SNB-Chef Schlegel erklärt Zinsentscheid
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«Bereitschaft ist erhöht»:SNB-Chef Schlegel erklärt Zinsentscheid

Der SNB-Präsident erklärt seinen Entscheid
«Die Inflation dürfte stärker zunehmen»

SNB-Präsident Martin Schlegel rüttelt nicht am Leitzins. In der Schweiz herrschen somit weiterhin Nullzinsen – trotz des starken Franken und explodierenden Ölpreisen. Ab 10 Uhr erklärt SNB-Präsident Martin Schlegel den Entscheid. Blick berichtet live.
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Heute Donnerstag gibt die SNB bekannt, dass sie den Leitzins nicht verändert.
Foto: KEYSTONE/Peter Klaunzer
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Nathalie BennRedaktorin Wirtschaft
vor 37 Minuten

Iran-Krieg dominiert Entscheid der SNB

  • Die Überraschung bleibt aus: Die SNB verändert bei ihrer ersten Lagebeurteilung 2026 den Leitzins nicht. Somit herrschen in der Schweiz wie erwartet weiterhin Nullzinsen.
  • Bereits beim letzten Entscheid im Dezember 2025 hatte die Nationalbank eine Zinspause eingelegt.
  • Die SNB hält sich bereit, die Folgen des Iran-Kriegs abzufedern. «Angesichts des Konflikts im Nahen Osten ist unsere Bereitschaft, am Devisenmarkt zu intervenieren, erhöht», erklärt SNB-Präsident Martin Schlegel. Denn der Aufwertungsdruck auf den Schweizer Franken hat zugenommen.
  • Die SNB korrigiert die Inflationsprognose nach oben. Für das Gesamtjahr 2026 geht die Nationalbank von einer Teuerung von 0,5 Prozent aus – für 2027 ebenfalls. Im Jahr darauf steig die Inflation im Schnitt auf 0,6 Prozent, so die Prognose.
  • Mögliche Negativzinsen bleiben ein Thema – und werden wahrscheinlicher. Zwar lässt sich Schlegel diesbezüglich weiterhin nicht in die Karten blicken. Er betont jedoch: «Wenn es notwenig ist, sind wir jederzeit bereit, Negativzinsen einzuführen.»
  • Die Weltwirtschaft ist wegen des Iran-Kriegs grossen Unsicherheiten ausgesetzt. «Die Situation im Nahen Osten könnte die globale Wirtschaftsaktivität bremsen und den Aufwertungsdruck auf den Franken erhöhen», sagte Petra Tschudin, Mitglied des SNB-Direktoriums. In der kürzeren Frist dürfte das Wirtschaftswachstum in der Schweiz deshalb eher verhalten ausfallen, mittelfristig sei aber eine gewisse Belebung zu erwarten. Konkret rechnet die Nationalbank für das Gesamtjahr 2026 mit einem Wachstum von rund 1 Prozent, gefolgt von rund 1,5 Prozent im Jahr 2027.

vor 41 Minuten

Medienkonferenz ist beendet

Als alle Fragen durch sind, nutzt Martin Schlegel die Gelegenheit, um kurz auf die nächste SNB-Sitzung im Juni zu sprechen zu kommen. «Wenn alles gut geht, sehen wir uns das nächste Mal in Bern, im frisch renovierten Kaiserhaus.» Normalerweise finden die Medienkonferenzen im SNB-Sitz in Zürich statt. 

vor 44 Minuten

Hat die SNB dieses Jahr schon bei den Devisenmärkte interveniert?

Die Frage, zu der die SNB bekanntlich vor der entsprechenden Publikation keine Auskunft gibt, gibt Schlegel elegant an sein Ratsgspöndli Tschudin weiter. «Die Daten dazu werden Ende Juni publiziert. Vorher sagen wir nichts dazu», schmettert diese die Frage des Journalisten ab. «Aber danke, dass sie es probiert haben.»

vor 46 Minuten

Auch Schweizer fragen stärker Franken nach

Blick-Redaktor Martin Schmidt fragt erneut zur derzeitigen Frankenstärke nach. Dazu ordnet Schlegel ein: «Aus der Geschichte wissen wir: Die Korrelation des Frankens mit anderen typischerweise als sichere Häfen geltenden Währungen ist sehr eng.» Wenn beispielsweise viele ebenfalls als sehr sicher bewertete US-Staatanleihen gekauft werden, gewinnt normalerweise auch der Franken an Wert. Was man dieses Mal beobachte: «Ein grosser Teil der Franken-Nachfrage hängt mit den Inländern zusammen», sagt Schlegel. Somit flüchten zurzeit nicht nur ausländische Anleger in den Franken, sondern auch viele Schweizer. 

vor 54 Minuten

Gibt es dieses Jahr mehr Interventionen als letztes Jahr?

Bei Zukunftsprognosen hält sich Schlegel bekanntlich zurück. Auch jetzt antwortet er: «Darüber möchte ich nicht spekulieren.» Wie viele Interventionen der SNB am Devisenmarkt notwendig sein werden, werde sich erst im weiteren Verlauf dieses Jahres zeigen.

Die SNB betonte heute mehrmals: Wegen der derzeitigen Lage ist ihre Bereitschaft zur Intervention jetzt erhöht. Und was braucht es, dass diese Bereitschaft wieder auf ein normales Niveau zurück geht, will ein weiterer Journalist wissen. Auch hier hält sich Schlegel kurz: «Das wird sich ebenfalls in Zukunft zeigen.» 

vor 57 Minuten

Unterstützt die SNB die Schweizer Exportwirtschaft zu wenig?

Mit dem Entscheid, den Leitzins auf null Prozent zu belassen, riskiert die SNB stärkere wirtschaftliche Schäden für die hiesige Exportwirtschaft. Diese leidet besonders unter dem starken Franken. «Wir haben einen gesamtschweizerischen Anspruch, unser Mandat zu erfüllen», erklärt Schlegel dazu. Und weiter: «Wir sind unabhängig, nicht nur vom Bund und den Kantonen, sondern auch von anderen Stellen.» Damit dürfte er auf die exportorientierten Unternehmen anspielen, die wohl keine Freude am jüngsten SNB-Entscheid haben. 

10:21 Uhr

Abweichung vom Basisszenario?

Bei jeder Lagebeurteilung formuliert die SNB ein angepasstes Basisszenario. Das ist aus Sicht der Nationalbank der wahrscheinlichste Verlauf der Wirtschaftsentwicklung. Dazu sagt Schlegel: «Im Moment ist die Unsicherheit stark erhöht. Auch, weil vieles davon abhängt, wie schnell sich die Energiepreise wieder normalisieren.» Zurzeit geht die SNB davon aus, dass der Anstieg der Energiepreise die Inflation in vielen Ländern erhöht. Das aber nur kurzfristig. Zieht sich der Konflikt im Nahen Osten länger als erwartet, müsse auch das Basisszenario neu beurteilt werden. 

Auch kommt Schlegel auf den Vorwurf der USA zu sprechen, die SNB manipuliere mit ihren Interventionen den Devisenmarkt. Dazu hält er sich kurz und klar: «Wir haben nicht den Stempel als Währungsmanipulatorin.»

10:15 Uhr

Jetzt stellen die Journalisten ihre Fragen

Nun sind bereits die anwesenden Journalisten mit ihren Fragen dran. Das zentrale Thema: der Krieg im Iran. 

Ein Medienschaffender möchte wissen: «Wie stark ist der Druck auf den Franken im historischen Vergleich?» Seit Jahrzehnten habe der Schweizer Franken den Ruf als «safe haven», antwortet Schlegel. Diesen historisch zu vergleichen, sei schwierig. Schlegel bleibt aber wie gewohnt ruhig: Die Bewegungen in den letzten Wochen seien typisch für eine Zeit starker politischer Unsicherheit, so der SNB-Präsident.

Weiter will der Journalist wissen: «Ist die Wahrscheinlichkeit von Negativzinsen nun erhöht?» Das ist sie, bestätigt Schlegel. «Wenn es notwenig ist, sind wir jederzeit bereit, auch dieses Instrument wieder einzusetzen, um unser Mandat zu erfüllen», so der SNB-Präsident.

10:11 Uhr

Schlegel zum starken Franken

Der Schweizer Franken gilt als Fluchtwährung. In geopolitisch unsicheren Zeiten flüchten Anleger in unsere Währung, die als sicherer Hafen gilt. Dazu erklärt Schlegel: «Der Franken hat sich seit unserer Lagebeurteilung im Dezember aufgewertet. Mit der Eskalation im Nahen Osten hat der Aufwertungsdruck nochmals zugenommen.»

Mit der Aufwertung des Frankens seien die monetären Bedingungen im Vergleich zur Lagebeurteilung im Dezember straffer geworden, so Schlegel. «Die Unsicherheit bezüglich der Inflations- und Wirtschaftsentwicklung ist zurzeit deutlich erhöht. Wir werden die Lage daher weiter genau beobachten und die Geldpolitik wenn nötig anpassen, um die monetären Bedingungen angemessen zu gestalten.» Eine rasche und übermässige Aufwertung des Frankens stelle ein Risiko für die Preisstabilität dar, warnt der SNB-Präsident. «Um diesem Risiko entgegenzutreten, ist unsere Bereitschaft, am Devisenmarkt zu intervenieren, erhöht.»

10:07 Uhr

Petra Tschudin zur Wirtschaft im Inland

Nun spricht Petra Tschudin – wieder auf Deutsch: «In der Schweiz wuchs das Bruttoinlandprodukt (BIP) im vierten Quartal wieder, nachdem es im Vorquartal zurückgegangen war.» Grund dafür sei, dass die Wertschöpfung in der pharmazeutischen Industrie nach dem deutlichen Rückgang im dritten Quartal wieder anstieg. 

Auch Tschudin kommt auf den Krieg zwischen dem Iran und Israel und den USA zu sprechen: «Das Hauptrisiko für die Wirtschaftsaussichten in der Schweiz ist die Entwicklung der Weltwirtschaft. Insbesondere könnte die Situation im Nahen Osten die globale Wirtschaftsaktivität bremsen und den Aufwertungsdruck auf den Franken erhöhen.» Für die kommenden Monate seien die Wirtschaftsaussichten für die Schweiz unsicher. In der kürzeren Frist könnte das Wachstum eher verhalten ausfallen, mittelfristig sei eine gewisse Belebung zu erwarten. Für das Gesamtjahr 2026 geht die SNB aktuell von einem Wachstum von rund 1 Prozent aus, gefolgt von rund 1,5 Prozent im Jahr 2027.

10:05 Uhr

Jetzt übernimmt SNB-Vize Antoine Martin

Schlegel übergibt das Wort nun seinem Vize Martin. Dieser erläutert die internationalen Wirtschaftsaussichten. «Die Weltwirtschaft wuchs im vierten Quartal solide», startet Martin seine Einschätzung. Dies, trotz der US-Zölle und der handelspolitischen Unsicherheit. «Der globale Warenhandel und die Investitionen nahmen weiter zu», sagt Martin weiter. Zu Verdanken ist das laut dem SNB-Vizepräsidenten insbesondere den hohen Ausgaben im Bereich KI. 

Aber: «Die Unsicherheit bezüglich des Wirtschaftsausblicks hat mit dem Konflikt im Nahen Osten deutlich zugenommen», warnt Martin. «In unserem Basisszenario gehen wir davon aus, dass der Anstieg der Energiepreise die Inflation in vielen Ländern kurzfristig erhöht.» Zudem dürfte sich das Wachstum der Weltwirtschaft vorübergehend etwas verlangsamen. Auch spricht Martin mögliche Lieferkettenprobleme und die gestiegene Unsicherheit an, die auf das Wirtschaftswachstum drücken könnten. 

Beim ersten Zinsentscheid der Schweizerischen Nationalbank (SNB) in diesem Jahr bleibt die grosse Überraschung aus: SNB-Präsident Martin Schlegel (49) und sein Bankrat lassen den Leitzins unverändert – und verzichten auf die Einführung von Negativzinsen. Somit herrschen in der Schweiz weiterhin Nullzinsen.

Der Entscheid wurde von einem Grossteil der Analysten so erwartet. Doch die derzeitige Weltlage und ihre Folgen für die Wirtschaft stellten Schlegel dieses Mal vor besondere Herausforderungen. Während die Aktienmärkte einbrechen, schiessen die Ölpreise immer weiter in die Höhe. Der Schweizer Franken ist zudem als Fluchtwährung gesucht, Anleger nutzen ihn als sicheren Hafen, was den Wert gegenüber anderen Währungen steigert. Momentan kostet ein Euro noch rund 90 Rappen. 

Wieso schraubt Schlegel nicht an den Zinsen? Um 10 Uhr erklärt er den Entscheid an einer Medienkonferenz. Blick berichtet live im Stream und im Ticker.

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