Darum gehts
- In Solothurn formiert sich Team Schwaller, ein junges Curling-Quartett
- Ambitionierte Ziele: Top 10 bis 20 der Weltrangliste, Olympia 2030 anvisiert
- Saisonkosten: 80’000 bis 100’000 Franken, kombiniert mit Studium und Beruf
An der Aare in Solothurn wirkt an diesem Nachmittag noch alles ziemlich entspannt. Die Sonne scheint, die Stimmung ist locker, auf dem Tisch stehen vier Colas. Kim Schwaller (24), Maximilian Winz (23), Jan Iseli (24) und Andreas Gerlach (24) lachen, necken sich gegenseitig und wirken eher wie eine eingeschworene Clique als ein neu formiertes Spitzensportteam. Doch genau das steckt dahinter.
Mit «Team Kim Schwaller» formiert sich ein neues Curling-Quartett mit grossen Ambitionen – und einem Namen, der in der Szene längst Gewicht hat. Kim Schwaller ist der jüngere Bruder von Olympia-Curler Yannick Schwaller (31), Cousine Xenia Schwaller (23) ist aktuelle Weltmeisterin. Ganz zu schweigen von den jeweiligen Vätern Christof und Andi Schwaller, die Olympia-Bronze holten. Jetzt will auch Kim Schwaller bald für Schlagzeilen sorgen.
«Wir wollen uns nicht verstecken»
Die vier Curler kommen aus verschiedenen Teams und fanden nach dem Olympia-Zyklus zusammen. «Bei jedem von uns gab es Veränderungen. Dann hat sich das Schritt für Schritt ergeben», sagt Schwaller zu Blick. Entscheidend sei gewesen, ein Team mit Perspektive aufzubauen. «Wir sind alle in einem ähnlichen Alter und können langfristig zusammenarbeiten.»
Tatsächlich gehört das Quartett auf internationalem Niveau zu den Newcomern. Einzig Gerlach bringt bereits Erfahrung aus Grand-Slam-Turnieren mit, Iseli und Winz spielten schon gemeinsam bei den Junioren auf höchstem Niveau. «Wenn wir uns schon jetzt in den Top 16 etablieren könnten, wären wir wohl eines der jüngsten Teams überhaupt», sagt Gerlach.
Die Ziele sind ambitioniert: Grand Slams, internationale Topturniere, längerfristig auch Olympia 2030. Dafür müsste Kim Schwaller dereinst wohl sogar Bruder Yannick ausstechen: Bei Olympia kann jede Nation nur ein Team stellen. Dafür braucht es Geduld – und vor allem Konstanz. «Wenn wir uns in den Top 10 bis 20 der Weltrangliste etablieren könnten, wäre das eine sehr gute erste Saison», sagt Schwaller.
Zwischen Studium, Job und Spitzensport
Der Aufwand dafür ist enorm. Rund 80’000 bis 100’000 Franken kostet eine Saison auf diesem Niveau. Reisen, Trainingslager, Material, Unterkünfte: Vieles organisieren die Spieler selbst neben Studium und Beruf.
Gerlach arbeitet als Fitnesscoach, Iseli studiert Jura in Bern, Winz ist in der Firmenkundenberatung tätig. Auch Kim Schwaller kombiniert Arbeit und Spitzensport. «Im Sommer arbeiten wir viel, während der Saison dreht sich dann fast alles ums Curling», erzählen die Jungs.
Dass dabei der berühmte Familienname zusätzliche Aufmerksamkeit bringt, dessen ist sich Schwaller bewusst. «Der Name hilft sicher, um Kontakte zu knüpfen. Aber ich will mich nicht nur darüber definieren.» Und trotzdem ist klar: Am Familientisch dreht sich vieles um Curling.
Teamintern spielt der berühmte Nachname keine grosse Rolle. «Für mich war früh klar, dass ich wieder mit Kim spielen möchte», sagt Gerlach. «Ob er jetzt Schwaller oder Meier heisst, ist mir eigentlich egal.»
Das erste Mal in Aktion ist das neue Team voraussichtlich im August an den Baden Masters.