Darum gehts
- Ems-Chemie steigert Betriebsgewinn im ersten Halbjahr 2026 auf 310 Mio. CHF
- 60 % des Umsatzes aus Autoindustrie, trotz europäischer Autobauer-Krise
- KI-Boom kurbelt Geschäft an, weltweit wachsende Nachfrage nach Serverkühlung
Magdalena Martullo-Blocher (56) kann mit dem ersten Halbjahr ihres Spezialchemiekonzerns Ems zufrieden sein. Am Freitag konnte die Ems-Chefin sehr solide Halbjahreszahlen vorlegen. Zwar nahm der Umsatz im Vergleich zur Vorjahresperiode leicht ab. Der Industriebetrieb mit Sitz in Domat/Ems GR konnte aber den Betriebsgewinn um fast 5 Prozent auf 310 Millionen Franken steigern. Gleichzeitig hat Ems die Prognose fürs Gesamtjahr nach oben angepasst. Nun erwartet man nur noch einen «leicht» tieferen Nettoumsatz als 2025.
Martullo-Blochers Unternehmen ist stark von der Autoindustrie abhängig. 60 Prozent der Umsätze macht Ems mit der Branche. Das Problem: Die europäischen Autobauer stecken gerade in einer grossen Krise. Der Verfall des Autosektors in Europa hat sich aus Sicht der Ems-Chefin abgezeichnet. So sagte sie in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger»: «Den Niedergang Europas sehe ich seit langem, er ist politisch verursacht. Es ist ein Blutbad.» Die EU kämpfe lieber mit Zöllen auf chinesische Autos und importierten Stahl, statt die Probleme anzugehen.
Ems profitiert vom KI-Boom
Wie gross die Misere bei den grossen Autobauern Europas ist, zeigt das Beispiel Volkswagen: Beim taumelnden VW-Konzern steht wegen des Sparkurses ein massiver Kahlschlag bevor. Jedes zweite VW-Modell soll verschwinden. Und es kommt wohl zu einem Mega-Stellenabbau. Neu ist laut Medienberichten von bis zu 120'000 Jobs die Rede, die bis 2030 wegfallen sollen. Zudem stehen vier VW-Werke in Deutschland vor dem Aus.
Entsprechend muss sich Ems auf andere Einnahmequellen ausrichten – und tut dies auch. «Wir überkompensieren die Einbussen seit längerem mit Wachstum auch in anderen Märkten», so Martullo-Blocher im Interview. Unter anderem profitiert Ems vom grossen Boom der künstlichen Intelligenz. Weltweit bauen Tech-Firmen immer neue Rechenzentren für KI. Der Bündner Chemie-Konzern wiederum stellt Kunststoffprodukte her, um die Temperatur in den Serverräumen dieser Datencenter zu senken. «Wir werden noch viele Kunden kühlen», so Martullo-Blocher zum «Tages-Anzeiger». Doch auch dieses Geschäftsmodell sieht sie langfristig gefährdet: «Wenn Elon Musk Datencenter im All baut, braucht es uns vielleicht einmal nicht mehr. »