Rolex, Swatch und Co
Schweizer Uhrenriesen trotzen der Luxuskrise

Heftige Umsatzrückgänge in den Golfstaaten setzen Europas Prestigehersteller unter Druck. Schweizer Marken hingegen bleiben stabil. Ein wichtiges Stimmungsbarometer zeigt inzwischen sogar wieder deutlich nach oben.
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Begehrt wie eh und je: Luxusuhren von Rolex.
Foto: imago

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Beat SchmidWirtschaftsredaktor

Die europäische Luxusindustrie steckt in einer schweren Krise. Seit Monaten sind die Aktienkurse des Louis-Vuitton-Konzerns LVMH, von Kering (Gucci, Bottega Veneta, Balenciaga) und von Hermès auf Talfahrt. Der Zollstreit mit Amerika und nun auch der Krieg gegen den Iran drücken auf die Kauflust der Konsumenten. Die Shoppingmalls in Dubai und Abu Dhabi erleben herbe Besucherrückgänge. Ohne Frage: Auch Schweizer Uhrenkonzerne leiden unter der instabilen Lage im Nahen Osten.

Der Co-Chef der Genfer Schmuck- und Uhrenmanufaktur Chopard, Karl-Friedrich Scheufele (68), rechnet für den Nahen Osten im laufenden Jahr mit einem Umsatzrückgang von 15 bis 20 Prozent, wie er diese Woche in einem Interview sagte. Allerdings sei die Entwicklung weniger dramatisch ausgefallen als zunächst befürchtet. Die Branche erweise sich insgesamt als robust. Thierry Stern (55) aus der Besitzerfamilie der Genfer Nobelmarke Patek Philippe betonte am Freitag, dass die Krise «uns nicht allzu stark betrifft». Gegenüber der «Financial Times» ergänzte er: «Der Krieg ist noch da, wir verkaufen aber weiter.»

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Tatsächlich sind die Aktien der Schweizer Uhrenkonzerne Richemont und Swatch weniger stark von der Krise betroffen als jene der grossen französischen Luxuskonzerne. Swatch konnte seit Anfang Jahr sogar zulegen. Dazu passt: Die britische Luxusuhrenkette Watches of Switzerland meldete am Donnerstag überraschend Rekordumsätze. Die Steigerung betrug im vergangenen Geschäftsjahr 13 Prozent. Mehr als die Hälfte der Verkäufe stammt inzwischen aus den USA, dem traditionell wichtigsten Exportmarkt für Schweizer Uhren. Der britische Uhrenhändler hob sogar seine Gewinnprognose an und rechnet im laufenden Jahr mit weiterem Wachstum. Analysten sprechen von einer starken Dynamik im Markt, getrieben von amerikanischen Käufern.

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Index für Gebrauchtuhren zeigt steil nach oben

Auch ein weiterer wichtiger Indikator zeigt nach oben: Der Bloomberg Subdial Watch Index zieht seit Monaten deutlich an. Im Mai kletterte er auf den höchsten Stand seit dem Rekord vor vier Jahren. Der Index bildet die Preisentwicklung der 50 meistgehandelten gebrauchten Luxusuhren weltweit ab und gilt als wichtiger Frühindikator für die Stimmung im Luxussegment. Der sogenannte Pre-Owned-Markt reagiert meist schneller als Exportdaten oder Unternehmenszahlen. Steigende Preise auf dem Gebrauchtmarkt können deshalb als Hinweis auf eine zurückkehrende Kaufbereitschaft zahlungskräftiger Kunden gelesen werden.

Harte Zahlen werden allerdings erst Anfang Juni vorliegen: Dann veröffentlicht der Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie die Exportzahlen für April. Bislang schlug sich der Krieg im Persischen Golf kaum in den offiziellen Daten nieder. Die Ausfuhren in die Vereinigten Arabischen Emirate lagen im März sogar leicht im Plus.

Wenn es Riesen wie Rolex, Cartier, Patek Philippe oder Swatch gut geht, heisst das allerdings nicht, dass alle Marken gleichermassen erfolgreich unterwegs sind. Im Subdial-Gebrauchtindex rangieren aktuell 44 Modelle von Rolex und sechs von Patek Philippe. Das zeigt, wie konzentriert der Markt inzwischen ist. Einzelne Hersteller stehen unter Druck und müssen sich anpassen. So meldete Bloomberg vergangene Woche, dass der Uhrenhersteller Breitling 50 Stellen abbauen muss. Die Uhrenindustrie gehört mit mehr als 60’000 Beschäftigten zu den wichtigsten Branchen der Schweiz.

Die Unsicherheit bleibt hoch. Steigende Öl- und Energiepreise sowie aus dem Tritt geratene Lieferketten wirken oft zeitverzögert. Das Wachstum der Weltwirtschaft vorherzusagen, ist zum Ratespiel geworden. Denn auch die Zahl vermögender Kunden, die sich Luxusprodukte überhaupt leisten können, schrumpft. Das Beratungsunternehmen Bain Capital schätzt, dass sich die Zahl solcher potenten Kunden zwischen 2022 und 2025 auf der ganzen Welt um 70 Millionen verringert hat. Eigentlich sollte 2026 zum Jahr der Erholung für die europäische Luxusbranche werden. Inzwischen haben die meisten Auguren den Aufschwung ins Jahr 2027 verschoben.

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