«20 Mieter sind noch immer nicht raus»
Dieses Hochhaus in Bern-Bümpliz wird am Dienstag geräumt

Ein 20-stöckiges Hochhaus in Bern-Bümpliz muss saniert werden. 144 Mietparteien erhielten vor einem Jahr die Leerkündigung. Bis Dienstag muss das Hochhaus leer geräumt sein. Ein Augenschein vor Ort zeigt: Wenige Tage vor dem Stichtag sind noch immer 20 Wohnungen voll.
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Dieses 20-stöckige Hochhaus in Bern-Bümpliz muss saniert werden. Bis 30. Juni müssen alle Anwohner draussen sein.
Foto: Dorothea Vollenweider

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Hochhaus in Bern-Bümpliz muss bis 30. Juni leer geräumt sein
  • Von den 144 Wohnungen sind wenige Tage vor Auszugstermin noch 20 bewohnt
  • Bauarbeiten sollen bereits am Mittwoch beginnen
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Dorothea VollenweiderRedaktorin Wirtschaft

Vor einem Jahr kam die Schocknachricht ins Haus geflattert: Insgesamt 144 Wohnparteien in Bern-Bümpliz erhielten damals die Leerkündigung. Am 30. Juni 2026 – also diesen Dienstag – müssen alle Mieterinnen und Mieter die Liegenschaft geräumt haben. Kurz bevor die Bagger beim 20-stöckigen Hochhaus in Bern-Bümpliz anrollen, nimmt Blick einen Augenschein vor Ort. 

Dass das Hochhaus seine besten Jahre hinter sich hat, ist schon von weitem sichtbar. Die für die 70er-Jahre typischen, orange Sonnenstoren hängen zum Teil in Fetzen vom Balkondach. Die Eingangshalle des Wohnturms hat etwas Gespenstisches: Die meisten der 144 Briefkästen, die sich dort aneinanderreihen, wurden mit dickem Klebeband zugeklebt. Sie haben ausgedient. Ein Geisterhaus – mitten im belebten Bümplizer Quartier.

«Man kennt sich hier»

Doch ganz ausgestorben ist der Wohnblock doch nicht. «Aktuell leben noch etwa 20 Mietparteien hier», sagt Jakob Freiburghaus (63) zu Blick. Seit 14 Jahren sorgt er als Hausmeister für Ordnung. Er grüsst jeden, der kommt und geht. «Man kennt sich hier», sagt Freiburghaus. 

Der Hausmeister weiss genau, welche Wohnungen noch bewohnt sind. «Die einen reizen es bis zum letzten Tag aus», vermutet Freiburghaus. Auch die Verwaltung ist an diesem Tag vor Ort. Um letzte Wohnungen abzunehmen. Werden bis Dienstag alle Mieterinnen und Mieter draussen sein? Der Hausmeister zögert kurz und sagt: «Wir hoffen es – aber sicher kann man nie sein.»

Die letzten Verbliebenen

Dilges Ürper (19) gehört zu den letzten Verbliebenen. Noch wohnt er in einem 1,5-Zimmer-Studio im dritten Stock. Die Miete beträgt 950 Franken. Heute wird er den Schlüssel zur Wohnung übergeben. Ürper zieht ungern weg. «Die Umgebung war schön hier und die ÖV-Verbindungen super», sagt er. Weil er bald eine neue Stelle in Biel BE antritt, wird er jetzt dorthin zügeln. 

Auch Andrea Salvatore Carroccia (35) genoss das Leben in der heutigen Lotterliegenschaft. Zehn Jahre wohnte er im zwölften Stock des Hochhauses, in einer 1-Zimmer-Wohnung für 750 Franken pro Monat. Etwas Neues in dieser Preislage zu finden, war schwierig, so der 35-Jährige. «Doch die Verwaltung hat mich dabei unterstützt.» 

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Im Juni 2025 erhielten alle 144 Wohnparteien in diesem Hochhaus in Bern-Bümpliz die Leerkündigung.
Foto: Nathalie Benn

Seine neue Wohnung, die er in den kommenden Tagen beziehen wird, ist ganz in der Nähe und hat ein Zimmer mehr. «Ich gehe nur zwei Strassen weiter», so Salvatore Carroccia. Er freut sich darauf, ist aber auch traurig, hier wegzugehen. «Ich hatte ein gutes Verhältnis mit den anderen Anwohnern im zwölften Stock.»

Wohnblock hat Lebensdauer erreicht

Das Hochhaus gehört der Baugenossenschaft Brünnen-Eichholz. «Nach 52 Jahren Betrieb hat das Hochhaus das Ende der Lebensdauer erreicht», hiess es im Kündigungsschreiben vor einem Jahr. Viele der Mängel sind offensichtlich. Der Innenausbau ist nicht mehr zeitgemäss. Die Wohnungen sind schlecht isoliert, die Wände dünn. Und trotzdem: Der Wohnblock bot den Anwohnern bis zuletzt etwas, was sie andernorts kaum mehr finden: Wohnraum für wenig Geld!

«Der Schock bei den Betroffenen ist gross»
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Blick-Reporterin in Bümpliz:«Der Schock bei den Betroffenen ist gross»

Ist das Hochhaus erst mal leer geräumt, soll es schnell gehen: Am 1. Juli, also einen Tag nach dem Auszugstermin, sollen die Bauarbeiten beginnen. Verantwortlich für die Totalsanierung ist das Unternehmen Dr. Meyer Immobilien. Was passiert mit den Mieterinnen und Mietern, die bis Dienstag nicht draussen sind? Darauf wollen die Verantwortlichen auf Anfrage von Blick nicht eingehen. Viel Geduld dürfte man für die Zurückgebliebenen aber nicht aufbringen, darauf weist der straffe Bauplan hin. 

Für Hausmeister Freiburghaus geht am Dienstag eine Ära zu Ende. Er wird bald in einem neuen Wohnblock für Recht und Ordnung sorgen. «Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge», sagt der 63-Jährige. Eine Rückkehr ins sanierte Hochhaus kommt für ihn nicht infrage. Der Wohnturm soll voraussichtlich ab Frühling 2028 wieder bewohnbar sein. Bis dahin ist Freiburghaus pensioniert.

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