Darum gehts
Das 10-Jahr-Jubiläum seines grossartigen US-Open-Titels drohte unwürdig über die Bühne zu gehen. Die Veranstalter des New Yorker Grand Slams vergaben im Vorfeld des am Sonntag beginnenden Turniers die letzten beiden Wildcards an zwei Einheimische – und nicht an den früheren Champion Stan Wawrinka (41), der zudem in diesem Jahr seine Karriere beendet. Aufschrei und Empörung in der Tenniswelt waren riesig. Doch dann, drei Tage vor dem Auftakt, zog sich einer der beiden eingeladenen Amerikaner, Patrick Kypson, mit einer Verletzung zurück. Und Wawrinka erhielt doch noch die Wildcard in der Stadt, mit der er so viele Emotionen verbindet. Happy End nach ordentlich Drama. Genau wie 2016. Auch da standen die Vorzeichen nicht gerade gut. Ein Rückblick:
Der Zusammenbruch
Fünf Minuten vor einem seiner grössten Karrieremomente bricht Stan Wawrinka in der Kabine des Arthur-Ashe-Stadiums in Tränen aus. Sein Körper hält dem Stress nicht mehr stand. «Ich habe gelitten. Ich hatte Schmerzen. Ich war so nervös wie noch nie zuvor», gesteht er hinterher. Trotzdem hat er an diesem Tag Novak Djokovic in eindrücklicher Manier besiegt. Auch hier nicht ohne Drama. Den ersten Satz verliert er im Tiebreak. Dann aber schlägt er eiskalt zurück – und wird nach Roger Federer und Martina Hingis zum erst dritten Schweizer, der die US Open gewinnt. 6:7, 6:4, 7:5, 6:3!
Der Stunk
Djokovic stemmt sich im vierten Satz mit allen Mitteln gegen die Niederlage. Er nimmt sich beim Stand von 1:3 eine Behandlungspause. Das ist zu diesem Zeitpunkt nur für medizinische Notfälle erlaubt. Djokovic will sich aber seine Blasen verarzten lassen – und geht Wawrinka mit dieser unrühmlichen Aktion mächtig auf den Zeiger, was der Romand lautstark kundtut. Es gibt ordentlich Wirbel. Schliesslich sieht Djokovic es ein – und sagt: «Sorry, Stan.»
Die Riesenprämie
Wawrinka bekommt nach seinem Turniersieg mit 3,5 Millionen Dollar (damals 3,4 Millionen Franken) das grösste Preisgeld seiner Karriere. In Form eines kleinen Papier-Checks. Wohin damit? Er faltet ihn und verstaut ihn in seiner verschwitzten Hose. Und tätschelt später noch einmal die linke Hosentasche. Ja, alles noch da.
Das Familienereignis
Bis auf Bruder Jonathan sitzt die ganze Familie Wawrinka in der Box. Mama Isabelle, Papa Wolfram, die Schwestern Djanaée und Naëlla. Und auch seine damalige Freundin Donna Vekic, heute die Weltnummer 36 und eine der besten Freundinnen von Belinda Bencic, gehört zu den Ersten, die Wawrinka in den Arm nehmen. Erstmals gibts öffentlich einen Kuss für die Kroatin.
Die Sterne
Apropos Familie: Der Papa hat alles geahnt. Wolfram Wawrinka ist ein passionierter Hobbyastrologe und las die grossen Taten seines Sohnemanns in New York schon früh am Himmel ab. Dem «Tages-Anzeiger» erklärte er: «Ich sagte schon Anfang Jahr zu allen: Er wird die US Open gewinnen. Mit einem Augenzwinkern.»
«The Demolition Man»
Wawrinka erntet in der Tennisszene viel Respekt, weil er nach Roland Garros 2015 Djokovic zum zweiten Mal in einem Final besiegt hat. Die englische Boulevardzeitung «The Sun» lobt die unermüdliche, forsche Spielweise von Wawrinka. Sie schreibt, er habe den damaligen Weltranglistenersten «zerstört» und ändert kurzerhand «Stan the Man» in «The Demolition Man» ab.
Der Formel-1-Verrückte
Eine ähnliche Erinnerung hat Blick-Tennisexperte Heinz Günthardt, der damals als SRF-Kommentator vor Ort war. Er zieht einen Formel-1-Vergleich: «Novak versuchte einfach, nicht zu verlieren, Stan aber war dort, um zu gewinnen. Auf ein Rennen übertragen, heisst das: Novak lupfte in der Kurve seinen Fuss, Stan aber drückte selbst dort voll aufs Gaspedal – so brutal offensiv war er drauf.»
Der Wahnsinnslauf
Wie kaltschnäuzig Wawrinka – mit Platz drei als höchster Weltranglistenposition – in der Blüte seiner Laufbahn ist, zeigt dieser Fakt: Der Triumph über Djokovic ist sein elfter Finalsieg in Folge. Eine Traumserie. Mit Beginn 2014 in Chennai (Ind). Nicht fehlen darf in jener Zeit: der ikonische Jubel mit dem Finger an der Schläfe.
Der Stadteroberer
Kein Titelgewinn im Stadtteil Queens ohne Shooting tags darauf in Manhattan. Wawrinka posiert als neuer König von New York auf dem «Top of the Rock», der Aussichtsplattform des 259 m hohen Rockefeller Centers, und macht noch ein Selfie. Blick titelt daraufhin: «Stanhattan.»
Die TV-Schmach
Die zweite Konsequenz aus einem Megaerfolg in der Stadt, die niemals schläft: Eine ellenlange Tour vom Frühstücksfernsehen bis zum Spätabendprogramm. In der «Tonight Show» von Jimmy Fallon wird Wawrinka vom Moderator zu einem Tennismatch auf der Nintendo Wii herausgefordert – und der Romand verliert kläglich. «Warum habe ich hier überhaupt mitgemacht? Ich bin so blöd», schreit Wawrinka lachend: «Ich werde nie wieder hierher zurückkehren.»
Für Stan Wawrinka (41) kommts in seinem Abschiedsjahr zu einem Déjà-Vu. Wie schon beim epischen Viersätzer in Wimbledon (7:6, 6:7, 6:7, 6:7) trifft der nun doch noch mit einer Wildcard ausgestattete Romand in New York auf Matteo Berrettini (30). Als Weltnummer 43 ist der Italiener 84 Plätze besser klassiert als Wawrinka. Blick-Tennisexperte Heinz Günthardt sagt: «Es ist absolut verdient und nur gerecht, dass Stan an den US Open die Möglichkeit erhält, sich zu verabschieden.» Kommt der dreifache Major-Champion eine Runde weiter, würde dort sogar ein Duell mit Novak Djokovic winken, was – gerade im Jubiläumsjahr seines US-Open-Triumphes – die ganz grosse Krönung seiner Grand-Slam-Karriere wäre.
Belinda Bencic (29, WTA 12) gehört erneut zu den Geheimfavoritinnen. Sie trifft zum Auftakt auf die Kasachin Julia Putinzewa (31, WTA 80). Beim Mixed-Doppel-Turnier der US Open, bei dem sie mit Flavio Cobolli (24, ATP 6) bis in den Final vorstiess, hinterliess die Ostschweizerin bereits einen guten Eindruck. Gleichwohl ist es erneut ein Start mit Fragezeichen: «Alles wird davon abhängen, wie fit sie wirklich ist – ist das der Fall, kann sie weit kommen», sagt Günthardt.
Bencic hatte zuletzt mit Hüftproblemen zu kämpfen gehabt, musste in Toronto (Forfait für Viertelfinal) und Cincinnati (Aufgabe in zweiter Runde) jeweils den Körper schonen. Nicht zum ersten Mal in dieser Saison. Schon vor Wimbledon, wo sie den Achtelfinal erreichte, laborierte sie an einer Verletzung. Damals handelte es sich um den Bereich um den Knöchel.
Viktorija Golubic (33, WTA 55) duelliert sich in der ersten Runde der US Open mit der Französin Diane Parry (23, WTA 50). Und Simona Waltert (25, WTA 85) bekommt es mit der Argentinierin Nadia Podoroska (29, WTA 447) zu tun.
Für Stan Wawrinka (41) kommts in seinem Abschiedsjahr zu einem Déjà-Vu. Wie schon beim epischen Viersätzer in Wimbledon (7:6, 6:7, 6:7, 6:7) trifft der nun doch noch mit einer Wildcard ausgestattete Romand in New York auf Matteo Berrettini (30). Als Weltnummer 43 ist der Italiener 84 Plätze besser klassiert als Wawrinka. Blick-Tennisexperte Heinz Günthardt sagt: «Es ist absolut verdient und nur gerecht, dass Stan an den US Open die Möglichkeit erhält, sich zu verabschieden.» Kommt der dreifache Major-Champion eine Runde weiter, würde dort sogar ein Duell mit Novak Djokovic winken, was – gerade im Jubiläumsjahr seines US-Open-Triumphes – die ganz grosse Krönung seiner Grand-Slam-Karriere wäre.
Belinda Bencic (29, WTA 12) gehört erneut zu den Geheimfavoritinnen. Sie trifft zum Auftakt auf die Kasachin Julia Putinzewa (31, WTA 80). Beim Mixed-Doppel-Turnier der US Open, bei dem sie mit Flavio Cobolli (24, ATP 6) bis in den Final vorstiess, hinterliess die Ostschweizerin bereits einen guten Eindruck. Gleichwohl ist es erneut ein Start mit Fragezeichen: «Alles wird davon abhängen, wie fit sie wirklich ist – ist das der Fall, kann sie weit kommen», sagt Günthardt.
Bencic hatte zuletzt mit Hüftproblemen zu kämpfen gehabt, musste in Toronto (Forfait für Viertelfinal) und Cincinnati (Aufgabe in zweiter Runde) jeweils den Körper schonen. Nicht zum ersten Mal in dieser Saison. Schon vor Wimbledon, wo sie den Achtelfinal erreichte, laborierte sie an einer Verletzung. Damals handelte es sich um den Bereich um den Knöchel.
Viktorija Golubic (33, WTA 55) duelliert sich in der ersten Runde der US Open mit der Französin Diane Parry (23, WTA 50). Und Simona Waltert (25, WTA 85) bekommt es mit der Argentinierin Nadia Podoroska (29, WTA 447) zu tun.