Darum gehts
Der Frankenkurs bewegt sich zum Euro und Dollar nach wie vor nahe am Rekordhoch. Der langfristige Trend hält an: Der Franken wird immer stärker. Wer Franken in Dollar oder Euro wechselt, erhält im Gegenzug immer mehr von der Fremdwährung. Wie sind die Wechselkursprognosen fürs Jahr 2026? Und was bedeutet die Entwicklung für die Bevölkerung und die Schweizer Wirtschaft?
Aktuell steht der Euro bei 0.93 Franken. Praktisch alle Banken erwarten, dass der Franken gegenüber dem Euro in diesem Jahr erneut an Stärke zulegt. So geht die St. Galler Kantonalbank bis Ende Jahr von einem Eurokurs von 0.915 Franken aus. Die Raiffeisen rechnen mit einem Kurs von 0.91 Franken. Das wäre erneut eine Aufwertung von rund zwei Prozent. «Wir gehen wegen der bestehenden Inflations- und Zinsdifferenz von einer kontinuierlichen Aufwertung des Frankens aus», sagt Matthias Geissbühler (50), Anlagechef der Raiffeisen. Ein weiterer Grund: «Der Franken gilt als sicherster Hafen und lockt ausländisches Kapital an.»
Der Dollar ist im letzten Jahr regelrecht eingebrochen. Gegenüber dem Franken büsste er gut 12 Prozent ein. «In diesem Jahr rechnen wir damit, dass der Dollar von aktuell 80 Rappen auf 78 Rappen geht», so Geissbühler. Bei der St. Galler Kantonalbank geht man bis Ende 2026 von einem noch tieferen Dollarkurs von 0.765 Franken aus.
Viele Schweizerinnen und Schweizer verbringen gerne Ferien im Ausland oder kaufen in Grenznähe in Deutschland, Frankreich oder Italien ein. «Ein starker Franken macht die Ferien oder Einkäufe günstiger. Für die Konsumenten ist er also grundsätzlich positiv», sagt Geissbühler.
Wertet der Franken auf, kann sich das auch im Inland auswirken: Die Teuerung im Ausland liegt deutlich über jener der Schweiz. Importieren Schweizer Händler und Unternehmen Produkte und Güter, werden diese für die Schweizer Bevölkerung dank der kontinuierlichen Frankenaufwertung nicht teurer. «Der starke Franken wirkt hier wie ein Inflationsschutz», erklärt Geissbühler. Dieser Mechanismus hilft auch der Schweizerischen Nationalbank dabei, die Inflationsrate tief zu halten.
Wertet der Franken stark auf, wächst der Druck auf die Nationalbank, am Devisenmarkt zu intervenieren oder den Leitzins zu senken und so die Wirtschaft zu stützen. Aktuell steht der Leitzins bei 0 Prozent. Von einer weiteren Senkung würden gerade Immobilienbesitzer profitieren, die eine Saron-Hypothek haben. «Bei den aktuellen Wechselkurs- und Inflationsprognosen rechnen wir in diesem Jahr nicht mit einer weiteren Zinsanpassung», so Geissbühler.
Der Schweizer Exportindustrie macht der starke Franken hingegen das Leben schwer. «Dadurch reduziert sich natürlich die Wettbewerbsfähigkeit», so Geissbühler. Die Unternehmen stehen laufend unter Druck, ihre Produktivität zu steigern und innovativ zu sein. «Für Firmen ist das wie ein permanentes Fitnessprogramm. Das ist einer der Gründe, warum die Schweiz nach wie vor einen starken und wettbewerbsfähigen Industriestandort mit Topprodukten hat.»