«Ghosting» auf dem Jobmarkt wird immer grösseres Problem
Schweizer Firmen ignorieren drei von vier Bewerbern

Der Begriff «Ghosting» trifft nicht nur aufs Dating zu: Auch potenzielle Arbeitgeber können einen ghosten. Und laut einer neuen Umfrage von Indeed kommt das immer häufiger vor: Für 79 Prozent der Jobsuchenden hat das vergebliche Warten zuletzt zugenommen.
Kommentieren
1/5
Die Stellensuche braucht neben Zeit vor allem eines: Nerven.
Foto: Getty Images/Westend61

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Neue Indeed-Studie zeigt:78,6 Prozent der Befragten berichten von zunehmendem «Ghosting» durch potenziellen Arbeitgeber
  • 43,8 Prozent bleiben deshalb trotz Unzufriedenheit lieber im alten Job
  • 38,9 Prozent empfinden Bewerbungsprozesse an sich als grössten Stressfaktor
Nathalie_Benn_Praktikantin Wirtschaft _Blick_2-Bearbeitet.jpg
Nathalie BennRedaktorin Wirtschaft

Wer gerade auf Jobsuche ist, braucht starke Nerven: Im Februar dieses Jahres waren in der Schweiz 235'556 Personen auf Stellensuche – ein Anstieg von 10,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Firmen in der Privatwirtschaft bauen Stellen ab, vom einstigen Fachkräftemangel ist derzeit nur noch wenig zu spüren. 

Besonders frustrierend wird es für viele, nachdem sie auf «Bewerbung abschicken» geklickt haben. Der Lebenslauf wurde hochgeladen, ein sauberes Motivationsschreiben verfasst, die Bestätigung des Erhalts der Bewerbung landet im Postfach. Dann vergehen Tage, später Wochen, und es kommt: nichts. Dass ein potenzieller Arbeitgeber seinen Bewerbern die kalte Schulter zeigt, kommt indes immer häufiger vor, wie eine neue Umfrage der Jobplattform Indeed zeigt. 

«Ghosting» nimmt zu

Demnach hat die grosse Mehrheit der insgesamt 537 Befragten angegeben, zuletzt keine Antwort auf eine verschickte Bewerbung erhalten zu haben. Bei über einem Viertel kommt das regelmässig vor. 

Externe Inhalte
Möchtest du diesen und weitere externe Beiträge (z.B. Instagram, X und anderen Plattformen) sehen? Wenn du zustimmst, können Cookies gesetzt und Daten an externe Anbieter übermittelt werden. Dies ermöglicht die Anzeige externer Inhalte sowie von personalisierter Werbung. Deine Entscheidung gilt für die gesamte App und ist jederzeit in den Einstellungen widerrufbar.

Für einen noch grösseren Teil hat das «Ghosting» (also das bewusste Ignorieren) der Arbeitgeber im letzten Jahr zugenommen. 78,6 Prozent bestätigen dies. Gemäss 30,7 Prozent sogar sehr deutlich.

Das wird zur Belastungsprobe: Laut Umfrage nennt fast jeder Dritte die Angst, nach der Bewerbung einfach ignoriert zu werden, als grösste Hürde im Bewerbungsprozess. Noch mehr nervt die Befragten aber das Bewerbungsprozedere an sich: Stundenlang Lebensläufe hochladen, immer wieder dieselben Angaben eintippen und sich durch komplizierte Firmenportale kämpfen – für 38,9 Prozent ist das der grösste Belastungsfaktor bei der Jobsuche. Es dürfte daher nicht überraschen, dass über 43,8 Prozent angeben, lieber im aktuellen Job zu bleiben, obwohl sie eigentlich unzufrieden sind. 

Mehr Bewerbungen wegen KI

Die Jobplattform kommt zum Schluss, dass sich die Bewerbungskultur im Vergleich zu den letzten Jahren merklich verändert hat. Eine Begründung laut Indeed: «Unternehmen agieren heute teils wieder aus einer stärkeren Position heraus.» Denn: Die Zahl der Bewerbungen pro Arbeitsstelle ist deutlich gestiegen, wie ein Report zu den Entwicklungen am Schweizer Arbeitsmarkt zeigt. Auch würden Firmen heute durch die Möglichkeiten der generativen KI deutlich mehr Bewerbungen erhalten, heisst es bei Indeed. Bedeutet im Umkehrschluss: Die Personalabteilungen sieben auch mehr und härter aus. Für viele Bewerber bleibt damit im Posteingang oft nur eines zurück: Funkstille.

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen