Darum gehts
Endlich Ferien! Ein schöner Sommertag in Aix-les-Bains in Frankreich Anfang Juli. Ein Schweizer Tourist braucht noch etwas Bargeld, um Geschenke einzukaufen. Also, schnell mit der Kreditkarte am nächsten Bancomaten 100 Euro beziehen. Die Frage nach der Abrechnung in Schweizer Franken beantwortet er mit Ja. Es ist vermeintlich ganz bequem, wenn man sofort weiss, wie viele Franken vom Ferienkonto abgezogen werden. Also die Bank die Umrechnung übernimmt.
Nur: Diese Umrechnung lassen sich die Bank oder der Bancomat-Betreiber teuer bezahlen. Zum nicht gerade guten Wechselkurs von 96 Rappen für einen Euro kommt noch eine zusätzliche Wechselkursgebühr von 12,95 Prozent dazu.
Achtung vor der Frankenfalle
Das heisst: 100 Euro kosten am Bancomaten in Aix-les-Bains 104.16 Franken. Und das, obwohl der Euro seit Monaten an den Devisenmärkten für rund 92 Rappen gehandelt wird. Klar, den Interbanken-Wechselkurs bekommt kein Konsument. Doch der Aufschlag sollte nicht deutlich über 10, sondern vielleicht zwei bis drei Rappen betragen. Alles darüber riecht nach Abzocke!
«Diesen heimlichen Ferienzoll gilt es unbedingt zu vermeiden», warnt Michael Kuhn (47), Finanzexperte beim Vergleichsdienst Comparis. «Man darf nicht in die Frankenfalle tappen.»
Hinter der Abzocke steckt der vermeintlich unverfängliche Begriff Dynamic Currency Conversion (DCC). Der Anbieter offeriert für viel Geld eine unnötige Dienstleistung. «Kunden müssen sich bewusst sein, wenn am Bancomaten oder Terminal umgerechnet wird, kommt ein Fantasiekurs zur Anwendung», erklärt Ralf Beyeler (48), Geldexperte bei Moneyland.
Viele probieren es
Und nennt auch einen Grund, warum diese Unsitte so weit verbreitet ist. «Im Ausland haben weder der Bancomat-Betreiber noch der Händler eine dauerhafte Beziehung mit dem Kunden. Also kann man es ja mal versuchen, sagen sich viele.» Oft bekommen Händler sogar eine Provision, wenn sie dem Feriengast die Umrechnung in die eigene Währung aufschwatzen!
Das Angebot, direkt in der eigenen Währung – das heisst in Franken – zu bezahlen, gibt es nicht nur bei Bancomaten, sondern auch auf den meisten Bezahlterminals. Etwa beim Einkauf im Souvernirshop, im Restaurant, am Desk der Autovermietung oder in vielen Mobilitäts-Apps wie zum Beispiel Uber.
Deshalb ist es wichtig, dass der Einkauf in der lokalen Währung des jeweiligen Ferienlandes abgerechnet respektive die Währung in der App richtig eingestellt ist. Und am Bancomaten muss man das verlockende Angebot zur Umrechnung in Franken unbedingt zurückweisen. «Es ist sehr bequem, da man direkt den Frankenbetrag sieht», so Beyeler. «Doch für diese Bequemlichkeit zahlt man einen hohen Preis, einen Aufschlag von nicht selten über 10 Prozent oder mehr.»
Sich nicht stressen lassen
DCC gibt es nicht nur im Euroraum, die Masche ist auf der ganzen Welt verbreitet. Im aussereuropäischen Ausland kann der Aufschlag sogar noch höher sein. «Aufzupassen gilt es vor allem bei frei stehenden Bancomaten an Flughäfen, bei Hotels oder an beliebten Flaniermeilen», sagt Kuhn. Und rät: «Man darf sich nicht stressen lassen beim Bezahlen, sonst läuft man Gefahr, in diese Abzockerfalle zu tappen.»
Ausserdem hilft es, den aktuellen Wechselkurs im Ferienland zu kennen und eine Vorstellung zu haben, was die Dinge dort ungefähr kosten. Denn 100 Euro gibt es auch deutlich günstiger, wie das Beispiel einer Hotelrechnung aus Lissabon im Mai zeigt. Die Nacht, bezahlt mit Kreditkarte in der lokalen Währung, kostete im Endeffekt 95.80 Franken. Auch dank eines besseren Wechselkurses und einer Bearbeitungsgebühr von 1,75 Prozent. Kein Vergleich mit dem Aufschlag von über 12 Prozent am Bancomaten in Aix-les-Bains.