Hayek kritisiert Nationalbank
«Das wahre Problem ist der überbewertete Franken und nicht die Zölle»

Der Frankenkurs frisst bei Swatch Hunderte Millionen weg. «Der starke Franken bedroht den Schweizer Industriestandort», schlägt Swatch-Patron Nick Hayek Alarm. Er fordert, dass die Nationalbank aktiv werden muss.
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Nick Hayek sieht den Schweizer Industriestandort bedroht.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Swatch verzeichnete 2025 einen Gewinneinbruch um fast 90 Prozent auf 25 Millionen Franken
  • Währungseffekte kosteten Swatch 2025 insgesamt 308 Millionen Franken
  • 2026 bereits 120 Millionen Franken durch Frankenaufwertung eingebüsst
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Martin SchmidtRedaktor Wirtschaft

308 Millionen Franken: So musste sich die Swatch-Gruppe allein im letzten Jahr wegen Währungseffekten «ans Bein streichen», wie Patron Nick Hayek (71) an der Bilanzmedienkonferenz am Mittwoch sagt. Unter dem Strich blieb dem Uhrenkonzern gerade mal ein Reingewinn von 25 Millionen Franken – das ist gegenüber dem Vorjahr ein Einbruch um fast 90 Prozent. 

Seit Monaten warnt Hayek vor den Folgen der laufenden, teilweise sprunghaften Aufwertung der Schweizer Landeswährung. Wirklich gehört fühlt er sich nicht. «Alle sind auf die US-Zölle fokussiert. Das wahre Problem ist der überbewertete Franken und nicht die Zölle. Er bedroht den Schweizer Industriestandort langfristig», sagt Hayek im Gespräch mit Blick.

Swatch-Zulieferer verlagern ins Ausland

Besonders stark leiden Firmen, die vorwiegend in der Schweiz produzieren, und den Grossteil ihrer Umsätze im Ausland erzielen. Genau das trifft auf die Swatch-Gruppe zu. «Im laufenden Jahr haben wir allein in den ersten zwei Monaten wieder über 120 Millionen Franken wegen Währungseffekten verloren», so Hayek. Dies, obwohl die Gruppe einige Preise nach oben angepasst habe. Er rechnet damit, dass sich der Franken im laufenden Jahr weiter aufwerten wird.

Die Schweizer Industrie durchlebt schwierige Zeiten und ist deshalb besonders anfällig für starke Frankenaufwertungen: Allein im letzten Jahr gingen knapp 7000 Industriejobs verloren. Produktionen werden ins Ausland verschoben. Das spürt die Swatch-Gruppe. «Wir haben viele Zulieferer aus der Maschinenindustrie, die nach Rumänien und Bulgarien verlagern», so Hayek.

Weil die Schweiz eine Exportnation ist, neigt der Franken grundsätzlich dazu, sich über die Zeit aufzuwerten. Geschieht dies langsam, können sich die Firmen jedoch darauf einstellen, in dem sie Produktivität steigern. Auf starke Kursanstiege innerhalb kurzer Zeit könne sich die Industrie unmöglich anpassen, so Hayek.

Swatch-Chef schiesst gegen SNB

Der Swatch Patron sieht die Schweizerische Nationalbank in der Pflicht. «Wenn SNB-Präsident Martin Schlegel hinsteht und sagt, der überbewertete Franken ist ein Problem, würde das bereits helfen», ist er überzeugt. «Aktuell habe ich aber das Gefühl, dass er mit Blick auf den US-Zolldeal schweigt.» Die USA haben der Schweiz bis Ende März Zeit gegeben, ein Zollabkommen auszuhandeln. US-Präsident Donald Trump (79) hat der Schweiz in der Vergangenheit mehrfach Währungsmanipulation vorgeworfen. 

Der Franken wertet gerade in Zeiten grosser globaler Unsicherheit meist deutlich auf. In diesem Jahr waren es die Spannungen im Nahen Osten, die Ende Februar im Iran-Krieg mündeten. Das Problem: Die Schweizer Währung ist bei Anlegern äusserst beliebt für Zinsdifferenzgeschäfte. Sobald grosse Unsicherheiten im Markt auftauchen, müssen die Anleger aber massenhaft Franken zurückkaufen. Diese schlagartige Nachfrage treibt den Kurs massiv nach oben. Verstärkt wird dieser Effekt zusätzlich durch die riesigen Volumen an Börsenwetten, die gerade in Krisenzeiten hochgehen. Die SNB kann hier mit Devisenmarktinterventionen dagegen halten.

«Die Nationalbank muss Stärke zeigen und Spekulanten abhalten», sagt Hayek. Sind die Industriejobs einmal weg, kommen sie kaum je zurück.

Die SNB mit Präsident Martin Schlegel (49) gibt an diesen Donnerstag eine aktuelle geldpolitische Lagebeurteilung ab. Analysten rechnen nicht mit einer Zinsanpassung. Schlegel wird dabei aber sicher auch die eine oder andere Frage zur Frankenstärke beantworten dürfen.

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