Darum gehts
- SNB-Präsident Schlegel betont «erhöhte» Bereitschaft zu Devisenmarkt-Interventionen
- Unsicherheit durch Nahostkonflikt gefährdet Wirtschaft laut SNB
- Schweiz auf US-Monitoring-Liste, aber kein Währungsmanipulator laut Schlegel
Martin Schlegel (49) weiss, sein Wort hat grosses Gewicht. Jede noch so kleine Äusserung des Präsidenten der Schweizerischen Nationalbank wird auf die Goldwaage gelegt. Auch die gebeutelte Schweizer Industrie hört genau hin.
Swatch-Patron Nick Hayek (71) hat sich zuletzt mehrfach gewünscht, dass die Nationalbank beim Frankenkurs mehr Kante zeigt. «Wenn SNB-Präsident Martin Schlegel hinsteht und sagt, der überbewertete Franken ist ein Problem, würde das bereits helfen», sagte Hayek am Mittwoch im Rahmen der Bilanzmedienkonferenz der Swatch-Gruppe zu Blick.
«Erhöhte» Bereitschaft zu intervenieren
Ganz so weit wollte Schlegel am Donnerstagmorgen nicht gehen. Doch: «Angesichts des Konflikts im Nahen Osten ist unsere Bereitschaft, am Devisenmarkt zu intervenieren, erhöht», sagte Schlegel an der Pressekonferenz zur geldpolitischen Lagebeurteilung. Im Dezember hatte Schlegel noch gesagt, man sei bei Bedarf bereit zu intervenieren. Nun ist diese Bereitschaft «erhöht».
Nach Einschätzung der SNB hat die Unsicherheit mit dem Konflikt im Nahen Osten «deutlich zugenommen». Die Notenbank spricht von bedeutenden Risiken für die Weltwirtschaft. Spitzt sich eine Krise zu, führt dies häufig zu einem Frankenschock. Schlegel hat nun ein klares Signal an die Märkte und die Industrie gegeben.
Von einer Zinssenkung, die gleichbedeutend mit Negativzinsen wäre, sieht die SNB derzeit ab. Aber: «Wenn es notwendig ist, sind wir jederzeit bereit, auch dieses Instrument wieder einzusetzen, um unser Mandat zu erfüllen», so Schlegel. Primäres Ziel der SNB ist die Preisstabilität – die Inflation ist derzeit auf sehr tiefem Niveau stabil. Die Nationalbank muss zudem der konjunkturellen Entwicklung Rechnung tragen.
«Die Schweiz hat nicht den Stempel eines Währungsmanipulators»
Die Sorgen aus der Wirtschaft scheinen beim SNB-Präsidenten angekommen zu sein. Die Nationalbank tausche sich jährlich mit rund tausend Unternehmen aus und kenne die Exportindustrie sehr gut, sagte Schlegel an der Pressekonferenz. «Schweizer Unternehmen haben in der Vergangenheit gezeigt, dass sie flexibel sind und mit diesen Herausforderungen umgehen können. Wir schauen die monetären Bedingungen an.»
Allfällige Interventionen am Devisenmarkt werden aber auch im Ausland genau beobachtet. Die US-Regierung hat der Schweiz im letzten Jahr mehrfach Währungsmanipulation vorgeworfen. «Die Schweiz ist auf der Monitoring-Liste, hat aber nicht den Stempel eines Währungsmanipulators», sagte Schlegel dazu. «Wir intervenieren nicht an den Devisenmärkten, um den Schweizer Exporteuren einen unfairen Vorteil zu verschaffen», führte er aus.
Börsenspekulation an Kurstreiber
Die starken Kursanstiege in unsicheren Zeiten haben mit der Realwirtschaft auch wenig zu tun. Der Franken gilt in Krisenzeiten als sicherer Hafen. Sobald grosse Unsicherheiten im Markt auftauchen, kaufen Anleger massenhaft Franken zurück. Diese schlagartige Nachfrage treibt den Kurs massiv nach oben. Verstärkt wird dieser Effekt zusätzlich durch die riesigen Volumen an Börsenwetten, die gerade in Krisenzeiten hochgehen.
Blick will deshalb von Schlegel wissen, wie stark diese häufig spekulativen Börsengeschäfte den Kurs beeinflussen. Diese Mechanismen seien bei allen «sicheren Häfen» zu beobachten, so Schlegel. Wie stark die Auswirkungen bestimmter Börsengeschäfte sind, bleibt unbeantwortet. Eine Einordnung dürfte am Finanzplatz direkt als politische Aussage wahrgenommen werden. «Ein grosser Teil der Franken-Nachfrage hängt mit den Inländern zusammen», ergänzte Schlegel. Sprich: Die Börsengeschäfte laufen über den Schweizer Finanzplan.