Darum gehts
- Migros schafft eine neue Einheitsgenossenschaft
- Migros-Chef Mario Irminger tritt Mitte 2027 zurück
- Einsparpotenzial durch Reform: 300 bis 400 Millionen CHF jährlich
Die Migros-Regionalfürsten haben bald ausgedient: Der orange Riese will sich eine neue Organisationsstruktur verpassen, indem er die zehn Regionalgenossenschaften, den Migros-Genossenschafts-Bund (MGB) und die Supermarkt AG zusammenführt – in eine einzelne Gruppengenossenschaft. Künftig sind die 2,3 Millionen Genossenschafter alle unter einem Dach vereint, so der Plan.
Der historische Schritt geht mit einem historischen Bild einher: Erstmals sind alle Präsidentinnen und Präsidenten der Regionalgenossenschaften gemeinsam vor die Medien getreten. Damit zelebrierten sie komplette Einigkeit. «Wir haben einstimmig beschlossen, die eine Gruppengenossenschaft anzustreben», betonte Migros-Präsidentin Ursula Nold (57) an der Pressekonferenz.
Urabstimmung im kommenden Sommer
Für sie steht einiges auf dem Spiel: Denn die neue Struktur muss hohe Hürden überwinden. Alle zehn Regionalgenossenschaften müssen zustimmen – mit einer Zweidrittelmehrheit. Die Urabstimmung ist auf Mitte 2027 angesetzt.
Dieser Zeitpunkt bedeutet gleichzeitig das Ende von Migros-Chef Mario Irminger (61) und Peter Diethelm (60), CEO der wichtigen Tochter Supermarkt AG. Beide geben dann ihre Funktionen ab. «Ich bin überzeugt, dass es der richtige Zeitpunkt ist, den Stab weiterzugeben», sagte der Migros-Chef. Es brauche frische Kräfte, die den Prozess nach der Urabstimmung vorantreiben. «Da sind Peter Diethelm und ich die falschen Personen, weil wir 2027 beide 62 Jahre alt werden», so Irminger. Er betont aber: «Wir beide werden uns mit ganzer Überzeugungskraft dafür einsetzen, alle Genossenschafter zu überzeugen, dass diese epochale Änderung richtig ist.»
Für die Nachfolge von Irminger und Diethelm hat die Migros eine Findungskommission einberufen. Man werde interne wie externe Kandidaten beleuchten, so Präsidentin Nold. Und: Man wolle bis Anfang 2027 die Nachfolge präsentieren.
Keine Entlassungen bis Mitte 2028
Die Zentralisierung wird die Migros grundlegend verändern. Die Kundschaft soll davon aber möglichst nichts merken, wie der scheidende CEO Irminger betonte: «Die Kunden werden weiterhin die vertrauten Filialen besuchen, dort die bekannten Mitarbeitenden antreffen und weiterhin die regionalen Produkte kaufen können.»
Und auch die Mitarbeitenden können vorerst aufatmen. Der orange Riese verspricht, dass es in den Regionen bis Mitte 2028 keine Entlassungen geben wird. «Es ist nicht das Ziel, Stellen abzubauen», so Präsidentin Nold.
Supermarkt-Geschäft mit fünf Regionen
Mit dem epochalen Umbau will sich die Migros für die Zukunft fit machen: schlankere Strukturen, schnellere Dienstwege. «Unser Ziel ist klar: Wir wollen die Migros wieder agiler, attraktiver und leistungsfähiger machen – zum Nutzen aller und im festen Fundament unserer genossenschaftlichen Werte», sagte Nold.
Die Gruppengenossenschaft bildet künftig das Dach über der gesamten Migros-Gruppe. Unter ihm sind die sieben Geschäftseinheiten vereint: Migros Supermarkt, Migros Industrie, Denner, Migrol/Migrolino, Digitec Galaxus, Migros Bank und Medbase. Diese operieren eigenständig. Das schweizweite Supermarktgeschäft wird künftig aus einer Hand geführt, ist aber in fünf Verkaufsregionen aufgeteilt.
Und auch sonst setzt die Migros weiter auf Regionalität: So werden künftig sechs Regionalräte geschaffen, vier für die Deutschschweiz und je einen Regionalrat für die Romandie und fürs Tessin. Die Regionalräte bringen die Anliegen ihrer Regionen ein und wählen die Delegierten. Die Delegiertenversammlung auf nationaler Ebene sorgt weiterhin für die demokratische Mitbestimmung.