Darum gehts
- Schweiz wächst weiter, aber Jugendzahlen schrumpfen seit erstem Quartal 2026
- Basel-Stadt hat tiefste Geburtenrate mit 1,09 Kindern pro Frau
- Durchschnittsalter in Tessin 46 Jahre, schweizweit etwa 43 Jahre
Monatelang hat die Schweiz über die 10-Millionen-Initiative der SVP diskutiert: Wie viele Menschen verträgt die Schweiz? Doch nun sorgen neue Zahlen für Aufsehen. Zwar ist die Schweiz auch im ersten Quartal 2026 gewachsen, doch die Zahl der 0- bis 19-Jährigen schrumpft. Sowohl in der ganzen Schweiz als auch in der Mehrheit der Kantone.
«Das ist eine dramatische Entwicklung», sagt Demografieforscherin Zita Brazzola. Zwar könnten sich die Zahlen im Verlauf des Jahres noch ändern. «Die regionalen Unterschiede in der Schweiz werden sehr stark zunehmen, und damit wird sich auch der Arbeitsmarkt, Finanzhaushalt und der Bedarf nach Infrastruktur regional sehr unterschiedlich entwickeln», so Brazzola. «Es wird einen noch stärkeren Kampf um Fachkräfte geben, auch mit anderen Ländern. Dazu kommen die höheren Kosten für die Pflege im Alter und die AHV-Finanzierung.»
Grosse kantonale Unterschiede
Blick hat in die Kantone geschaut: Dort gibt es grosse Unterschiede, zum Beispiel bei der Geburtenrate. Im Schnitt betrug diese 2024 1,29 Kinder pro Frau, 2025 war es 1,28. Für den Ersatz der Elterngeneration wären 2,1 Kinder pro Frau nötig. Besonders tief ist der Anteil im Kanton Basel-Stadt, wo die Geburtenrate 1,09 Kinder pro Frau beträgt.
Für Demografieforscherin Brazzola ein typischer Verlauf. «Wer eine Familie gründet, zieht eher raus aufs Land.» Dementsprechend sind dann auch die Geburtenraten in Uri mit 1,58 oder Appenzell Ausserrhoden mit 1,49 deutlich höher.
Doch es gibt noch andere Indikatoren, wie jung oder alt ein Kanton ist. Im Schnitt ist jemand, der in der Schweiz wohnt, rund 43 Jahre alt. Im Tessin sind es 46 Jahre. Das Tessin ist der älteste Kanton der Schweiz: Viele ältere Menschen ziehen dort hin, um den Lebensabend zu verbringen. Gleichzeitig werden weniger Kinder geboren, und junge Erwachsene verlassen die Region wegen der Ausbildung oder der Arbeit.
In Zürich, Genf, Freiburg oder Waadt ist der Altersdurchschnitt umgekehrt deutlich tiefer. «Viele Menschen ziehen tendenziell in grosse Städte, weil es dort Jobs gibt. Das zieht den Altersschnitt hinunter», sagt die Expertin.
Auch der Anteil der 15- bis 24-Jährigen, die in den entsprechenden Kantonen wohnen, zeigt das. Vorne mit dabei sind Kantone wie Waadt, Neuenburg, Freiburg, Genf oder St. Gallen. «Viele dieser Kantone profitieren von der Anbindung an eine Universität. Dort studieren Leute in jüngeren Jahren.»
Doch jeder Kanton habe seine eigene Logik, was den Zu- und Wegzug angeht, erklärt Brazzola. «Zum Beispiel gibt es im Kanton Zug viele Abwanderer ab 65 Jahren. Wenn sie nicht mehr arbeiten, wird es teilweise schwieriger, den Lebensstandard zu halten.»