Darum gehts
- Hotels in Graubünden, Wallis und Berner Oberland erleben Buchungsboom wegen Neuschnee
- Graubündens Hotellerie meldet 5 Prozent mehr Buchungen, in Chur sogar 10 Prozent
- Walliser Bergbahnen bis Februar 2 Prozent über Vorjahr, Zermatt plus 5–10 Prozent erwartet
Buchungsboom im Bündnerland: «Dank des Neuschnees gab es bei uns viele kurzfristige Buchungen. Wir waren am Wochenende ausgebucht», sagt Hotelier Hannes Ingold (53). Er betreibt in der Weissen Arena das Me and All Hotel Flims.
Neben der Bündner Hotellerie dürfen sich nach den jüngsten Schneefällen von Mitte März auch die Betriebe im Wallis und im Berner Oberland über Spontanbuchungen freuen. Diese konzentrieren sich stark auf die Wochenenden.
Im März sind die Geniesser auf der Piste. Das heisst, es werden nicht Pistenkilometer bis kurz vor dem Eindunkeln gebolzt. Sondern eher mal Stunden im Bergrestaurant bei Speis und Trank verbracht, weil am Nachmittag die Frühjahrssonne den Schnee schnell zum Pflotsch werden lässt.
Ob der Buchungsboom im März wirklich zu einer Rekordsaison verhilft, ist offen. Denn nach Ostern stellen auch die grössten Enthusiasten die Ski und Snowboards in den Keller. Und Ostern ist in diesem Jahr in der ersten Aprilwoche relativ früh. Was erklären könnte, dass der Buchungsstand der Hotels im Kanton Graubünden für die verbleibende Wintersaison einiges tiefer liegt als im Vorjahr.
Events beim Saisonendspurt entscheidend
Obwohl der März seit Jahren schneesicherer als der Dezember ist, geht der Wintersaison immer früher der Schnauf aus. Zu früh für die Skigebiete: «Der März wird bei uns seit Jahren kontinuierlich etwas schwächer. Auch in diesem Jahr, obwohl die Verhältnisse super sind», sagt Stefan Grossniklaus (53), Hotelierspräsident Berner Oberland.
Dagegen lässt sich etwas tun: Schaffen es die Destinationen, Events zu etablieren, können sie dieser Saisonphase zusätzliches Leben einhauchen. Ein Beispiel dafür ist das Elektronikfestival VSNZ in Grindelwald BE und auf dem Männlichen in der ersten Märzhälfte. Auch Zermatt Unplugged oder die Top of the Mountain Concerts im österreichischen Ischgl locken zusätzliche Touristen in die Berge.
Grossniklaus spricht fürs Berner Oberland von einer «durchschnittlichen bis guten» Wintersaison für die Hotelbetriebe – dank eines stabilen Geschäfts im Dezember und Januar sowie einem sehr guten Februar. Einzelne Bergbahnen wie Meiringen Hasliberg und Gstaad gewannen mit der Einführung des Verbundabos Magic-Pass deutlich an Gästen hinzu.
Starker Februar und guter März
Im Berner Oberland findet in der jetzigen Phase ein nahtloser Übergang zu den Frühlingsgästen statt. Während die einen noch die Skipisten herunterkurven, steht bei anderen Sightseeing, Genuss und Erholung im Vordergrund. «Die Zahl der Frühlingsgäste nimmt bereits zu, aber noch nicht im Ausmass wie in den Vorjahren», sagt Grossniklaus. «Dabei spielt sicher der Iran-Krieg eine Rolle.» Denn: Der Krieg erschwert die Anreise von Gästen aus dem Nahen Osten und Asien.
In den höheren Lagen sehen die Zahlen nach dem letztjährigen Rekordwinter wieder vielversprechend aus. «Die Hotels in Flims, Laax und Falera liegen derzeit etwa fünf bis sechs Prozent über dem Vorjahresniveau», sagt Hannes Ingold. Er ist Hotelierspräsident der Region. «Besonders der Februar war sensationell, und auch im März sieht es bis anhin gut aus», ergänzt er.
Ein Grossteil der Bündner Hotelbetriebe liegt bis anhin rund fünf Prozent im Plus, wie eine Umfrage des kantonalen Hoteliervereins zeigt.
Wallis auf Vorjahresniveau
Ebenfalls erfreulich: Die US-Amis fliegen nach wie vor auf und in die Schweizer Berge. Eine Befürchtung war, dass sie sich aus Scham wegen des US-Zollkriegs weniger blicken lassen. Doch die meisten Bündner Hotels dürfen erneut mehr US-Gäste begrüssen. Zudem konnten die Bergbahnen im Kanton bis Ende Februar das Vorjahresniveau halten. Das heisst, die Gäste buchen nicht nur Zimmer, sondern tummeln sich auch aktiv auf den Pisten.
Auch im Wallis scheint mit Blick aufs Wintergeschäft die Sonne: Der späte Schneefall Anfang Winter trieb viele Skifans in die schneesicheren Walliser Skigebiete. «Die Bergbahnen können die Gebiete immer schneller beschneien. Das gibt uns Planungssicherheit gegenüber den Gästen, damit sie nicht plötzlich stornieren», sagt der Walliser Hotelierspräsident Olivier Andenmatten (50). «In der Hotellerie zeichnet sich bei den Übernachtungen ein ähnlich guter Winter wie im Vorjahr ab», ergänzt er.
Hohe Gebiete top, tiefe Gebiete durchzogen
Die Walliser Bergbahnen liegen bis Ende Februar rund zwei Prozent über dem Vorjahresniveau. Zermatt scheint sich einmal mehr in eigenen Sphären zu bewegen. So rechnet die Zermatter Hotellerie auf Anfrage damit, noch mal fünf bis zehn Prozent gegenüber dem Vorjahreswinter zuzulegen.
Die guten Zahlen aus den Skigebieten in den Hochalpen dürfen über etwas nicht hinwegtäuschen: Bei den Bergbahnen in tieferen und mittleren Lagen – zum Beispiel in der Zentral- und Ostschweiz – zeigt sich einmal mehr, wie abhängig die Destinationen vom natürlichen Schneefall idealerweise bis ins Flachland sind. Denn dieser lockt die Tagestouristen aus den Städten in die Berge. Viele dieser Bahnen haben gegenüber dem Vorwinter deutlich eingebüsst. Im langjährigen Vergleich sind jedoch auch die meisten dieser Skigebiete in der aktuellen Saison mindestens solide bis sehr gut unterwegs.