«Dieses Vorgehen ist eine Sauerei»
Mieter erhalten die Leerkündigung – dann landen Wohnungen auf Airbnb und Co.

Wegen einer geplanten Renovation mussten 8 Mietparteien in Seebach ZH ihre Wohnung 2022 verlassen. Gebaut wurde bis heute nicht. Stattdessen landen die Wohnungen zu saftigen Preisen auf einschlägigen Buchungsplattformen. Der Mieterverband spricht von einer «Sauerei».
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Im Juli 2022 wurde den 8 Mietparteien an der Katzenbachstrasse 190 in Seebach ZH gekündigt.
Foto: Google Street View

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Acht Mietparteien in Zürich-Seebach wurde 2022 die Wohnung gekündigt
  • Heute sind einige davon auf Buchungsplattformen wie Booking oder Airbnb ausgeschrieben
  • Ex-Mieterin zahlte für ihre 3,5-Zimmer-Wohnung 1490 Franken, jetzt kostet sie bis zu 452 Franken pro Nacht
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Nathalie BennRedaktorin Wirtschaft

Im Kanton Zürich geht die Angst vor der Leerkündigung um: 84 Prozent der Mieterinnen und Mieter fürchten, ihre Wohnung zu verlieren, wie eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Sotomo vom Mai zeigt. Bei Zürcher Mietparteien über 55 sind es gar 91 Prozent. Diese Angst ist nicht unbegründet: Auswertungen zeigen, dass es im Raum Zürich häufiger zu Leerkündigungen kommt als in anderen Schweizer Agglomerationen. 

Im Juli 2022 traf es acht Mietparteien in einem Altbau im Zürcher Quartier Seebach nahe Oerlikon. Der Kündigungsgrund lautete: geplante Renovationsarbeiten und eine Aufstockung der Liegenschaft um ein zusätzliches Geschoss. So weit, so unspektakulär. 

Jetzt, vier Jahre später, präsentiert sich die Liegenschaft an der Katzenbachstrasse immer noch in ihrem alten Glanz. Die Wohnungen stehen aber keinesfalls leer: Sie sind auf Buchungsplattformen wie Booking oder Airbnb ausgeschrieben. Zu einem Vielfachen des ursprünglichen Mietpreises – ganz zum Unmut einer ehemaligen Mieterin, wie der lokale Instagram-Account i_love_oerlikon und 20 Minuten berichten. 

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«Praxis wird immer wieder angewendet»

Demnach zahlte die 37-Jährige vor ihrem unfreiwilligen Auszug für ihre 3,5-Zimmer-Wohnung 1490 Franken pro Monat. Ein Blick auf die einschlägigen Buchungsportale, die ein dynamisches Preismodell kennen, zeigt: Für dieselbe Wohnung verlangt der Vermieter nun bis zu 452 Franken pro Nacht. Wer die Wohnung für den ganzen Juli mieten möchte, bezahlt regulär 8415 Franken – ein Anstieg von mehr als 400 Prozent!

Walter Angst (60), Sprecher des Zürcher Mieterverbands, findet gegenüber Blick klare Worte: «Das Vorgehen der Vermieter ist eine Sauerei.» Doch Seebach sei leider kein Einzelfall: «Die Praxis, nach Leerkündigungen mit deutlich teureren Kurzzeitvermietungen den grossen Reibach zu machen, wird immer wieder angewendet», so Angst. «Auch renommierte Verwaltungen wie die Livit machen das so.» 

Dass hier bisher aber ganze vier Jahre verstrichen sind, sei eher untypisch – «auch wenn es immer wieder vorkommt, dass sich Desperados eine goldene Nase verdienen.» Professionalität sei nicht erforderlich, wenn Mieter zwingend auf Wohnraum angewiesen sind, lautet Angsts Fazit. 

Gegenüber 20 Minuten erklärt die derzeitige Verwaltung, die Dinvest AG, dass die geplanten Bauarbeiten ab 2027 beginnen sollen. Bis Ende Januar 2027 würden noch befristete Mietverträge laufen. Erst nachdem diese ausgelaufen sind, könne man mit den geplanten baulichen Massnahmen beginnen. Weiter geht die Verwaltung nicht darauf ein. Dafür gibt es lobende Worte für das neue Projekt: Damit werde ein wichtiger Beitrag zur Weiterentwicklung des Standorts und der Schaffung von neuem Wohnraum geleistet. 

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