«Wilde Spekulationen» vor Topkader-Anlass
Diese Pläne könnten die Migros komplett verändern

Heisser Herbst bei der grössten Arbeitgeberin der Schweiz. Eben haben sich Migros und Sozialpartner auf bessere Mitarbeiterleistungen geeinigt. Doch in wenigen Tagen soll es um das Aus der regionalen Genossenschaften gehen.
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Eine wichtige Entscheide fallen bei der Migros.
Foto: Sven Thomann

Darum gehts

  • Neu gibts 10 Prozent Einkaufsrabatt für Migros-Mitarbeitende
  • Metzger und Logistiker müssen weniger lang arbeiten
  • Migros-Organisation steht vor Umbau – zehn regionale Genossenschaften auf Prüfstand
Ulrich Rotzinger Blick
Ulrich RotzingerWirtschaftschef

Das hört sich erst einmal gut an: Über 51'000 Mitarbeitende der grössten Arbeitgeberin der Schweiz erhalten künftig 10 Prozent Rabatt auf jeden Einkauf in einem Migros-Supermarkt. Die Abrechnung erfolgt über Cumulus-Punkte, die zum gleichnamigen Treueprogramm der Migros-Gruppe gehören.

Dieser Beschluss zusammen mit weiteren Verbesserungen für die Angestellten ist noch taufrisch. Er wurde am Donnerstag durch Mitteilungen der Sozialpartner öffentlich gemacht. So weit, so gut. Wäre da nicht der grosse Kaderanlass der Migros-Gruppe, der am 27. Oktober in der historischen ABB-Industriehalle StageOne in Zürich-Oerlikon stattfindet.

Migros L-GAV bringt Verbesserungen

Migros und die Sozialpartner haben sich auf einen neuen Landes-Gesamtarbeitsvertrag geeinigt. Der L-GAV tritt am 1. Januar 2027 in Kraft und gilt für die nächsten fünf Jahre. Er bringt einheitlichere Bedingungen und Verbesserungen für Tausende Angestellte:

  • Neu gilt der L-GAV auch für Mitarbeitende mit einem Pensum von unter 20 Prozent
  • Ihm sind nun 51'000 der insgesamt fast 92'000 Beschäftigten unterstellt
  • In der Fleischverarbeitung und der Logistik sinkt die Wochenarbeitszeit von 43 auf 41 Stunden – der Lohn bleibt gleich
  • Mitarbeitende bekommen neu 10 Prozent Einkaufsrabatt in Migros-Supermärkten (in Form von 10-fachen Cumulus-Punkten)

«Wir sind zufrieden mit dem Ergebnis», teilen der Kaufmännische Verband und der Metzgereipersonal-Verband mit.

Migros und die Sozialpartner haben sich auf einen neuen Landes-Gesamtarbeitsvertrag geeinigt. Der L-GAV tritt am 1. Januar 2027 in Kraft und gilt für die nächsten fünf Jahre. Er bringt einheitlichere Bedingungen und Verbesserungen für Tausende Angestellte:

  • Neu gilt der L-GAV auch für Mitarbeitende mit einem Pensum von unter 20 Prozent
  • Ihm sind nun 51'000 der insgesamt fast 92'000 Beschäftigten unterstellt
  • In der Fleischverarbeitung und der Logistik sinkt die Wochenarbeitszeit von 43 auf 41 Stunden – der Lohn bleibt gleich
  • Mitarbeitende bekommen neu 10 Prozent Einkaufsrabatt in Migros-Supermärkten (in Form von 10-fachen Cumulus-Punkten)

«Wir sind zufrieden mit dem Ergebnis», teilen der Kaufmännische Verband und der Metzgereipersonal-Verband mit.

Was passiert am 27. Oktober in Zürich-Oerlikon?

Dort soll Migros-CEO Mario Irminger (61) zum «entscheidenden Schlag» ausholen. Laut dem Portal Inside Paradeplatz steht die Migros vor der Entscheidung. «Das Ende der regionalen Königreiche», heisst es im Beitrag, und: «CEO Irminger präsentiert den 400 Topkadern ‹Fusion› der 10 Genossenschaften.»

Das ist brisant, aber doch über das Ziel hinausgeschossen.

Brisant, weil dann nicht nur viele Regionalfürsten über die Klinge springen müssten, sondern es auch beim «normalen Personal» in den Verwaltungsbereichen der regionalen Genossenschaften zu einem gröberen Stellenabbau kommen könnte.

Wahrscheinlicher ist, dass CEO Irminger wie jedes Jahr über den laufenden Geschäftsgang seiner Gruppe informiert. Und schliesslich ansagt, an welchen Stellschrauben er im kommenden Jahr drehen will, um mit seinem Supertanker Migros Fahrt aufzunehmen.

Migros spricht von «wilden Spekulationen»

Die Migros sagt auf Anfrage nichts zum Inhalt des Kaderanlasses in Zürich-Oerlikon. Solch «wilde Spekulationen» kommentiere man nicht. Führungsanlässe wie dieser finden laut einer Sprecherin regelmässig zweimal jährlich statt und sind lange im Voraus geplant. Es gehe in der Hauptsache ums laufende Geschäft.

Dass die Migros unter CEO Irminger daran ist, die Gruppe neu auszurichten, effizienter zu machen und dazu auch die zehn regionalen Genossenschaften auf den Prüfstand stellt, ist kein Geheimnis. Zuletzt hat die «NZZ am Sonntag» unter Berufung auf Insider berichtet, die Migros arbeite an einer neuen Organisationsform.

Im Raum steht eine Reduktion von zehn auf drei Genossenschaftsregionen oder gar auf eine Einheitsgenossenschaft, wie sie Rivale Coop bereits vor einem Vierteljahrhundert eingeführt hat. Auch hierzu will sich die Migros-Sprecherin nicht gegenüber Blick äussern.

Sie verweist auf die Vision 2035, die die Migros letztes Jahr verabschiedet hat. Darauf aufbauend gehe es auch darum, die Migros organisatorisch weiterzuentwickeln. «Daran hat sich nichts geändert», so die Sprecherin.

Ohne Zustimmung der Genossenschafter gehts nicht

Allerdings: Greift die Migros-Führung um Irminger in die Organisationsform ein, braucht es in den regionalen Genossenschaften eine sogenannte Urabstimmung, sprich die Zustimmung der 2,3 Millionen Genossenschafterinnen und Genossenschafter. Das Zweidrittelsmehr ist nötig, um etwa eine Zusammenlegung von Genossenschaften durchzubringen.

Über das Aus von regionalen Genossenschaften entscheiden also nicht die Topkader der Migros. Allerdings nutzt CEO Irminger in zwei Wochen mit Sicherheit die Gelegenheit, auch noch die letzten Kader zu überzeugen, dass an einem Abbau der regionalen Genossenschaften kein Weg vorbeiführt. Und diese dann jeweils in ihrem Stammgebiet die Werbetrommel für ein «Weniger ist mehr» rühren.

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