung dominiert
- Durchschnittliches Rentenalter stieg auf 65 Jahre, fast 50 Prozent arbeiten länger
Schweizerinnen und Schweizer sollen länger arbeiten – ganz freiwillig. Die AHV-Reform 2030 von SP-Sozialministerin Elisabeth Baume-Schneider (62) sieht Anreize vor, die Seniorinnen und Senioren über das Pensionsalter hinaus zum Weiterschaffen animieren sollen. Mitte April erhöhte der Arbeitgeberverband auch den Druck auf die über 50-Jährigen, indem er die ältere Generation mit dem Begriff «Lifestyle-Teilzeitarbeiter» an den Pranger stellte. Es fehlen zunehmend Fachkräfte, weil Ältere es sich leisten können, weniger zu arbeiten.
Eine neue Studie des Verbands Focus 50 plus und seiner Trägerorganisationen Arbeitgeberverband und Gewerbeverband bestätigt nun, wie wichtig ältere Angestellte für Schweizer Unternehmen sind. Von den 500 befragten Führungskräften und Personalverantwortlichen lobten 90 Prozent das Know-how, das Verantwortungsbewusstsein, die Berufserfahrung, die Loyalität zum Betrieb und die Kundennetzwerke der Generation 60 plus. Nur: Die Studie zeigt zudem auf, dass es bei den hiesigen Firmen noch Nachholbedarf beim Arbeiten über das Rentenalter hinaus gibt.
Frühpensionierung verbreiteter als längeres Arbeiten
Die Pensionierung mit 65 Jahren ist bei den Unternehmen die Norm. Bei 82 Prozent ist das «mehrheitlich» der Fall. Gleichzeitig beschäftigt weniger als jede zweite Firma 65-Jährige weiter. Dagegen sind Frühpensionierungen bei fast zwei Dritteln der Unternehmen verbreitet.
Das Problem: Es hapert an der aktiven Unterstützung der älteren Angestellten. Nur 30 Prozent der Unternehmen fördern die Weiterarbeit über das Pensionsalter hinaus. Noch weniger Firmen sind zudem bereit, die Aufgaben und Verantwortlichkeiten der über 60-Jährigen anzupassen oder Angebote zu schaffen, damit das ältere Personal gesund und leistungsfähig bleibt.
Trendwende zeichnet sich ab
Dieser Zurückhaltung der Firmen zum Trotz: Es gibt in der Schweiz immer mehr Senioren, die freiwillig länger arbeiten. «Früher war es mehr verbreitet, Vollzeit zu arbeiten und dann frühzeitig in Pension zu gehen», sagte Karl Flubacher (49), Vorsorgeexperte und Geschäftsleiter Nordwest- und Westschweiz beim Vermögenszentrum (VZ), kürzlich zu Blick.
Heutzutage gibt es hingegen weniger und spätere Frühpensionierungen. Das tatsächliche durchschnittliche Rentenalter in der Schweiz ist auf 65 Jahre hochgeklettert. «Fast jeder Zweite arbeitet sogar über das Pensionsalter hinaus», so der Vorsorgeexperte. Heisst: Viele ältere Angestellte arbeiten zwar weniger, dafür aber deutlich länger. Daran muss sich ein Grossteil der Schweizer Unternehmen aber noch gewöhnen.
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