Speed-Hoffnung Malorie Blanc (22) über ihre Liebe zur Natur und einer möglichen Olympia-Party
«Etwas verrückt zu sein, ist manchmal gut»

Malorie Blanc (22) liebt Schnee, Natur und Abenteuer. Vor ihrem Olympia-Debüt in Cortina verrät die Speed-Spezialistin, was sie inspiriert, wie sie Hindernisse meistert und warum sie gern ein Hai wäre.
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Dieses Mädchen ist heute vielleicht unsere grösse Speed-Hoffnung in Cortina: Malorie Blanc. Sie war schon immer sehr naturverbunden.
Foto: Privat

Darum gehts

  • Malorie Blanc (22) liebt die Natur, Ski und träumt von Olympia
  • Sie feiert eine Medaille mit Partys und plant Skandinavien-Ferien
  • Olympia 2026: Blanc startet in Cortina, hofft auf Erfolge im Super-G
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Mathias GermannReporter Sport

Die Berge, der Schnee, Tiere und Pflanzen: Malorie Blanc (22) liebt die Natur. Schon als Kind war sie fast immer draussen, mit Freunden und Geschwistern – im Sommer wie im Winter. Vor ihren ersten Olympischen Spielen spricht die Speed-Spezialistin über ihre Nähe zur Natur, BBC-Dokus und warum sie am Start gern ein Hai wäre. Schliesslich verrät die Super-G-Siegerin von Crans-Montana VS, wie sie eine Medaille in Cortina feiern würde.

Blick: Was bedeutet Ihnen die Natur?
Malorie Blanc: Sie inspiriert mich. Sie ist stark – stärker als der Mensch. Ich habe grossen Respekt vor ihr. Frühmorgens auf den Ski, wenn die Sonne aufgeht, bin ich fast in Meditation. Die Natur berührt mich.

Versuchen Sie, sie zu verstehen?
Ja. Es gibt unendlich viel zu entdecken.

Manchmal hindert sie Sie am Arbeiten.
In Zauchensee schneite es so stark, dass Training und Super-G abgesagt wurden. Das störte mich nicht. Schnee macht mich glücklich. Meine Teamkolleginnen fragen sich dann manchmal, warum ich gute Laune habe (lacht).

Macht Ihnen die Klimaerwärmung Sorgen?
Anfangs ja. Ich fühlte mich schuldig, weil wir Menschen dazu beitragen. Das ist traurig. Am Ende ist alles ein Kreislauf. Vielleicht verschwindet der Mensch eines Tages, die Natur bleibt. Dieser Gedanke beruhigt mich.

Was tun Sie für die Umwelt?
Als Skifahrerin ist das schwierig, wir reisen viel. Ich halte mich an die kleinen Dinge: Müll trennen, weniger kaufen, wenn möglich Zug fahren.

Was trifft Sie mehr: Regenwald-Abholzung oder Abfall am Strassenrand?
Beides. Aber der Müll vor Ort macht mich wütend, weil ich ihn vor mir sehe. Es ist nicht schwer, eine Dose in den Kübel zu werfen. Unglaublich, dass Menschen Abfall aus dem Auto schmeissen.

Das ist Malorie Blanc

Malorie Blanc galt nie als Supertalent. Ihr Stern ging bei der Junioren-WM 2024 auf, als sie Gold im Super-G holte. Kurz darauf riss sie sich das Kreuzband. Im Januar 2025 fuhr sie dennoch in ihrem erst zweiten Weltcuprennen aufs Podest – Platz 2 in St. Anton. Blanc wuchs in Ayent VS auf, sie liebt Kunst, mag Menschen und die Natur. Am 31. Januar 2026 gewann sie in Crans-Montana VS ihr erstes Weltcuprennen – einen Super-G.

Malorie Blanc gewann zuletzt den Super-G in Crans-Montana.
FABRICE COFFRINI

Malorie Blanc galt nie als Supertalent. Ihr Stern ging bei der Junioren-WM 2024 auf, als sie Gold im Super-G holte. Kurz darauf riss sie sich das Kreuzband. Im Januar 2025 fuhr sie dennoch in ihrem erst zweiten Weltcuprennen aufs Podest – Platz 2 in St. Anton. Blanc wuchs in Ayent VS auf, sie liebt Kunst, mag Menschen und die Natur. Am 31. Januar 2026 gewann sie in Crans-Montana VS ihr erstes Weltcuprennen – einen Super-G.

Sie erleben auch den Gletscherrückgang.
In Saas-Fee, Zermatt, am Aletschgletscher. Der Vergleich von früheren Fotos mit heute ist schockierend. Ich versuche, vom Klimawandel zu sprechen, nicht nur von Erwärmung. Wer weiss, ob wieder mal eine Eiszeit kommt. Vielleicht ist das Zweckoptimismus.

Ihre Eltern reisten oft mit dem Wohnmobil.
Wir blieben nah: Schweiz, Italien, Nachbarländer. Es war eine wunderbare Zeit.

Was war besonders?
Wir waren fast immer draussen, wuchsen ohne Handys auf. Heute sehe ich viele, die ständig aufs Smartphone schauen. Das finde ich schade.

Wie war Ihre Kindheit?
Wir waren oft im Wald: Pilze suchen, Feuer machen, Cervelat grillieren, Hütten bauen. Einfache Dinge. Diese Erinnerungen trage ich bis heute in mir. In der Natur braucht es wenig, um glücklich zu sein. Mit meiner Cousine spielten wir Restaurant, kochten mit Pflanzen, erfanden Menüs.

Sie fotografieren gern die Natur.
Kürzlich war ich mit dem E-Bike auf einer Alp in Anzère. Ich hielt ständig an für Fotos. Eine Kollegin sagte: «Du bist wie eine Grossmutter!» (Lacht.)

Mag Ihr Schäferhund Bayou den Winter?
Er liebt Schnee. Er springt, wälzt sich, frisst ihn. Das geniesse ich.

Sie wollten einst Meeresforscherin werden, oder?
Stimmt. Heute bin ich froh, Skifahrerin zu sein. Im Genfersee habe ich ein mulmiges Gefühl. Ich weiss nicht, was unter mir schwimmt. Algen mag ich auch nicht – mein Freund lacht darüber.

Im Meer tauchen wäre also eher nichts für Sie?
Doch, dieser spannenden Herausforderung würde ich mich gern stellen.

Schauen Sie Naturdokus im TV?
Ja. David Attenborough, «Planet Earth». Auf Netflix finde ich viel – wunderschön und spannend.

Wenn Sie am Start eines Rennens ein Tier wären, welches wäre es?
Ein Hai. Es gibt so viele Arten: elegant, ruhig, aggressiv, stark. Ich könnte wählen, welcher ich gerade bin.

Wie wäre es mit einer Hai-Begegnung beim Tauchen?
Sehr gern. Sie sind weniger gefährlich, als man glaubt.

Sind Sie Vegetarierin?
Ich habe es ein Jahr versucht.

Und warum abgebrochen?
Unterwegs blieb oft nur Kartoffeln und etwas Gemüse, wenn ich das Fleisch wegtat. Ich verlor Gewicht. Aber vielleicht kommt das wieder. Spitzensport ohne Fleisch ist möglich.

Sie waren kein Supertalent und hatten nie grosse Titel als Ziel. Hat sich das geändert?
Nein. Ich will schnell Ski fahren. Der Rest ergibt sich. Mein Ziel bleibt: glücklich sein.

Gelingt das auch in schwierigen Phasen?
Langsam sein macht keinen Spass. Ich lerne noch, dass nicht jeder Tag gut ist. Aber ich suche das Positive.

Und das klappt?
Manchmal bin ich zu ernst, verliere die Lockerheit. Etwas verrückt zu sein, ist manchmal gut. Das ist ein Prozess.

Olympia gilt als zu gross. Ist die Nutzung bestehender Anlagen richtig?
Ja. Schade ist, dass wir nicht alle am gleichen Ort sind, denn ich würde mich gern mit Athleten anderer Sportarten austauschen. Aber Bauten ohne spätere Nutzung ergeben keinen Sinn.

Die Gleitstücke und langen Kurven in Cortina liegen Ihnen als starke Technikerin nicht besonders …
Stimmt. Mir fehlt Erfahrung. Aber ich lerne schnell. Ich kenne die Strecke jetzt. Ich bin zuversichtlich.

Wie würden Sie eine Medaille feiern?
Mit mehreren Partys – vor Ort und zu Hause. Damit alle dabei sein können.

Haben Sie Ferienpläne nach dem Winter?
Vielleicht mal Skandinavien. Oder ein Haustausch mit der Familie.

Wie geht das?
Wir haben das früher gemacht. Mit 13 waren wir einmal in Florida, lebten im Haus einer Familie. Und sie bei uns im Wallis. Es war günstig, intensiv – und die Krokodile in den Everglades vergesse ich nie.

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