Darum gehts
- Der Nahost-Krieg beeinträchtigt Schweizer Hotellerie, besonders asiatische Gruppenreisen betroffen
- In fünf Tagen stornierten 120 Gruppen über 4800 Gäste bei zwei Hotels
- 85 Prozent der Gäste von Stevanovics Hotels in Schwyz kommen aus Asien
Der Krieg im Nahen Osten trifft die Schweizer Tourismusbranche hart: Der Flugverkehr über wichtige Drehkreuze wie Dubai, Abu Dhabi und Doha ist stark eingeschränkt. Über die Flughäfen reisen neben Gästen aus dem Nahen Osten auch viele asiatische Touristen nach Europa und in die Schweiz. Erste Hotelbetriebe hierzulande spüren die Auswirkungen seit dem Kriegsausbruch am 28. Februar bereits deutlich. Einer davon ist Stojan Stevanovic (61). «In den ersten fünf Tagen haben in meinen zwei Hotels 120 Gruppen mit über 4800 Gästen storniert», sagt der Hotelier zu Blick.
Anfang Jahr freute er sich noch über so viele Buchungen aus Asien wie seit zehn Jahren nicht mehr. Nun klaffen in den nächsten Wochen und Monaten riesige Löcher in seinem Reservationsbuch. «Die Situation für meine Betriebe ist sehr schwierig.»
Die beiden Hotels im Kanton Schwyz, das City Hotel Brunnen und das Seehotel Helvetia in Seewen, zählen zusammen rund 250 Betten und sind stark aufs Gruppengeschäft ausgerichtet. «85 Prozent meiner Gäste sind Gruppen aus Asien», so Stefvanovic.
Grösse Gästezahlen aus Asien kommen im Sommer
Blick hat mit Hoteliers aus Interlaken BE, Grindelwald BE, Zermatt VS, Luzern oder Basel über die Auswirkungen des Kriegs aufs Geschäft gesprochen. In Luzern beobachtet man ein differenziertes Bild. Bei vielen Betrieben liege die Nachfrage nach wie vor auf Vorjahresniveau, schreibt der Hotelverein auf Anfrage. Ein Teil der Betriebe verzeichne leichte Gästerückgänge und kurzfristige Stornierungen. Besonders betroffen: Betriebe, die auf Gruppenreisende aus Asien spezialisiert sind.
Die Gästezahlen aus Asien und dem Nahen Osten erreichen erst in den Sommermonaten ihren Höhepunkt. Dann sind es monatlich ein paar Hunderttausend. Dauert der Krieg noch länger an, würde das die Hotellerie hart treffen. «Sollten die Verbindungen über die wichtigen Hubs weiterhin eingeschränkt bleiben, könnte sich dies merklich auf die Buchungslage auswirken», so der Luzerner Hotelierverein.
Die Reisezeit der Gäste aus der Golfregion würde jetzt beginnen. Mit dem Ende des Ramadans an diesem Donnerstag. «Nicht nur aus dem Nahen Osten werden voraussichtlich weniger Gäste anreisen. Auch aus dem asiatischen und australischen Raum werden wegen der Flugrouten über den Golf Stornierungen vorgenommen», sagt Brigitte Berger Kurzen (50), Eigentümerin des Hotels Royal-St. Georges in Interlaken. Einige Amerikaner würden es sich zudem überlegen, ob es im Moment Sinn mache, ausserhalb des eigenen Landes zu verreisen.
Viele Betriebe haben sich wegen Corona neu positioniert
Die Stimmen aus der Branche klingen etwas nach Durchhalteparolen. Doch eine Hoffnung gibt es: Die Lehren aus der Corona-Krise. Viele Hotels in Luzern, Bern oder auch Zermatt mussten damals ihre Strategie anpassen und sich auf neue Märkte ausrichten. In Luzern sind etwa heute die US-Amerikaner die wichtigsten Auslandsgäste – und nicht mehr die asiatischen Grossgruppen.
Beispiele dafür sind die 5-Sterne-Hotels Schweizerhof Luzern und das Bürgenstock Resort. Die Betriebe mussten sich in kurzer Zeit neu ausrichten. «Dank unserer breit diversifizierten Gästestruktur mit einem starken Anteil an Schweizer und europäischen Gästen können wir mögliche Nachfrageschwankungen in einzelnen Märkten abfedern», heisst es beim Bürgenstock auf Anfrage.
Auch der 5-Sterne-Betrieb Grand Hotel Les Trois Rois in Basel musste wegen des Wegfalls vieler Gäste aus Asien neue Märkte erschliessen. Vereinzelt komme es zu Stornierungen aus Ländern mit erschwerter Anreise, schreibt das Hotel. Die überwiegende Zahl der Gäste komme aus Europa und den USA. Spüren würden die Hotels einen Wegfall des Asiengeschäfts im Sommer aber trotzdem.
Eine Hoffnung: Ein Teil der asiatischen Gäste könnte über andere Routen nach Europa gelangen. Stojan Stevanovic arbeitet für seine zwei Hotels im Kanton Schwyz bereits mit einem neuen Touroperator zusammen. «Über diesen sind bereits erste Buchungen hereingekommen», sagt er.