Darum gehts
- Kai Gerwigs Sohn sucht einen Praktikumsplatz – bisher vergeblich
- Weil die Lage zunehmend aussichtslos erscheint, hilft ihm sein Vater
- Sohn hat bisher mangels Stellenangeboten nur 10 Bewerbungen verschickt, ohne Erfolg
Kai Gerwig (48) ist verzweifelt. Der Familienvater macht sich zunehmend Sorgen, dass sein 17-jähriger Sohn Sinan keinen Praktikumsplatz findet. Gerwigs Nachwuchs besucht derzeit die Informatikmittelschule (IMS) an der Kanti Baden im Aargau. Dort lässt er sich zum Informatiker EFZ inklusive Berufsmaturität ausbilden. Nach der Berufsmittelschule müssen die Schüler ein einjähriges Praktikum absolvieren – ohne diese Stelle ist die Ausbildung nicht komplett. Die Folgen wären fatal: Es gäbe keinen Abschluss. «Im Worst Case wären drei Jahre praktisch verloren», sagt der Vater im Gespräch mit Blick.
Die Suche gestaltet sich schwierig. Eine Stelle hat Sinan bis jetzt nicht gefunden. Auf der Plattform Linkedin macht Gerwig, selbst Geschäftsführer einer Firma für Medienbeobachtung, seinem Ärger Luft – und bittet um Hilfe.
Zu viele Schüler – zu wenig Praktikumsplätze
Der Post sorgt für Aufsehen: 35'000 User haben ihn angesehen, rund 90 Personen haben ihn geliked und geteilt. Gerwig ist vom Support überwältigt: «Das ist weit mehr, als ich mir je erhofft hätte.»
Trotzdem: Zum Erfolg verhalf auch diese Unterstützung bisher nicht. «Bislang war er mit rund 20 Firmen im Austausch und konnte zehn konkrete Bewerbungen verschicken», erklärt Gerwig. Dass es bisher nicht geklappt hat, liegt für den Familienvater nicht an schlechter Leistung oder fehlender Motivation. Sein Sohn habe eine 5 als Notendurchschnitt. Auch habe er eine hohe Sozialkompetenz und ein gewinnendes Auftreten, was er als langjährige Führungskraft «einigermassen objektiv beurteilen» könne, sagt Gerwig.
Vielmehr gebe es schlichtweg kaum Firmen, die ein solches Praktikum anbieten. «Sich gar nicht erst bewerben zu können, ist wohl genauso frustrierend, wie wenn man Hunderte Bewerbungen rausschickt und laufend Absagen kassiert», sagt der Firmenchef erschöpft. Immerhin: Dreimal kam ein virtuelles Vorstellungsgespräch zustande. Doch da sich auf die wenigen Plätze jeweils zahlreiche IMS-Schülerinnen und -Schüler aus verschiedenen Kantonen bewerben würden, sei bereits die Einladung zu einem Gespräch eine echte Herausforderung.
«Heute würden wir nicht mehr die IMS wählen»
Gerwig Junior hat sich bereits früh für Informatik interessiert. Als Jugendlicher habe sich Sinan Hardware-Module und -Komponenten selbst ausgewählt und so seinen eigenen Computer zusammengebaut, erzählt der Vater stolz. Um seinen Berufswunsch zu verwirklichen, wählte der Sohnemann nicht das Gymi oder die Berufslehre, sondern den dualen Weg mit drei Jahren Lehre und einem Jahr Praxis. «Wir haben ihn bei der Berufswahl stets unterstützt», sagt Gerwig.
Sie als Eltern seien überzeugt gewesen, dass die IMS eine «vielseitige und zukunftsorientierte» Ausbildung sei. «Heute würden wir wahrscheinlich anders entscheiden», so seine Bilanz nach den Suchstrapazen. Dass engagierte junge Menschen in Zeiten des Fachkräftemangels dermassen scheitern, mache ihn nachdenklich.
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