Erfolgs-Wirt (42) zieht die Notbremse
Für seinen Landgasthof gab er alles – und beinahe sein Leben

15-Stunden-Tage, ständiger Druck, Herzinfarkt mit 37: Für Christoph Frei ist das Limit erreicht. Der Inhaber der Wartegg zieht die Notbremse. Ein emotionaler Entscheid, denn der Landgasthof ist für ihn viel mehr als ein Restaurant.
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Am Ende sah Christoph Frei (r.) keinen anderen Weg: Er verkauft den Familienbetrieb Wartegg in Wigoltingen Ende Jahr. Christoph Frei führt die Küche, sein Bruder Roger (l.) die Gaststube.
Foto: BALZ_KUBLI

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Christoph Frei schliesst Landgasthof Wartegg in Wigoltingen Ende 2026 aus gesundheitlichen Gründen
  • Frei erlitt mit 37 einen Herzinfarkt, später eine schwere Lungenentzündung – ein Arzt warnt ihn
  • Er ist in der Gastronomie kein Einzelfall
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Mischa StünziRedaktor Wirtschaft

Am Ende stand Christoph Frei (42) vor der Wahl: Gesundheit und Familie oder sein Unternehmen, der Landgasthof Wartegg. Beides gleichzeitig ging nicht mehr. Zwei Jahre hat er gehadert, sich mit seiner Familie beraten und schlaflose Nächte gehabt. Nun steht der Entscheid fest: Ende Jahr schliesst der Landgasthof in Wigoltingen TG. Frei verkauft.

«Ich musste meine Mitmenschen und meine Gesundheit über den Betrieb stellen», sagt er gegenüber Blick. Seine Stimme zittert. Verständlich: Die Wartegg ist mehr als ein Restaurant. Der Landgasthof ist seit über 40 Jahren ein Familienbetrieb. Freis Eltern haben ihn 1982 übernommen, wie die «Thurgauer Zeitung» schreibt, die als erste über die geplante Schliessung berichtete. Frei und seine zwei Geschwister sind hier aufgewachsen. Heute führt Christoph Frei die Küche, sein Bruder Roger die Gaststube.

Herzinfarkt mit 37: Der hohe Preis des Erfolgs

Die Brüder sind es gewohnt, anzupacken. Arbeitstage von 13 bis 15 Stunden sind die Regel. «Ein paar Wochen geht das gut, aber auf Dauer ist es Raubbau am Körper und an der Psyche», sagt Christoph Frei. Sein Körper hat längst rebelliert: Vor fünf Jahren erlitt der Familienvater einen Herzinfarkt – mit 37. Drei Jahre später folgte eine schwere Lungenentzündung. Sein Arzt warnte ihn: «Wenn du so weitermachst, hast du noch etwa zehn Jahre zu leben.»

Frei liebt seinen Job. Doch die Belastung wird immer grösser: «Die Ansprüche der Gäste sind in den letzten Jahren enorm gestiegen.»

Eine bittere Realität der Gastrobranche

Der Thurgauer und seine Wartegg sind kein Einzelfall. Immer wieder schmeissen in letzter Zeit Gastronomen den Bettel hin. Die Gründe: fehlendes Personal, hohe Arbeitsbelastung, steigende Kosten, ein verändertes Konsumverhalten der Gäste.

Dabei ist der Betrieb in Wigoltingen eigentlich profitabel. «Buchhalterisch ist die Wartegg gesund. Ich konnte jedes Jahr um 100’000 Franken ins Gasthaus investieren», sagt Frei. Trotzdem steht eine grössere Sanierung an. Das Geld dafür könne er mit dem Betrieb nicht in vernünftiger Zeit erwirtschaften, ist der Wirt überzeugt. «Die Renovation könnte ich nur stemmen, wenn ich einen reichen Sponsor hätte – wie andere Betriebe in der gehobenen Gastronomie. Aber das will ich nicht.»

Was kommt nach dem Lebenswerk?

Auch für die Belegschaft ist das Aus ein tiefer Einschnitt. Viele sind seit Jahren an Bord. «Sie arbeiten gerne hier. Aber aus den Gesprächen mit ihnen weiss ich auch, dass mehrere damit liebäugeln, die Branche zu verlassen und sich neu zu orientieren.» Deshalb hätten sie den Entscheid mit einem lachenden und einem weinenden Auge aufgenommen.

Und er selber? Welche Zukunft sieht Frei für sich? «Ich schliesse die Gastronomie nicht aus», sagt er. «Aber momentan stehe ich mitten im Sturm. Den muss ich erst überstehen, ehe ich mir konkret Gedanken machen kann, was danach kommt.» Zudem: Noch sei nicht Schluss, betont Frei. Bis Ende Jahr wollen er und sein Team noch einmal alles geben.

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