Darum gehts
- Japan kämpft mit extremer Hitze: 40 Grad in Gujo, Tajimi, Toyota
- Neuer Begriff «Kokushobi» für unerträgliche Hitze erstmals als Warnung genutzt
- 2024 über 2000 Hitzetote, Spitalfälle steigen und Kleidervorschriften fallen
Noch kommen die meisten Sprachen mit dem bestehenden Vokabular aus, um extreme Hitzeereignisse zu beschreiben. Die Franzosen sprechen von «canicule», um die Hitzewellen der letzten Jahre zu benennen. Bei uns sind eben die Hundstage angebrochen, die uns ab Montag neue Temperaturrekorde bringen könnten.
Nicht so in Japan. Dort kann die Sprache die Extremhitze immer weniger in Worte fassen. Denn Japan leidet besonders unter steigenden Temperaturen, die zusammen mit der hohen Luftfeuchtigkeit für viele Menschen immer unerträglicher werden.
Deshalb hat die japanische Wetterbehörde im Frühling den Begriff «Kokushobi» geschaffen. Das bedeutet «grausam heisser Tag». Das Ziel: die Japaner besser vor extremer Hitze zu warnen, die früher die Ausnahme war, heute aber regelmässig das Land heimsucht.
Bisherige Begriffe wie «mushiatsui» – was so viel wie «schwül-heiss» oder «dampfig-heiss» bedeutet – waren den staatlichen Wetterfröschen offenbar nicht mehr stark genug, um vor den Folgen des Klimawandels zu warnen.
Erste «Kokushobi»-Warnung
Diese Woche war es dann so weit: Am Dienstag gab die Wetterbehörde die erste «Kokushobi»-Warnung heraus, wie der britische «Guardian» berichtet. In den Städten Gujo, Tajimi und Toyota wurden Temperaturen von 40 Grad oder mehr gemessen. Bei solchen Temperaturen sind die gesundheitlichen Risiken extrem hoch.
Japan leidet schon länger unter den Folgen der Hitze: Vor zwei Jahren lag die Zahl der Hitzetoten erstmals über der Marke von 2000, die Spitalbehandlungen wegen Hitzeschäden nehmen zu. Die Hitze hat auch Einfluss auf die Arbeitswelt: Zusammen mit der «Kokushobi»-Warnung empfahl die Wetterbehörde den Angestellten, mit kurzen Hosen ins Büro zu gehen. Schon länger dürfen Japaner bei extremer Hitze ohne Krawatte oder Sakko zur Arbeit kommen. Was in der auf strikten Regeln aufbauenden japanischen Arbeitswelt einem Tabubruch gleichkommt.