Darum gehts
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Die Migros bläst zur Zerlegung der regionalen Genossenschaften. An ihre Stelle soll eine Einheitsgenossenschaft treten. Dazu ruft sie für Mitte 2027 zur Mutter aller Migros-Urabstimmungen auf.
Während die neue Organisation für Kunden und Mitarbeitende unmittelbar nichts ändert, kommt es nun dick für die 2,3 Millionen Genossenschafterinnen und Genossenschafter in den Regionen. So manch einem Migros-Miteigentümer werden die Pläne von Reformer und Noch-Migros-CEO Mario Irminger zu weit gehen.
Revolutionen immer wieder abgeschmettert
Denn die Genossenschafter sind die treuesten Migros-Kunden. Mit ihrer Stimme tragen sie ihren regionalen Genossenschaften Sorge und halten damit deren Stellenwert im Migros-Universum hoch. Dass sie sich nicht von der Zentrale in Zürich fremdbestimmen lassen wollen, zeigte sich in den 90er-Jahren. Damals wurden Versuche einer Vereinheitlichung der regionalen Genossenschaften blockiert. Zuletzt manifestierte sich die Macht der Genossenschafter in der Urabstimmung über die Einführung des Alkoholverkaufs in Migros-Supermärkten. Der Alkohol-Plan der Migros wurde von den 2,3 Millionen Eignern abgeschmettert.
Noch ist die Einheitsgenossenschaft ebenfalls nur ein Plan. Denn dafür und für die Abschaffung der zehn regionalen Genossenschaften, den Abbau von Doppelspurigkeiten und langsamen Entscheidungswegen bei Investitionen braucht es eine Urabstimmung unter den Genossenschaften.
Die Hürden sind hoch: 25 Prozent Stimmbeteiligung sind vorderhand nötig von jeder der zehn Genossenschaften. Und es braucht eine Zweidrittelmehrheit, um die Einheitsgenossenschaft durchzubringen, wiederum von jeder einzelnen regionalen Genossenschaft. Die grösste Wette der Migros-Geschichte.
Regionalfürsten dafür, aber die Genossenschafter?
Immerhin: Alle zehn Regionalfürsten hat Irminger heute hinter sich. Keiner weiss besser als er, dass die meisten Genossenschaften Geld brauchen für die Modernisierung ihrer Filialen. Gleichzeitig brauchen sie Hilfe, um wieder zu wachsen oder aus den roten Zahlen herauszukommen. Doppelspurigkeiten und Wildwuchs verteuerten die bisherige Organisation.
Ähnlichen Druck verspürten vor über einem Vierteljahrhundert die Regionalfürsten von Coop. Der Basler Migros-Rivale brachte die Einheitsgenossenschaft 2001 bei den Genossenschaften durch. Heute läufts Coop blendend im Kampf mit der Migros um Marktanteile – und auch gegen die Discounter Aldi und Lidl.
Die Coop-Kopie ist für die Migros unumgänglich. Ob sie den grossen Erfolg bringt, wie erwartet, steht auf einem anderen Blatt. Zumindest kann die Migros mit Einsparungen in Millionenhöhe rechnen. Aber auch Hunderte Arbeitsplätze sind betroffen, wie schon beim grossen Ausverkauf bei den Fachmärkten und der Einführung der Supermarkt AG mit ihrer gelben Tiefpreis-Linie.
Wer Irminger aber kennt, weiss, dass für ihn kein Weg an der Einheitsgenossenschaft vorbeiführt. Das wird er auch den über 400 Topmanagern an der jährlichen Kaderveranstaltung am Dienstag noch einmal deutlich machen. Der Job der Topleute und der Regionalfürsten wird es nun sein, die Werbetrommel für die Einheitsgenossenschaft in ihren Verkaufsgebieten zu rühren und die Genossenschafter von diesem revolutionären Vorhaben zu überzeugen.
Geht es schneller als gedacht mit der Reform?
Der Migros-«Vision 2035» stimmte die Delegierten-Versammlung im November 2025 zu. Das Bewusstsein für Veränderung ist offenbar da, der Konkurrenzdruck steigt. Die grösste Arbeitgeberin der Schweiz muss sich in der Organisation verschlanken, um in Zukunft nicht von den anderen Marktteilnehmern abgehängt zu werden.
Vielleicht geht es plötzlich schneller als gedacht mit der auf zehn Jahre angelegten Strukturreform. Obwohl Irminger nach der Urabstimmung zurücktritt und den Weg frei macht für neue Kräfte, geht er bereits heute als Migros-Reformer in die Geschichte ein.