Darum gehts
- Swatchs «Royal Pop» löst am 16. Mai weltweit Kaufrausch aus
- In Luzern, Basel und Biel schlossen Filialen wegen überfüllter Läden
- Online-Preise explodieren: «Royal Pop» für bis zu 3500 Franken angeboten
Riesen-Zirkus um die neue Swatch-Taschenuhr: Die Lancierung der «Royal Pop» am Samstag sorgte weltweit für grosse Warteschlangen vor den Läden des Bieler Uhrenkonzerns – und artete teilweise in Tumulte aus. In mehreren Städten mussten die Swatch-Stores wegen des Andrangs schliessen, unter anderem in Luzern, Basel und Biel BE.
Viele Uhrenfans sind hässig und fühlen sich verschaukelt. «Heute Morgen waren es 600 Leute in der Schlange. Wir waren an Position 60 – und haben doch keine Uhr mehr erhalten», sagte ein wütender Leser am Samstag zu Blick. Er habe die ganze Nacht in der Schlange vor dem Laden am Flughafen Zürich ausgeharrt. Der Ärger ist gross, denn Swatch schien vom Hype überfordert, den die Uhrenmarke selbst befeuert hatte. Auf Social Media hatte das Unternehmen von Patron Nick Hayek (71) mit kryptischen Posts grosse Aufmerksamkeit ausgelöst – auch weil es sich um eine Kollaboration mit der Schweizer Luxusuhrenmarke Audemars Piguet handelt.
Am Samstagabend, lange nach Ladenschluss in der Schweiz, reagierte Swatch dann mit einem Statement auf den sozialen Medien – gerichtet an alle «Lieben Fans weltweit». «Zur Gewährung der Sicherheit unserer Kunden und Angestellten in den Swatch Stores bitten wir Sie, nicht in grosser Zahl in unsere Filialen zu eilen, um dieses Produkt zu erwerben», heisst es darin.
Zahlreiche Angebote auf Verkaufsplattformen
Der «Royal Pop»-Hype nimmt nun auch im Netz bizarre Formen an: Die 350-Franken-Uhr taucht massenhaft auf Online-Plattformen auf – zu irren Preisen. Auf Ebay bietet ein Australier sein «Ocho Negro»-Modell der Taschenuhr zum Sofortkauf für 3500 Franken an, also zum zehnfachen Preis!
Auch auf der Schweizer Plattform Ricardo gibt es zahlreiche Angebote. Viele davon verlangen für die «Royal Pop» ebenfalls eine vierstellige Summe, wer sie sofort kaufen will. Bei anderen Angeboten liefern sich Interessierte einen regelrechten Bieterwettstreit. Das Wettfeilschen zeigt: Uhrenfans sind bereit, mehr als das Doppelte des Ladenpreises zu zahlen. Dabei hat Swatch in der Nachricht betont, dass die Kollektion noch einige Monate erhältlich sein wird.
Uhrenbranche betreibt eigenen Secondhand-Markt
Die «Royal Pop» wird damit von einem Phänomen erfasst, das bei vielen gehypten Produkten auftritt. Glückliche Käufer wittern das grosse Geschäft und verkaufen das ergatterte Gadget für einen hohen Preis im Internet. Dass Uhren von renommierten Schweizer Herstellern auf Plattformen wie Ricardo feilgeboten werden, ist aber die ganz grosse Ausnahme.
Gerade luxuriöse Zeitmesser werden normalerweise auf etablierten Occasionsplattformen gehandelt. Diese stellen auch die Authentizität der Uhr sicher. Gewisse Modelle erreichen auf dem Zweitmarkt höhere Preise als im Laden. Denn die Marken steuern die Preise auf dem Secondhand-Markt bewusst, indem sie begehrte Uhren nur in limitierten Auflagen herstellen oder lange Wartelisten führen. Gerade gebrauchte «Royal Oak»-Modelle von Audemars Piguet, an die sich die «Royal Pop» anlehnt, werden zu hohen Summen gehandelt. Es sind schnell mal sechsstellige Beträge fällig. Wie wertvoll aber die neue Swatch-Uhr ist, muss sich erst noch zeigen.