Europameisterin hörte frustriert auf
Jetzt reagiert der Bob-Weltverband auf Melanie Haslers Kritik

Melanie Hasler beendete frustriert ihre Karriere. Die Bobeuropameisterin kritisiert ungleiche Materialbedingungen im Zweierbob, was auch ein Vorwurf ist an IBSF-Materialchef Christoph Langen. Was sagt ihr einstiger Mentor dazu?
Kommentieren
1/6
Melanie Hasler steigt aus: Die Doppel-Europameisterin beendet ihre Karriere im Bobsport mit 27 Jahren.
Foto: AP

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Bobeuropameisterin Melanie Hasler tritt aus Frust über Materialvorteile zurück
  • Kritik an IBSF: Die versprochenen Massnahmen gegen die deutsche Dominanz wurden nicht umgesetzt
  • Die Präsidentschaftswahlen im Juni könnten neue Impulse für den Bobsport bringen
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Externe Inhalte
Möchtest du diesen und weitere externe Beiträge (z.B. Instagram, X und anderen Plattformen) sehen? Wenn du zustimmst, können Cookies gesetzt und Daten an externe Anbieter übermittelt werden. Dies ermöglicht die Anzeige externer Inhalte sowie von personalisierter Werbung. Deine Entscheidung gilt für die gesamte App und ist jederzeit in den Einstellungen widerrufbar.
RMS_Portrait_AUTOR_1046.JPG
Matthias DubachLeiter Reporter-Pool Blick Sport

Der von aussen gesehen überraschende Rücktritt von Bobeuropameisterin Melanie Hasler (27) ist für einen Mann eine besonders bemerkenswerte Sache: für die deutsche Boblegende Christoph Langen (64). Und zwar aus zwei Gründen. Es war Langen in seiner früheren Tätigkeit beim Schweizer Verband als Nachwuchschef, der die damalige Beachvolleyballerin für den Bobsport entdeckte und sie für den Umstieg begeistern konnte. Und Langen ist nun in seiner aktuellen Funktion beim Weltverband IBSF ein Adressat von Haslers Kritik.

Denn Langen ist Chef der IBSF-Abteilung für Material, Technologie und Innovation – also für das Reglement, in dem steht, was alles im Schlittenbau erlaubt ist und was nicht. Die Bobtechnik war einer der elementarsten Kritikpunkte von Hasler. Die Aargauerin hört nicht zuletzt deshalb frustriert auf, weil bei den Frauen im Zweierbob vor allem die Deutschen hoch überlegene Schlitten haben und die Rennen reihenweise gewinnen. 

Der Weltverband hat Pläne in der Schublade

Langen sagt: «Ich bedaure Melanies Rücktritt. Denn sie selber zeigte ja an der EM im Januar, dass jede schlagbar ist, als sie souverän zu den beiden Goldmedaillen gefahren ist.» Doch nun machte Hasler Schluss mit der Aussage, dass der Weltverband angekündigte Massnahmen gegen die Materialvorteile bisher nicht umsetzte: «Es wurde immer wieder Hoffnung gemacht und sie dann wieder zerstört.»

Anruf bei Materialboss Langen. «Es ist ein komplexes Thema, da es viele Faktoren zu berücksichtigen gilt», sagt er. Der zweifache Olympiasieger und achtfache Weltmeister betont, dass die IBSF nach wie vor emsig am Thema arbeite: «Wir sind kurz davor, für den neuen Olympiazyklus Änderungen einzuführen.»

Langen appelliert aber an den Realismus. Dass im Zweierbob bei den Frauen bald wie beim Monobob mit Einheitsschlitten gefahren werde, sei nicht geplant. «Wir müssen auch an die Kosten denken. Würden wir Einheitsbobs vorschreiben, müssten alle Nationen ihr vorhandenes Material wegschmeissen und sich neue Schlitten anschaffen. Das könnte sich nicht mal Deutschland finanziell leisten.»

Wegweisende Präsi-Wahl beim Weltverband im Juni

Also arbeitet seine IBSF-Abteilung daran, gewisse Bauteile zu standardisieren und so mehr sportliche Ausgeglichenheit zu erlangen. Aber auch das sei kompliziert. «Da ist grundsolide Arbeit gefragt, denn es geht auch um die Sicherheit. Die Teile müssen jahrelang betriebssicher sein.»

Ob durch Haslers Kritik am Ist-Zustand ihres eigentlich geliebten Sports bald etwas ernsthafter Lösungen gesucht werden? Das entscheidet sich nicht zuletzt im Juni, wenn beim Weltverband IBSF Präsidentschaftswahlen anstehen. Die Zeit des Italieners Ivo Ferriani dürfte nach 16 Jahren abgelaufen sein – mit einem neuen Bob-Boss könnte in allen Belangen viel frischer Wind in die Eiskanäle kommen. 

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen