Darum gehts
Rücktritt als Weltnummer eins! Curlingskip Silvana Tirinzoni (46) sagt ihrem geliebten Sport auf dem Höhepunkt ade. Die Zürcherin hört als Legende auf: zweifache Europameisterin, vierfache Weltmeisterin, zig starke Grand-Slam-Auftritte und nun zuletzt im Februar auch mit Silber die langersehnte Olympiamedaille. Tirinzoni geht als eine der erfolgreichsten Spielerinnen aller Zeiten in die Geschichte des Weltcurlings ein. «Ich habe mehr erreicht, als ich jemals zu träumen wagte», schreibt sie auf Social Media.
Eine Überraschung ist der Rücktritt nicht. Tirinzoni liess schon nach Cortina durchblicken, dass sie sich einen weiteren Olympiazyklus bis zu den Spielen 2030 in Frankreich als Aktivspielerin nicht wirklich vorstellen kann. Dennoch zeigt das emotionale Abschiedsschreiben vom Mittwoch, dass ihr der Schritt schwerfällt, das prägendste Kapitel ihres Lebens zu schliessen. «Selbst in den dunkelsten Momenten meiner Karriere war eines immer klar: Ich liebe Curling», schreibt die Serienweltmeisterin.
Warme Worte für den langjährigen Trainer aus Kanada
Tirinzoni bedankt sich im Schreiben namentlich bei allen 24 Teamkolleginnen, mit denen sie im Laufe der Zeit auf dem Eis stand, während der Verband Swiss Curling mit keinem Wort erwähnt wird.
Besonders warme Worte widmet die Zürcherin stattdessen einem Mann im Hintergrund, dem kanadischen Trainer Pierre Charette (70), der viel Anteil an der traumhaft erfolgreichen Tirinzoni-Ära hatte. Sie schreibt: «Pierre, danke für alles. Als Trainer warst du fantastisch. Aber am meisten bedeutet es mir, was du über die Coachingrolle hinaus für mich warst. Diese Reise mit dir zu teilen und dich an meiner Seite zu haben, ist wirklich aussergewöhnlich.»
Tirinzoni adelt Charette, der fürs Team und vor allem für den Skip immer ein Fels in der Brandung war. Der auch in den harten Zeiten wie nach dem Tiefschlag mit den medaillenlosen Winterspielen 2022 in Peking (Rang vier) immer der Equipe des CC Aarau treu blieb.
Die Zukunft von Teamkollegin Alina Pätz ist offen
Er hätte spielend eine neue Aufgabe in seiner Heimat finden können – Charette ist in Kanada eine Legende. Er ist seit zehn Jahren in der Hall of Fame des kanadischen Verbands, denn neben seiner eigenen jahrzehntelangen Spielerkarriere engagierte er sich auch viel für den Sport an sich. Namentlich half er mit, die Grand-Slam-Serie gross zu machen.
Ob Charette auch ohne Weggefährtin Tirinzoni im Schweizer Dunstkreis bleibt? Unklar. Es hängt stark davon ab, in welcher Teamkonstellation die beiden verbleibenden Olympiasilberspielerinnen Alina Pätz (36) und Selina Witschonke (27) in die Zukunft gehen.
Und der Status als Weltnummer eins bei den Frauenteams? Da das Ranking wie im Tennis Ende Saison nicht auf null gestellt wird und auch Ergebnisse der Vorsaison zählen, dürfte sich das eigentlich aufgelöste Team Tirinzoni noch eine ganze Zeit lang in der Weltrangliste halten. Es ist ein Abgang durch die grosse Tür.