Darum gehts
- Siegwerk schliesst Standort in Bargen BE, 100 Angestellte verlieren ihre Jobs
- Produktion verlagert in die Türkei wegen des starken Franken und sinkender Nachfrage
- 70 Prozent der Entlassenen erhalten mindestens halben Jahreslohn als Abfindung
Es ist ein harter Schlag für über 100 Angestellte der Firma Siegwerk in Bargen BE: Sie haben am Dienstag ihre Kündigung bekommen. Das auf Farben, Lacke und Klebstoffe spezialisierte Unternehmen im Berner Seeland verlagert die Produktion nach Tuzal in der Türkei, wie das Onlineportal ajour.ch zuerst berichtet hat. Dort hat das Unternehmen bereits eine Niederlassung. Nur die Technologieabteilung von Siegwerk bleibt in der Schweiz.
Siegwerk hat weltweit 5400 Angestellte. Die Fabrik in Bargen ist der einzige Standort in der Schweiz. Grund für die Verlagerung der Produktion ins billige Ausland ist der starke Franken. Und: In der Schweiz gibt es praktisch keine Druckereien mehr, die Etiketten von PET-Flaschen oder Folien bedrucken. Zudem schwächelt der europäische Markt für UV-Druckfarben, die Nachfrage sinkt. Nur in Osteuropa, im Mittleren Osten und in Afrika wächst die Branche noch. Eine Produktion in der Schweiz ergibt da aus Sicht von Siegwerk keinen Sinn mehr.
Für die Betroffenen gibt es einen Sozialplan. 70 Prozent der Angestellten, die ihren Job verlieren, bekommen laut ajour.ch einen halben Jahreslohn oder mehr als Abfindung ausbezahlt. Zudem wurde ein spezielles Bonussystem ausgearbeitet. Wer trotz Kündigung bis zum letzten Arbeitstag bleibt, soll für jeden Monat einen halben Monatslohn dazu bekommen.
Überall werden Stellen gestrichen
Siegwerk ist nur ein Beispiel in einer langen Reihe von Firmen, die aus Kostengründen oder wegen der US-Zölle nicht mehr in der Schweiz produzieren. Zuletzt hat Bally nach 175 Jahren einen Schlussstrich gezogen: Die Schweizer Traditionsmarke stellt die Schuhproduktion in Caslano TI ein – und entlässt die letzten 27 Fabrikmitarbeiter.
Auch die Sigvaris Group mit Sitz in St. Gallen plant umfassende Sparmassnahmen und verlagert in den nächsten Jahren Teile der Produktion und Logistik ins Ausland. Bis zu 140 Stellen werden in St. Gallen und Wittenbach SG abgebaut. Das 1864 gegründete Traditionsunternehmen ist vor allem für seine Kompressionsstrümpfe bekannt, sie werden künftig im Ausland hergestellt. Sigvaris will sich an seinen Schweizer Standorten auf Spezialitäten konzentrieren.
Hohe US-Zölle haben den Schweizer Kaffeemaschinenhersteller Eversys aus Siders VS zur Produktionsverlagerung nach Italien gezwungen. Das Unternehmen macht ein Drittel des Umsatzes in Amerika. Maschinen für den US-Markt werden deshalb in Italien montiert, die Fertigung für alle anderen Länder verbleibt in Siders. Dutzende Temporärangestellte haben ihren Job verloren.