Blöcke werden abgerissen
Zürich Versicherung stellt 200 Mieter auf die Strasse

In Zürich-Witikon verlieren bis zu 200 Menschen ihr Zuhause: Die Siedlungen Wiesliacher und Stodolastrasse werden abgerissen. Betroffene bangen um bezahlbaren Wohnraum und ihre Zukunft.
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In der Wiesliacher-Siedlung in Zürich-Witikon flatterte Ende Juni unerfreuliche Post in die Briefkästen — Leerkündigung. Bis Ende Mai 2028 müssen alle Parteien weg sein.
Foto: Google Street View

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • In Zürich-Witikon verlieren 200 Menschen durch Massenkündigungen ihre Wohnungen
  • Neubauten verdoppeln Wohnungsanzahl auf 196
  • Miete für 2.5-Zimmer-Wohnung bisher 1300 Franken, neue Preise unklar
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Bernadette HoggRedaktorin Wirtschaft

In Zürich-Witikon rollt eine neue Massenkündigungswelle an – schon wieder! Familien, Seniorinnen und Senioren, die teilweise seit Jahrzehnten in den Siedlungen Wiesliacher und Stodolastrasse leben, stehen plötzlich vor dem Nichts, wie das Zürcher Onlineportal Tsüri berichtet. Ende Juni lag die unerfreuliche Post in den Briefkästen der Bewohnerinnen und Bewohner: Bis zu 200 Menschen verlieren ihr Zuhause. Erneut verschwindet bezahlbarer Wohnraum.

In der Wiesliacher-Siedlung sind es 60 Mietparteien, die aus den Hausnummern 81 bis 97 spätestens bis Ende Mai 2028 ausziehen müssen. Die Siedlung stammt aus dem Jahr 1981. Laut Tsüri begründet die Verwaltung Apleona die Leerkündigung damit, dass die Liegenschaften veraltet und unökologisch seien. In der Stodolastrasse sind es 32 Mietparteien, die hinausgeworfen werden. Viele Bewohnerinnen und Bewohner wohnen schon lange in der 60er-Jahre-Siedlung. Die Verzweiflung ist gross.

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Die Siedlungen gehören der Zürich Versicherung, sie will die beiden Siedlungen abreissen und einen Ersatzneubau errichten. Damit will sie die Wohnungsanzahl mehr als verdoppeln: Sie wird von 92 auf rund 196 Wohnungen aufgestockt. Bisher hat eine 2,5-Zimmer-Wohnung in der Wiesliacher-Siedlung rund 1300 Franken im Monat gekostet, weit unter dem jetzigen Durchschnittspreis im Quartier. Was wird in den Neubauten wohl die Miete betragen?

Das verrät die Zürich Versicherung nicht. Betont gegenüber Blick aber, dass man die Mieter so informiert habe, dass sie «die Möglichkeit haben, innerhalb von mindestens 21 Monaten eine neue Wohnung zu suchen». Man unterstütze sie bei der Suche nach einer passenden neuen Wohnung. «Die Immobilien an der Stodolastrasse sowie im Wiesliacher sind über 60, respektive 40 Jahre alt», betont ein Sprecher.

Unter anderem genügten die Ausgestaltung der Gebäudehüllen, Dächer und Fenster nicht mehr heutigen energetischen Anforderungen. Zudem werde bewusst verdichtet. «Die Anzahl der Wohnungen wird sich von 92 auf 197 mehr als verdoppeln, die Wohnfläche wächst von rund 9600 auf rund 15’200 Quadratmeter», sagt der Sprecher zu Blick. «Mit dieser Verdichtung leisten wir einen wesentlichen Beitrag zur besseren Nutzung des bestehenden Standorts sowie zur Schaffung von zusätzlichem Wohnraum.»

Nicht die einzige Leerkündigung

In Witikon kommt es derzeit öfter zu Leerkündigungen. Ende Januar bekamen die Bewohnerinnen und Bewohnern der Siedlung an der Carl-Spitteler-Strasse die Kündigung. Es geht um 59 Wohnungen, eine Kita und ein Malergeschäft. Rund 100 Menschen verlieren ihr Zuhause. Eigentümer der Liegenschaft ist ein Immobilienfonds der UBS. Er schrieb den Bewohnerinnen und Bewohnern, dass die Gebäude das Ende ihres Lebenszyklus erreicht hätten. Der Fonds legt ein Neubauprojekt an, die Zahl der Wohnungen soll dort von 59 auf rund 130 steigen.

Und noch eine Siedlung in Quartier hoch über der Stadt ist betroffen: In der Buchholzstrasse müssen die Bewohnerinnen und Bewohner ihre Wohnungen schon Ende März 2027 verlassen. Davon erfahren haben sie im November 2025. Hinter der Totalsanierung steht die Zuger Fundamenta Group Investment Foundation, die auch für weitere Leerkündigungen verantwortlich ist. Mehrere Betroffene haben die Kündigung angefochten, unterstützt vom Mieterinnen- und Mieterverband Zürich.

Dass sich die Lage aber gerade in einem Zürcher Stadtquartier zuspitzt, liegt an einem grossen Problem. Denn in Zürich-Witikon ist die Lage noch verzwickter: Viele Gebäude entstanden zur selben Zeit in den 1950er-Jahren und sind nun gleichzeitig sanierungsbedürftig. Das ist ein grosses Problem für das Quartier, wie der Präsident des Quartiervereins Witikon im März dem SonntagsBlick sagte: «Werden 100 Wohnungen gleichzeitig gekündigt, kann das Quartier das unmöglich auffangen.»

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