Darum gehts
- Das Restaurant Mühle in Oberengstfelden AG ist zahlungsunfähig
- Hohe Kosten und Pandemie-Nachwirkungen überforderten das Wirte-Ehepaar Nikolli
- Die Familie will weiterhin in der Gastronomie tätig bleiben
Die Schweizer Gastronomie steckt in der Krise. Landauf, landab machen Restaurantbetriebe im Wochentakt dicht. Von der Quartierbeiz bis zum Edellokal – viele kämpfen dieser Tage ums Überleben. Und eine grosse Zahl davon scheitert. 2025 mussten alleine in den ersten 9 Monaten 900 Lokale schliessen.
Das Restaurantsterben geht auch dieses Jahr weiter. Jetzt gibt das Zürcher Wirtepaar des Restaurants Mühle in Oberentfelden AG auf, wie die «Aargauer Zeitung» berichtet. Alkest und Gattin Kristine Nikolli hatten das traditionsreiche Lokal im Mai 2024 übernommen. Der Plan: hungrige Gäste weiterhin mit gehobener Küche beglücken. So, wie es die Gastgeber und Hauseigentümer Barbara und Hansueli Zuber 33 Jahre lang erfolgreich vor ihnen getan hatten. Die Mühle hatte damals 13-GaultMillau-Punkte.
Wirtsfamilie hat sich übernommen
Bereits 20 Monate nach der Übernahme sind im edlen Restaurant die Lichter aus, das Restaurant ist geschlossen. Und über dem Betrieb wurde der Konkurs eröffnet. Heisst: Finanzielle Probleme sorgten für das Aus des früheren Gourmettempels. Eine Mischung aus den Nachwehen der Pandemie und hohen Energie-, Personal- und Lebensmittelkosten hätte ihnen schliesslich das Genick gebrochen, sagt Alkest Nikolli gegenüber der «Aargauer Zeitung». Sie hätten alles gegeben – aber es habe nicht gereicht.
Die vierköpfige Familie will der Aargauer Gastronomie aber treu bleiben. Und bald ein neues, kleineres Lokal eröffnen. Wie es in der Mühle weitergeht, ist noch unklar.
Bei vielen geht die Rechnung nicht mehr auf
Das Beispiel der Aargauer Edel-Beiz zeigt: Auch gehobene Restaurants sind nicht vom Untergang gefeit. Das hippe Zürcher Restaurant Elmira konnten auch ein Michelin-Stern und 16 GaultMillau-Punkte nicht vor finanziellen Schwierigkeiten retten. Seit zwei Wochen ist das Restaurant für immer zu. Noch im Oktober suchte das Lokal händeringend nach Gönnern.
Mit der Schliessung der Veranda verlor die Stadt Bern einen kulinarischen Hotspot. Und in Winterthur ZH steht derzeit das Restaurant Trübli, das als bestes Lokal der Stadt gilt, zum Verkauf.
Urs Pfäffli (62), Präsident des Zürcher Gastroverbands, weiss, worans liegt: «Wir erleben in der Gastronomie einen Strukturwandel, der auch vor der gehobenen Küche nicht haltmacht», sagte er im Gespräch mit Blick. Laut dem Branchenkenner haben besonders Einzelbetriebe enorm mit den steigenden Kosten zu kämpfen. Der Trend zu grossen Gastroketten verstärkt dieses Problem zusätzlich: «Deshalb sehen wir immer mehr Gastronomen, die mehrere Betriebe führen und so zum Beispiel im Einkauf deutlich bessere Konditionen aushandeln können.»