Der Berg ruft – nicht mehr!
Was der Krieg im Nahen Osten den Sommertourismus kostet

Der Irankrieg und steigende Kerosinpreise bremsen den Schweizer Tourismus: Im April sank die Gästezahl auf dem Jungfraujoch um 25 Prozent. Es fehlen Gäste aus Asien. Das spüren auch andere beliebte Reiseziele in der Schweiz.
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Die Gästezahlen auf dem Jungfraujoch sind im April deutlich gesunken.
Foto: Keystone

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Der Tourismus in der Schweiz leidet unter dem Irankrieg: Rückgänge bei asiatischen Gästen ist spürbar
  • Im März 2026 gab es 15,8 Prozent weniger Hotelübernachtungen aus Asien
  • Jungfraubahnen-Aktienkurs seit Kriegsausbruch um 20 Prozent, bei Titlisbahnen um 10 Prozent gesunken
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Martin SchmidtRedaktor Wirtschaft

Gäste finden auf den beliebten Schweizer Ausflugsbergen derzeit mehr Platz als üblich. Das gilt besonders für das so beliebte Jungfraujoch, aber auch für andere weltbekannte Destinationen wie den Titlis oder Luzern. Blick hat berechnet: Auf dem Jungfraujoch ging die Gästezahl im April im Vergleich zum Vorjahr um rund 25 Prozent zurück. In den ersten drei Monaten lagen die Gästezahlen auf dem Jungfraujoch nur 2,9 Prozent unter dem Vorjahresniveau. 

Die Bahnen nennen den Irankrieg und die damit verbundenen Luftraumbeschränkungen als Hauptgrund für den Rückgang. Doch auch die steigenden Kerosinpreise und die wachsende Unsicherheit spielen eine Rolle.

Titlis ebenfalls mit Rückgang

Auf dem Titlis ist derzeit ebenfalls weniger los. «Wir spüren die Entwicklung durchaus, vor allem bei Gästen aus Asien und teilweise aus den Golfstaaten. Seit dem Ausbruch des Irankriegs ist die Nachfrage bei Gruppenreisen und kurzfristigen Buchungen etwas verhaltener», schreibt ein Mediensprecher der Titlis Bergbahnen auf Anfrage von Blick. Konkrete Zahlen kommuniziert das Unternehmen Anfang Juli im Rahmen der Halbjahresergebnisse.

Das harzige Touristengeschäft zeigt sich auch an den Aktienkursen der beiden Bahnunternehmen: Bei der Jungfraubahn Holding AG tauchte der Kurs seit Kriegsausbruch um knapp 20 Prozent. Bei den Titlis Bergbahnen ging es um rund 10 Prozent abwärts – auch beeinflusst vom Gondelabsturz mit einem Todesfall im März.

Im Tourismushotspot Luzern ist es derzeit ebenfalls weniger voll. Gemäss Hotelierverein vermelden rund zwei Drittel der Hotelbetriebe eine rückläufige Buchungsentwicklung. Das macht sich ebenfalls bei den Pilatus-Bahnen bemerkbar, bei denen rund 15 Prozent der Gäste aus dem asiatischen Raum kommen.

Die Rigi-Bahnen zählen ebenfalls weniger Gäste aus Asien. Die Bahnen profitieren aber vom hohen Schweiz-Anteil bei den Gästen von rund 70 Prozent. Das erklärt, weshalb der Aktienkurs seit Anfang Jahr stabil ist. 

Indiengeschäft bricht um fast ein Drittel ein

Die aktuellsten Zahlen von Schweiz Tourismus zeigen: Die Hotelübernachtungen aus Asien verzeichneten im März mit –15,8 Prozent den stärksten Rückgang aller Marktgruppen. Besonders stark betroffen ist Indien mit –31,5 Prozent. Fast die Hälfte der Flüge zwischen Indien und Europa verläuft über Drehkreuze im Mittleren Osten. Zudem brach der Konflikt genau zu Beginn der wichtigsten indischen Reisesaison aus. 

Die Folgen des Irankriegs treffen die Tourismusregionen sehr unterschiedlich: In den Regionen Luzern und Bern gingen die Übernachtungen von chinesischen Gästen mit jeweils knapp 20 Prozent deutlich zurück. In den Regionen Zürich und Bern sanken zudem die Übernachtungen aus Indien um rund ein Drittel. Die Hotels in Grindelwald BE bekamen das deutlich zu spüren: Sie mussten im März über alle Gäste einen Rückgang von knapp 15 Prozent hinnehmen

«Auswirkungen sind spürbar»

Der Weltkurort Zermatt VS konnte sich in den letzten Jahren auf die Sommersaison als Wachstumsmotor verlassen. Aktuell zeigen sich jedoch auch in hier erste Auswirkungen der zurückhaltenderen Reisetätigkeit aus einzelnen Fernmärkten wie Indien und Teilen Asiens. «Wir stellen fest, dass sich die aktuelle geopolitische Unsicherheit teilweise auf die Buchungsdynamik und die Anfragen für den weiteren Verlauf der Sommersaison auswirkt», sagt Bergbahn-Chef Martin Hug (57).

Gleichzeitig verweist Hug auf die breite Marktaufstellung der Destination. «Zermatt ist ähnlich wie der Schweizer Tourismus international sehr diversifiziert positioniert. Das macht uns und die Branche insgesamt resilient. Zudem sehen wir weiterhin eine stabile Nachfrage aus den europäischen Nahmärkten sowie aus dem Heimmarkt.» Zermatt würde flexibel auf Marktveränderungen reagieren und versuchen, allfällige Rückgänge in einzelnen Fernmärkten über andere Gästesegmente zu kompensieren.

2025 entfielen in der Schweizer Hotellerie fast die Hälfte der Gäste auf die Schweiz und knapp 29 Prozent auf Europa. Bei Schweiz Tourismus erwartet man deshalb trotz Krise eine stabile Sommersaison. 

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