Darum gehts
Der Rücktritt von Curlinglegende Silvana Tirinzoni (46) bringt die erwartete Unruhe in die Schweizer Szene. Denn von Tirinzonis bisherigen Weltklasseteam, zuletzt an den Winterspielen in Cortina im Olympiafinal, setzen Alina Pätz (36) und Selina Witschonke (27) ihre Karrieren fort. Dafür brauchen sie gleich zwei neue Mitspielerinnen, weil neben Tirinzoni auch Carole Howald (33) nicht mehr dabei ist – nun ist offenbar die erste neue Teamkollegin gefunden.
Es ist Stefanie Berset (29). Ein Neuzugang mit Knalleffekt: Die Bernerin spielte bisher in der Zuger Equipe von Skip Corrie Hürlimann (27), gemeinsam holte man 2025 den SM-Titel und EM-Bronze. Und gemeinsam hatte man eigentlich Olympia 2030 im Visier.
«Die Nachricht kam für uns überraschend»
Doch jetzt teilt das Hürlimann-Team den Abgang betont nüchtern mit: «Nach zwei emotionalen und erfolgreichen Saisons, geprägt von einem Schweizermeistertitel und einer Bronzemedaille bei den Europameisterschaften, hat sich Steffi entschieden, ihren Weg bei einem anderen Team fortzusetzen. Die Nachricht kam für uns überraschend, da wir uns erst letzten Monat alle dazu commitet hatten, auf die Olympischen Spiele 2030 hinzuarbeiten.»
Im Klartext: Der Berset-Abgang nur kurze Zeit nach dem Treueschwur schockt die EM-Dritten. Dass Berset tatsächlich zum offenbar neu entstehenden Team um Pätz wechselt, ist noch nicht offiziell, in der familiären Curling-Szene aber ein offenes Geheimnis. Zumal die Bernerin dem Team schon länger nahesteht.
Sie erlebte die emotionale Reise zu Olympiasilber von Tirinzoni, Pätz und Co. hautnah mit – Berset war, vom Hürlimann-Team quasi ausgeliehen, in Cortina als Ersatzspielerin dabei und besitzt nun auch eine olympische Silbermedaille. Jetzt wechselt sie fix zu den Resten des Silberteams.
Jetzt brauchen zwei der drei Top-Teams eine vierte Spielerin
Einmal mehr zeigt sich: Im sehr auf Etikette, Fairness, Kameradschaft und Ethik bedachten Curling lässt sich zwar gut ohne Schiedsrichter spielen, doch wenns um Transfers geht, sind Commitments schnell wenig wert.
Kommentieren will den Transferwirbel von den Beteiligten niemand. Auch, weil noch längst nicht alle Würfel gefallen sind. Denn jetzt sind von den drei Top-Teams, die letzten Winter die Schweiz international vertreten haben und allesamt Medaillen erzielten (Hürlimann mit EM-Bronze, Tirinzoni/Pätz mit Olympiasilber, Xenia Schwaller mit WM-Gold) zwei auf der Suche nach einer vierten Spielerin. Kommts nochmals zu einer feindlichen Übernahme? Wer weiss. Denn die Auswahl an Schweizerinnen auf Weltklasseniveau ist klein.
Doppelbürgerin Mathis mit neuem Projekt in Italien
Eine valable Kandidatin für eines der Top-Teams hätte theoretisch auch die Zürcherin Elena Mathis (26) sein können. Doch die Doppelbürgerin spielt nach ihrer Olympiateilnahme in Cortina für Italien trotz Auflösung ihrer bisherigen Equipe um Skip Stefania Constantini (27) weiterhin in der Heimat ihrer Mutter. Mathis ist Teil des neu formierten Teams um Skip Giulia Zardini Lacedelli (23). Und hat natürlich auch Olympia 2030 im Visier.