Darum gehts
Das Bewerbungsdossier ist fertig. Kein Wort zufällig. Jeder Satz poliert. Das Motivationsschreiben mit persönlichen Erfahrungen angereichert – und mit einer Prise Humor natürlich. Das CV optimiert. Das Bewerbungsfoto perfekt ausgeleuchtet. Und jetzt bleibt nur noch eines: auf «Senden» klicken.
Auf der anderen Seite der Glasfaser ist kein HR-Mensch, der sich über das exotische Hobby wundert, das Bewerbungsfoto beäugt oder über das Witzchen lacht. Ein Algorithmus scannt und bewertet die Unterlagen. Und entscheidet innert Millisekunden, ob man im Rennen um den Traumjob bleibt oder nicht.
Das ist ein Beitrag aus dem «Beobachter». Das Magazin berichtet ohne Scheuklappen – und hilft Ihnen, Zeit, Geld und Nerven zu sparen.
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Vorteile für beide Seiten
«Man kann das hassen oder lieben, aber es ist Realität.» Das sagt einer, der es wissen muss. Klaus Fuchs ist Co-Founder des Personalvermittlers Rockstar Recruiting AG und beschäftigt sich seit über zehn Jahren mit Fragen rund um künstliche Intelligenz in der Arbeitswelt.
«Künstliche Intelligenz kann beiden Seiten helfen», sagt er. So seien die Bewerbungsprozesse für Stellensuchende viel einfacher und schneller geworden. Häufig reiche nur noch ein Klick. «Wer früher 10 Bewerbungen rausgelassen hat, kann sich heute innerhalb der gleichen Zeit auf 100 Stellen bewerben.»
Mehr Bewerbungen bedeuten auch mehr Arbeit für die Unternehmen. «Ohne KI-Unterstützung ist das gar nicht mehr machbar.»
Immer mehr Unternehmen nutzen KI
In einer Studie von Jobcloud aus dem Jahr 2024 gaben 7 Prozent der befragten Unternehmen an, dass sie Bewerbungen automatisiert vorsondieren. In 4 Prozent der Unternehmen führen Chatbots das erste Interview oder beantworten den Bewerberinnen einfache Fragen.
Was muss man also wissen, wenn man sich auf eine Stelle bewirbt? Und wie lässt sich KI zum eigenen Vorteil nutzen?
Möglichst nah beim Inserat bleiben
Vorab: Jedes KI-Tool ist anders. Idealerweise siebt der Algorithmus aber möglichst objektiv und ohne zu diskriminieren – etwa nach Sprachkenntnissen und Fortbildungen. Geschlecht, Alter, Name oder Foto sollten hingegen keinen Unterschied machen.
Wer seine Chancen erhöhen will, sollte bei seiner Bewerbung möglichst nah beim Stelleninserat bleiben. «Was dort verlangt wird und man auch bieten kann, sollte man unbedingt erwähnen und einreichen», so Experte Fuchs. «Idealerweise verwendet man auch die gleichen Stichworte und dasselbe Wording wie in der Ausschreibung.» Darum sei es ratsam, das CV immer wieder auf das konkrete Stelleninserat anzupassen und nicht einfach überall dasselbe zu versenden.
Vor wenigen Jahren sei noch ein besonderer Trick beliebt gewesen, weiss Fuchs. «Bewerbende haben unzählige Stichworte in weisser Schriftfarbe, also vom Auge nicht sichtbar, in die Bewerbungsdokumente eingearbeitet.» Das funktioniere heute aber nicht mehr. «KI erkennt mittlerweile, wenn die Dichte an Wörtern ungewöhnlich ist.»
«Jeder Schein zählt»
Eine KI kann Unmengen von Daten scannen. Darum kann man nie zu viele Dokumente einreichen. Das gilt vor allem für Zertifikate, Diplome oder sonstige Nachweise, dass man sich weitergebildet hat. «Jeder Schein zählt», so Experte Fuchs. Auch Arbeitszeugnisse können den entscheidenden Unterschied machen.
Motivationsschreiben verlieren wegen ChatGPT dagegen an Aussagekraft. «Ein Motivationsschreiben ergibt eigentlich nur noch Sinn, wenn man einen sehr persönlichen und einzigartigen Bezug zur Firma oder zum Job hat.»
Es bleibt menschlich
Spätestens in der zweiten Runde, dann also, wenn sich – zumindest heute noch – Menschen begegnen, können ganz andere Faktoren den entscheidenden Unterschied machen. Ein Hobby, das einen greifbarer macht oder das Interesse des Gegenübers weckt. Eine bereits bestehende Verbindung – etwa, weil man jemanden in der Firma kennt oder dort ein Schnupperpraktikum absolviert hat. Alles Dinge also, die einem Algorithmus in der Regel nicht auffallen.