Darum gehts
- Michael Vogt gewinnt Olympia-Bronze im Viererbob in Cortina am 22.02.2026
- Im entscheidenden Lauf holte Vogt 0,04 Sekunden Vorsprung gegen Deutschland
- Erster Weltcupsieg Dezember 2023, Olympia-Debüt 2022, Rücken-OP 2024
Vor der Abreise nach Cortina zu den Spielen sagt Michael Vogt (28) nachdenklich zu Blick: «Eine Medaille? Da muss viel zusammenpassen, denn wir müssen ja an den Deutschen vorbei.»
Nun hat es der Bob-Teufelskerl aus Wangen SZ tatsächlich hingekriegt. Vogt gewinnt im Rennen mit dem Vierer-Schlitten das Krimiduell um Bronze gegen den Deutschen Adam Ammour (24) – er verwandelt im entscheidenden vierten Lauf 0,09 Sekunden Rückstand noch in 0,04 Sekunden Vorsprung. Der Jubel über das gewonnene Hundertstel-Finale bei Vogt und seinen Anschiebern Andreas Haas (29), Amadou Ndiaye (23) und Mario Aeberhard (20) kennt im Zielhaus keine Grenzen.
Besondere Olympia-Beziehung
Vogts Freundin Melanie Hasler jubelt mit, ihr stehen die Freudentränen in den Augen. Sie ist auch Bob-Pilotin und fuhr ihr letztes Rennen am Samstag. Das ganz persönliche, private Olympia-Märchen der beiden endet nun vorläufig mit einer Medaille. Denn Hasler und Vogt, beide waren 2022 in Peking Olympia-Debütanten, kamen sich damals in China näher und waren kurz danach ein Paar. Nun krönt Vogt die persönliche Olympia-Beziehung mit der Fahrt zu Bronze.
Doch hinter Vogts grösstem Karriere-Moment steckt ein emotionaler Weg. Der Schwyzer trug vom allerersten Weltcup-Rennen als 20-Jähriger an eine grosse Last. Die einstige Bob-Nation Schweiz stand damals am Nullpunkt, als der Verband in der Not einen kompletten Neuaufbau mit lauter jungen Piloten aufgleiste.
Einer dieser Bob-Lehrlinge, die den traditionsreichen Sport wiederbeleben sollten? Vogt. Der Turner aus dem STV Wangen wurde von Ex-Weltmeister Ivo Rüegg entdeckt. Nur zwei Jahre nach seiner ersten Bobfahrt gibt er schon sein Weltcup-Debüt.
Der gelernte Polymechaniker hält dem grossen Druck stand, von Anfang an Leader zu sein. Fünf Jahre nach dem Debüt hat Vogt bereits einen Junioren-WM-Titel, einen starken 4. Rang im Zweier bei Olympia 2022, WM-Bronze 2023 und im Dezember 2023 den ersten Weltcup-Sieg eingefahren. Und jetzt folgt die vorläufige Krönung – Olympia-Bronze, das deutsche Trio ist gesprengt.
Der schwere Unfall von Sandro Michel prägte Vogt
Was für ein Coup. Dabei machte Vogt in den letzten Jahren harte Zeiten durch. Da ist der Mega-Schock 2024, dass sich mit Sandro Michel (29) einer seiner Anschieber lebensgefährlich verletzt. Es passiert auf der ohnehin berüchtigten Bahn im deutschen Altenberg, der Vogt-Schlitten stürzt im Training. Fatalerweise fällt Michel aus dem Bob, bleibt bewusstlos auf dem Eis liegen. Als der schwere Bob aus dem ansteigenden Zielauslauf in die letzte Kurve zurückrutscht und gegen Michel prallt, zieht dieser sich schlimme Verletzungen zu. Er kommt durch, kämpft aber bis heute ums Comeback.
Für Vogt war Michel nicht irgendein Anschieber: Der Aargauer war von Anfang der Karriere an der schnelle Mann des Vertrauens. Vogt/Michel, das war stets und unbestritten die Besatzung von Schweiz 1. Auch privat versteht sich das Duo sehr gut und schaltet beim gemeinsamen Fischen ab.
Dass Michel in Altenberg fast sein Leben gelassen hätte, hat der Olympia-Held nicht ad acta gelegt. Erst vor vier Wochen boykottierte der Schwyzer den Weltcup-Lauf im ominösen Eiskanal. «Ich fahre nicht auf einer Bahn, wo einer unserer Anschieber fast gestorben wäre und sich seither nichts geändert hat», erklärte er damals.
Körperliche Hindernisse, wenn auch nicht im Ausmass wie bei Michel, beschäftigen aber in letzter Zeit auch Vogt selber. Rücken- und Knieprobleme bereiten ihm seit Jahren Sorgen. Nach einer Rücken-OP 2024 fiel er monatelang aus. Zwischendurch stellte er sich auch mal die Frage: Ist mein geschundener Körper überhaupt noch spitzensport-tauglich? Doch mit seinem Trainingsprogramm am OYM in Cham ZG hat Vogt die Blessuren einigermassen im Griff – wie die grandiose Fahrt zu Bronze zeigte.
