«SNB hat Unabhängigkeit geopfert»
Jetzt schiesst Swatch-Chef Nick Hayek auch gegen die Nationalbank

Uhrenboss Nick Hayek übt in einem Interview harte Kritik an der Schweizer Nationalbank. Der Vorwurf: Diese unternehme nichts gegen den «total überbewerteten» Franken. Sein Verdacht: Die SNB wolle den ausstehenden Zolldeal mit den USA nicht gefährden.
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Donald Trump hält die Schweiz mit seiner Zollpolitik auf Trab.
Foto: JIM LO SCALZO

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Nick Hayek kritisiert SNB und Politik für Untätigkeit beim starken Franken
  • Er wirft der Nationalbank vor, ihre Unabhängigkeit für Zolldeal geopfert zu haben
  • Swatch-Sonderuhr gegen USA aus September 2025 in 48 Stunden ausverkauft
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Michael HotzTeamlead Wirtschafts-Desk

Nick Hayek (71) ist ein Mann der deutlichen Worte. Diplomatie ist nicht sein Ding, wenn ihn etwas stört. So stieg der Swatch-Chef im Zollstreit mit Donald Trump (79) zu einem prominenten Verfechter eines härteren Kurses der Schweiz gegen die USA auf – was er den Bundesrat deutlich wissen liess. «Die bisherige diplomatische, defensive Strategie hat offensichtlich nicht funktioniert. Unsere Verhandler standen am Schluss wie Pfadfinder in kurzen Hosen da», sagte Hayek nach dem Zollhammer am 1. August zu Blick. Nun teilt der Wirtschaftsführer in einem Interview mit CH Media auch gegen die Schweizerische Nationalbank (SNB) aus. 

Dem Swatch-Patron macht der starke Franken zu schaffen, der aus seiner Sicht «total überbewertet» ist. Niemand rege sich über die starke Schweizer Währung auf, obwohl diese den hiesigen KMU stark zusetze. Angesprochen auf seine Erwartungen an die Politik und die SNB sagt Hayek: «Ich erwarte gar nichts, aber es sträubt mir die Haare, zu konstatieren, wie sprachlos und teilnahmslos die offizielle Schweiz und vor allem die SNB diese Situation hinzunehmen scheinen.»

Unter Philipp Hildebrand (62) und Thomas Jordan (63) habe die Nationalbank viel aktiver Massnahmen gegen den starken Franken ergriffen. Der jetzige SNB-Präsident Martin Schlegel (48) hingegen unternehme nichts. «Ich kenne ihn nicht. Ich höre nichts von ihm. Ich sehe nichts von ihm. Die Nationalbank scheint abgetaucht zu sein. Gibt es sie überhaupt noch?», so Hayek im Interview mit CH Media.

Tut die SNB nichts wegen des Zolldeals?

Der Verdacht des Swatch-Chefs: Die Nationalbank sei einen Deal eingegangen, um das noch ausstehende Zoll-Abkommen mit den USA bis Ende März nicht zu gefährden. «Die SNB ist zwar unabhängig von der Schweizer Politik, aber nicht vom Oval Office. Die Nationalbank hat die Unabhängigkeit geopfert – für den Zolldeal», so Hayek. Seine Vermutung stützt er auf eine nicht verbindliche Vereinbarung zwischen dem US- und Schweizer Finanzdepartement und der SNB, keine Währungsmanipulationen vorzunehmen.

Der Uhren-Patron spricht in diesem Zusammenhang von «vorauseilendem Gehorsam» seitens Politik und SNB. «Die offizielle Schweiz hat für alle sichtbar Angst und ist auf die US-Zölle fixiert. Die Währungsproblematik trifft die Schweiz aber längst stärker als die Zölle», so Hayek im Interview.

Swatch nutzt Zoll-Streit für Eigenwerbung

Swatch selbst nutzte diesen Fokus auf Trumps Zoll-Schläge gegen die Schweiz fürs eigene Marketing. Im September lancierte der Konzern eine Swatch-Sonderuhr exklusiv für den Schweizer Markt – versehen mit verschiedenen Spitzen in Richtung USA. Die Uhr kam gut an, sie war innert 48 Stunden ausverkauft. 

Und im Januar verhöhnte Swatch mit einer Werbung das WEF und Donald Trump. Die ganzseitige Anzeige, die in mehreren Schweizer Zeitungen – etwa im Blick – erschien, stellte Trumps Lebensmotto dem WEF-Slogan gegenüber. Der damalige Kommentar von Swatch dazu: «DADAvos.» Nach dem WEF, dem US-Präsidenten und dem Bundesrat hat Hayek mit der SNB nun ein weiteres Opfer gefunden, das er mit deutlichen Worten in den Senkel stellt.

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