Schattendiplomatie mit den USA
Martullo-Blochers seven Ego-Steps

Ems-Chemie-Chefin Magdalena Martullo-Blocher hat der US-Botschafterin Callista Gingrich ihre Firma gezeigt. Und ihr Schloss. Fast ganz privat. Aus ureigenstem Interesse.
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Callista Gingrich (l.) und Magdalena Martullo-Blocher vor der Ems-Fabrik.
Foto: Zvg

Darum gehts

  • Ems-Chemie-Chefin Martullo-Blocher organisierte Privatbesuch für US-Botschafterin Gingrich
  • Martullo-Blocher zeigte Gingrich ihr Unternehmen und ihr Schloss
  • Der Besuch wurde dank Exklusiv-Einladung an private TV-Station publik
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Andreas SchmidInlandredaktor

Nun hat US-Botschafterin Callista Gingrich (59) die Schweiz gesehen. Dank Ems-Chemie-Chefin Magdalena Martullo-Blocher (56), die der US-Amerikanerin am Donnerstag ihr Reich gezeigt hat. Die Bündner SVP-Nationalrätin ist zwar höchstens Schatten-Aussenministerin, doch sie lud Gingrich zu einer privaten Werkbesichtigung in Ems GR ein. Auf den privaten Wirtschaftsstandort der Blochers quasi.

Gute Erinnerungen in Disentis

Auch das Kloster Disentis öffnete die Türen für Martullo-Blocher und Gingrich. Der grosszügige Blocher-Zustupf für die Restaurierung der Klosterkirche ist zehn Jahre später längst nicht vergessen. Da frohlockte auch ein Schülerchor, als der hohe Besuch eintraf.

Im Blocher-eigenen Schloss Rhäzüns war Gingrich, deren Urgrosseltern namens Adank und Lietha von Graubünden in die USA ausgewandert waren, sowieso willkommen.

Dass die Welt vom diplomatischen Husarenstück erfuhr, ist der exklusiven Einladung Martullo-Blochers an Tele Züri zu verdanken. Unter der Bedingung, dass Fragen zum Zollstreit mit den USA unterblieben. Klar doch. Und gleichzeitig erst noch das ungeliebte, am liebsten bald halbierte SRF weggesperrt.

In eigener Sache

Während Martullo-Blochers Parteikollege, Bundespräsident Guy Parmelin (66), und seine Staatssekretärin Helene Budliger Artieda (61) für die Schweiz um ein Zollabkommen ringen, handelt Martullo-Blocher zweifellos vorbildlich für die Ems-Chemie, für sich und ihre Familie. Die Begeisterung von US-Botschafterin Gingrich nach dem Besuch sprach Bände.

Damit hat Martullo-Blocher nach ihrem legendären Ökonomie-Lehrstück «The seven thinking steps» ein zweites Standardwerk erschaffen. Die sieben Ego-Steps zum Erfolg:

1. Schaue für dich, deine Liebsten und dein Unternehmen.

2. Vergiss, dass du vorgestern gesagt hast: «Was Trump macht, ist nicht gut für Amerika.» Und dass du vorvorgestern noch deinen guten Draht zum US-Präsidenten zelebriert hast.

3. Ein Privatbesuch soll privat bleiben. Der Inhalt der Gespräche gehört nicht an die Öffentlichkeit.

4. Trotzdem sollen alle von der Visite erfahren. Dank der exklusiven Einladung der genehmen privaten TV-Sender.

5. Lass den höflichen Gast die eigene Firma loben.

6. Erinnere die US-Botschafterin im familieneigenen Schloss, hoch über dem Rhein, an ihre Bündner Wurzeln.

7. Marschiere nicht in einer Unternehmergruppe bei Präsident Trump auf, wie es andere vorgemacht haben. Lade den Gast zu dir ein.

Wer weiss, ob die private Beziehungspflege noch zu guten Diensten für die Schweiz gedeiht? Bundespräsident Parmelin und die Schweizer Diplomaten werden es zu schätzen wissen, dass die Ems-Chemie nun in den USA hoch im Kurs steht.

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