Preise machen Tessiner Politiker sauer – es droht ein Nachspiel
Benzin ist plötzlich 19 Rappen billiger – wurden wir abgezockt?

Nach dem spektakulären Preisrutsch an Tessiner Zapfsäulen wird der Fall politisch: Lega-Politiker fordern Antworten. Sie nähren den Verdacht, dass Autofahrer jahrelang zu viel bezahlt haben. Die Wettbewerbshüter bremsen.
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Die Tankstelle von Etzelpark in Bellinzona. Es handelt sich um eine sogenannte Automatentankstelle.
Foto: Zvg

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Neue Billigtankstelle in Bellinzona senkt Treibstoffpreise um bis zu 19 Rappen
  • Lega-Politiker fordert Untersuchung zu «ungerechtfertigt hohen Treibstoffpreisen» im Tessin
  • Weko sieht keinen Eingriffsbedarf, Preisüberwacher vermutet jedoch Sparpotenzial
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Sven AltermattCo-Ressortleiter Politik

Aufregung in der Tessiner Tankstellen-Welt! «Eröffnung von Billigtankstelle sorgt für Preisrutsch», titelte Blick kürzlich. Der Eintritt von Etzelpark brachte den Markt im Südkanton ziemlich durcheinander, die Zapfsäulenpreise purzelten nur so. «Sechs Stunden nach unserer Eröffnung hat der erste Konkurrent bereits die Preise um 19 Rappen gesenkt», berichtete Etzelpark-Betreiber Michael Knobel (45) Anfang Juli.

Die Tankstelle des Discountanbieters befindet sich in Bellinzona. Inzwischen sind die Preise zwar teilweise wieder leicht gestiegen, liegen aber vielerorts weiterhin unter dem Niveau vor der Etzelpark-Eröffnung. Der Fall hat jetzt sogar ein politisches Nachspiel – und Bundesbern erreicht.

«Ungerechtfertigt hohe Treibstoffpreise»?

Der Tessiner Lega-Parlamentarier Mauro Minotti (63) legt nach dem Preisrutsch einen Vorstoss vor. Er will vom Regierungsrat unter anderem wissen, ob «die Konsumenten jahrelang ungerechtfertigt hohe Treibstoffpreise bezahlt haben». Für den Kantonsrat ist klar: Die Bürger hätten ein Recht zu erfahren, weshalb sie bisher deutlich mehr bezahlen mussten und ob die Margen zu hoch gewesen seien. Neun weitere Parlamentarier haben Minottis Vorstoss mitunterzeichnet. Darüber berichtete zuerst das Tessiner Online-Portal tio.ch.

Minotti bringt sogar das schwere Geschütz ins Spiel: Er fragt, ob nicht die Wettbewerbskommission (Weko) eingeschaltet werden müsste. Gibt es Anlass für kartellrechtliche Zweifel? 

Der «Corriere del Ticino» hat dazu nun eine Recherche vorgelegt. Die Weko sieht derzeit keinen Grund zum Eingreifen. Gegenüber der Zeitung bezeichnet sie den Preisrutsch als normale Folge des verschärften Wettbewerbs. Sie betont, dass gleichzeitige Preissenkungen der Konkurrenz allein kein Hinweis auf unzulässige Absprachen seien.

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Etwas anders tönt es beim Preisüberwacher. Die Behörde von Stefan Meierhans (57) sieht im Tessiner Fall einen Hinweis darauf, dass im Tessiner Markt Spielraum für tiefere Treibstoffpreise bestanden haben könnte. Der Tessiner Tankstellenverband hielt bereits dagegen: Der starke Preisabschlag sei vor allem die Folge einer «aggressiven Markteintrittsstrategie» und langfristig kaum wirtschaftlich tragbar.

Wie der Wettbewerb spielt

Dass der Wettbewerb den Preis für Treibstoff relativ stark beeinflussen kann, zeigte sich schon früher in der Schweiz. So etwa am Jurasüdfuss: Das «Grenchner Tagblatt» zeigte 2022 auf, dass Autofahrer in Grenchen SO für Treibstoff teils deutlich mehr bezahlen mussten als nur wenige Kilometer entfernt in Solothurn.

Der damalige Grenchner Stadtpräsident sprach von «Abzockerei». Tankstellen-Anbieter verwiesen hingegen auf die lokale Wettbewerbssituation. Solothurn sei ein sogenanntes Tiefpreisgebiet, in dem der Konkurrenzkampf die Preise besonders stark drücke.

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