Darum gehts
- Schweizer Curling-Teams holen Gold, Silber und Bronze bei Grossanlässen
- Drei verschiedene Teams sorgten für die drei Medaillen
- Xenia Schwaller rüttelt am Thron von Silvana Tirinzoni, die womöglich nun aufhört
Die familiäre Schweizer Curling-Szene reibt sich gerade die Augen. Was war das für ein einmaliger Winter bei den Frauen. Das Debütantinnen-Team von Skip Xenia Schwaller (23) kehrt sensationell mit WM-Gold aus Kanada zurück. Davor entzückte die Equipe von Silvana Tirinzoni (46) mit Olympia-Silber in Cortina. Und Anfang Saison holten auch noch Corrie Hürlimann (27) und Co. EM-Bronze in Finnland, ebenfalls als Neulinge.
Drei Grossevents, drei verschiedene Teams für die Schweiz am Start, drei Medaillen. Das sind überragende Zukunftsaussichten. Aber es stellt sich die Frage: Wer vertritt die Schweiz künftig an den Grossanlässen? An EM, WM und Olympia kann ja jeweils nur eine Equipe pro Nation starten.
Tirinzoni kann sich weiteren Olympia-Start nicht vorstellen
Diesen Platz hatte das Tirinzoni-Team von 2018 bis 2025 im Dauer-Abo. Aber nun rüttelt vor allem Schwaller als neue Weltmeisterin gewaltig am Thron von Tirinzoni, die Vierfach-Weltmeisterin, Europameisterin und seit Februar auch Olympia-Medaillengewinnerin ist.
Tirinzoni prägt mit ihrem Palmarès das Welt-Curling seit Jahren – doch ist die Ära der Zürcherin jetzt vorbei? Schon vor Schwallers WM-Titel deutet sie bei SRF Rückzugsgedanken an und sagt im Hinblick auf eine Olympia-Teilnahme 2030: «Ehrlich gesagt kann ich mir das nicht vorstellen. Ich weiss, wie schwierig es ist, sich überhaupt zu qualifizieren. Und je älter man wird, desto schwieriger wird es auch vom Körper her. Ich sehe es zum jetzigen Zeitpunkt nicht, dass ich in vier Jahren noch spielen werde.»
Dazu muss man wissen: Im Curling wird wegen Olympia im Normalfall in Vierjahreszyklen gedacht. Nach den Spielen 2026 werden die Pläne bis 2030 geschmiedet. So ist für die jungen Teams von Schwaller und Hürlimann längst klar: «Unser grosses Ziel sind die Winterspiele 2030.»
Tirinzoni war bereits in Mailand/Cortina das älteste Schweizer Delegationsmitglied und wäre in vier Jahren 50 Jahre alt. Zwar nicht undenkbar im Curling, dann noch zu spielen – aber es gilt auch Themen wie den Wiedereinstieg ins Berufsleben zu berücksichtigen.
Weiteres Teammitglied vor dem Abgang?
Und da ist eben auch sportlich eine neue Situation: Nach sieben Jahren nationaler Dominanz gibts neue Konkurrenz im eigenen Land und zudem einen vom Verband gar noch nicht genau definierten Selektionsprozess für die kommenden Grossanlässe. Viele Fragezeichen beim Olympia-Silber-Team. Die Hinweise in der Szene verdichten sich, dass sich Tirinzoni auf dem Höhepunkt als aktuelle Weltnummer 1 verabschieden könnte. Zumal sich auch Teammitglied Carole Howald (32) offenbar ernsthaft die Zukunftsfrage stellt.
Noch sind aber keine Entscheidungen gefallen, offizielle Statements gibts keine. Eine besondere Eile auch nicht. Die meisten Personalentscheidungen im Curling fallen im April oder Mai.
Sollte Tirinzoni abtreten, wäre die spannende Frage: Was macht ihre kongeniale Teamkollegin Alina Pätz (36)? Sie könnte mit ihrem Standing als vielleicht beste Spielerin der Welt problemlos mit einem neuen Team und jüngeren Teamkolleginnen ein neues Projekt im Hinblick auf 2030 starten. Nicht nur die Teams von Schwaller und Hürlimann blicken gebannt auf die sich anbahnende Entscheidung bei Tirinzoni und Pätz.