Darum gehts
- Tankstellenbetreiber Michael Knobel im Preiskampf mit Coop um günstiges Benzin
- Coop unterbietet Etzelpark-Preise regional um bis zu 3 Rappen
- Knobel: Schweizer zahlen monatlich 100 Millionen Franken zu viel für Benzin
Der unabhängige Tankstellenbetreiber Michael Knobel (46) und der Detailhandelsriese Coop liefern sich ein erbittertes Duell. Lange galt: Wo Knobel mit seinen Etzelpark-Zapfsäulen ist, gibts günstiges Benzin. Ein Image, das dem Unternehmer Kundschaft und Aufmerksamkeit brachte.
Knobel kokettiert mit dem Image eines Benzin-Rebellen und wirft grossen Unternehmen Abzocke vor. Schweizer Autofahrer müssten pro Monat rund 100 Millionen Franken zu viel zahlen, kritisiert Knobel. «Die Behörƒden schauen dem zu und finden das normal.» Auch auf Social Media kritisiert Knobel «gierige Preise» und dass Autofahrer «verarscht» würden.
Plötzlich ist Coop drei Rappen günstiger
Bislang ging Knobels Strategie auf. Seine Etzelpark-Tankstellen waren billiger als die Konkurrenz – und sorgten dafür, dass diese mit den Preisen nach unten ging. Nur sechs Stunden nach der Eröffnung seiner Tankstelle in Bellinzona TI sanken die Preise anderer Tankstellen zum Teil um 19 Rappen.
Doch damit könnte jetzt Schluss sein. In Füllinsdorf BL und Dintikon AG hat Coop offenbar seine Strategie geändert – und unterbietet plötzlich die Konkurrenz. Blick war vor Ort und stellte fest: Am Samstag verlangte Coop in Füllinsdorf für Bleifrei 98 genau 1.97 Franken pro Liter – drei Rappen weniger als Etzelpark. Bereits am Freitag in Dintikon dasselbe Bild: Coop lag bei 1.99 Franken, Etzelpark bei 2.02 Franken. Dem Vernehmen nach gehts in der Nähe von anderen Etzelpark-Standorten ähnlich zu und her.
«Klassischer Verdrängungswettbewerb!»
Ein Zufall? Für Knobel nicht. «Die Konkurrenz will Etzelpark fertig machen», ist er überzeugt. Jahrelang habe er mit tiefen Preisen Druck auf die Grossen ausgeübt – jetzt werde zurückgeschlagen. Laut Knobel bleiben an anderen Standorten die Preise unverändert höher. «Der Verdacht liegt nahe, dass die Preise gesenkt werden, wo ich präsent bin», sagt Knobel. «Das ist ein klassischer Verdrängungswettbewerb!»
Coop weist die Vorwürfe zurück. Die Coop-Tankstellen agierten «unabhängig von einzelnen Mitbewerbern», heisst es. Zugleich räumt Coop ein: Die Preisgestaltung basiere auf «regionalen Marktgegebenheiten». Warum die Preise ausgerechnet in Dintikon und Füllinsdorf sinken, nicht aber anderswo, will Coop nicht beantworten: «Über unsere Preisstrategie geben wir keine Auskunft.»
Plötzlich gabs einen Brief vom Anwalt
Im März hatte Coop versucht, Knobel rechtlich einzuschüchtern. Ein Coop-Jurist kritisierte Knobels «Kommunikation in den sozialen Medien» und warf ihm «wiederholt pauschale Aussagen» vor, in denen gegenüber Coop Pronto «negative Behauptungen aufgestellt werden». Blick hatte damals die Korrespondenz öffentlich gemacht. «Seitdem herrscht Ruhe», sagt Knobel. Coop wollte dies nicht kommentieren.
Für Knobel steht fest: Der Konkurrenz geht es nicht um Marktmechanismen, sondern um Macht und Verdrängung. Wann kann ein kleiner Anbieter dem Druck eines Giganten standhalten? Knobel bleibt rebellisch: «Ich gebe nicht auf!»
Benzin-Rebell zieht nach Dubai
Privat läuft es für Knobel bestens: Er zieht im August von Rumänien nach Dubai. In den Emiraten hatte er bereits Jahre zuvor gelebt. «Ich wollte, dass unsere Tochter ein paar Jahre in Europa aufwächst. Nun freuen wir uns auf die Golf-Region!»