Darum gehts
- Trump verhängt 12,5 Prozent Strafzoll auf Schweizer Produkte seit Freitagmorgen
- Vorwurf: Schweiz schützt Markt nicht vor Zwangsarbeits-Waren aus anderen Ländern
- 60 betroffene Länder, möglicher zusätzlicher Zoll von 15 Prozent diskutiert
Zoll-Zampano Donald Trump (80) hat wieder zugeschlagen. In der Nacht auf Freitag verhängte der US-Präsident neue Strafzölle gegen 60 Länder – darunter auch gegen die Schweiz. Seit 6 Uhr gilt nun eine Importabgabe von 12,5 Prozent auf hiesige Produkte. Ausnahmen sind weiter möglich.
Die Begründung für die neuen Zölle: Die nun bestraften Länder schützen laut dem US-Handelsbeauftragten Jamieson Greer (47) ihre Märkte nicht ausreichend vor Waren, die unter Zwangsarbeit hergestellt wurden. Das schaffe «ungleiche Wettbewerbsbedingungen», die man «nicht länger hinnehmen» werde, so Greer.
Weitere Untersuchung gegen die Schweiz
Für die Schweizer Wirtschaft könnte es noch schlimmer kommen. Denn parallel zu den Zwangsarbeitsvorwürfen führt die US-Regierung auf Basis von Section 301 noch eine weitere Untersuchung für einen Zusatzzoll durch. Der Vorwurf: Die Schweiz, die EU, China und 13 weitere Handelspartner würden in der Produktion Überkapazitäten fördern. Dies führe zu unfairen Handelsüberschüssen. Im Mai fanden erste Anhörungen statt.
Noch ist offen, wann Resultate zu dieser Untersuchung zu erwarten sind. Der Vorwurf ist aus Sicht von Rahul Sahgal (48), Direktor der Schweizerisch-Amerikanischen Handelskammer, nicht haltbar: «Wir bestreiten, dass die Schweiz mit einer aktiven Industriepolitik Überkapazitäten schafft», sagte er kürzlich zu Blick.
Nur: Was man hierzulande in der Schweiz denkt, dürfte Trump so ziemlich egal sein. Deshalb ist für Richard Baldwin (67), Professor für internationale Wirtschaft am IMD in Lausanne, das Ergebnis der neuen Untersuchung erwartbar: Es dürfte zuungunsten der Länder ausfallen. Der Schweiz droht ein weiterer Zoll-Hammer aus den USA. Wie hoch der Zollsatz ausfällt, ist aber noch völlig offen. Auch deshalb hofft die Wirtschaft weiterhin auf ein rechtlich verbindliches Abkommen zwischen Bern und Washington. Der im letzten Jahr vereinbarte Deal würde einen Zollsatz von 15 Prozent vorsehen.