27 Jobs weg – weitere könnten folgen
Luxus-Schuhmarke Bally stellt Produktion in der Schweiz ein

Nach 175 Jahren ist Schluss: Die Schweizer Traditionsmarke Bally stellt die Schuhproduktion im Tessin ein und entlässt die letzten 27 Fabrikmitarbeiter. Die zuständige Gewerkschaft warnt, dass die Besitzerin auch bald in der Verwaltung den Rotstift ansetzen könnte.
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Seit nunmehr 175 Jahren produziert Bally seine Schuhe in der Schweiz. Im Bild: das Schuhwerk in Schönenwerd SO im Jahr 1996.
Foto: Keystone

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Bally beendet nach 175 Jahren die Schuhproduktion in der Schweiz
  • 27 Mitarbeitende in Calsano TI verlieren ihre Jobs
  • 2024: 1450 Angestellte weltweit, davon 350 in der Schweiz
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Nathalie BennRedaktorin Wirtschaft

Der traditionsreiche Schweizer Schuhproduzent Bally stellt seine Produktion in der Schweiz ein. Und das nach 175 Jahren! Darüber berichtete das Insiderportal shoez.biz

Bereits in den kommenden Wochen sollen die verbleibenden 27 Produktionsmitarbeiter in Caslano TI entlassen werden. Die Kündigung haben sie bereits erhalten. Laut der Plattform sollen die Verwaltungsbüros mit rund 100 Beschäftigten am Hauptsitz erhalten bleiben. Wo die edlen Lederprodukte nun stattdessen hergestellt werden, ist nicht bekannt. Eine Stellungnahme des Unternehmens steht bislang aus. 

Rege Besitzerwechsel im Traditionshaus

Die Schweizer Luxusschuhmarke kämpft bereits seit längerem mit Problemen – und wurde in den letzten Jahren «herumgereicht wie eine heisse Kartoffel», wie die «Handelszeitung» schreibt. Zuletzt wechselten die Besitzer im Jahr 2024: Die deutsche Milliardärsfamilie Reimann verkaufte die Marke an die amerikanische Beteiligungsgesellschaft Regent. Dem US-Investmenthaus gehört das Unternehmen bis heute. Zuvor besass neben der Familie Bally unter anderem der Schweizer Finanzspekulant Werner K. Rey (82) den Schuhhersteller, sowie der Rüstungskonzern Oerlikon-Bührle und die ebenfalls amerikanische Private-Equity-Gesellschaft TPG. 2018 ging Bally fast in chinesische Hände. Der Deal platzte jedoch kurz vor Abschluss. 

Die derzeitige Besitzerin setzte bereits kurz nach der Übernahme den Rotstift bei der Belegschaft an: 2024 berichtet die «Handelszeitung» von insgesamt 1450 Bally-Angestellten weltweit, darunter 340 in der Schweiz. 250 von ihnen waren am Hauptsitz im Tessin tätig. Nun sind es noch 127, bald nur noch 100. Zudem befürchtet die zuständige Gewerkschaft OCST, dass weitere Stellen in der Verwaltung wegfallen werden.

Vom Familienbetrieb zur globalen Luxusmarke

Bally zählt wie Lindt & Sprüngli oder Nestlé zu den bekanntesten Marken der Schweizer Industriegeschichte. Die Wurzeln der Traditionsfirma reichen bis ins 18. Jahrhundert zurück, als sich ein Maurer aus Vorarlberg in Österreich im solothurnischen Örtchen Schönenwerd niederliess. Dort handelte der gebürtige Österreicher erfolgreich mit Seidenbändern. Sein Enkel, Carl Franz Bally, startete schliesslich im Jahr 1851 mit der Herstellung von Schuhen.

Dank der Mechanisierung nach amerikanischem Vorbild entwickelte sich Bally rasch zu einem führenden Unternehmen der europäischen Schuhindustrie. Die besten Zeiten erlebte das Unternehmen in den 1950er- und 1960er-Jahren, damals noch in Familienbesitz. Das Unternehmen beschäftigte damals rund 15'000 Personen in der Schweiz und stellte über 10 Millionen Paar Schuhe pro Jahr her.

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